1. Freizeit

Bonn: Ein attraktiver Spaziergang zu einigen Kostbarkeiten der Bundesstadt Bonn

Bonn : Ein attraktiver Spaziergang zu einigen Kostbarkeiten der Bundesstadt Bonn

Es wird oft beklagt, dass vieles teurer wird — und doch gibt es Möglichkeiten, gratis schöne Momente zu erleben. Nehmen wir Bonn als Beispiel und spazieren von Punkt zu Punkt. Jedem Besucher mag es freistehen, sich das eine oder andere gezielt auszusuchen. Wir haben uns bemüht, eine gewisse Reihenfolge auszuwählen. Als Angebot, mehr nicht. Und wichtig: alles ohne Eintritt!

Beginnen wir beim Alten Friedhof (Bornheimer Straße). Entstanden ist er zu Zeiten, als Bonn noch klein war. Und der städtische Friedhof lag außerhalb der damaligen Stadtgrenze. Heute wäre das Gelände ein Filetgrundstück erster Güte in bester Innenstadtlage. Er spiegelt die Mode der Steinmetze der vergangenen Jahrhunderte wider, die Bedürfnisse nach Trost für die Hinterbliebenen. Und es finden sich Gräber etwa von Beethovens Mutter Maria Magdalena sowie der Komponisten Clara und Robert Schumann. Auch die Frau des Expressionisten August Macke, Elisabeth, hat hier ihre letzte Ruhe gefunden. Und Mildred Scheel, Gründerin der Deutschen Krebshilfe. Eine Tafel am Eingang gibt Orientierung.

Der Kreuzgang des Münsters ist eine Oase der Ruhe inmitten der quirligen Innenstadt.
Der Kreuzgang des Münsters ist eine Oase der Ruhe inmitten der quirligen Innenstadt. Foto: Martin Thull

Am Münsterplatz

G Graffiti als Marketing: in der Unterführung von der Altstadt zur Oper.
G Graffiti als Marketing: in der Unterführung von der Altstadt zur Oper. Foto: Martin Thull

Auf dem Münsterplatz kommen wir an der Hauptpost vorbei, einem ehemaligen Stadtpalais, das von 1877 bis 2008 Hauptpostamt der Stadt war. Davor steht das Beethovendenkmal. Nächster Punkt unseres Spaziergangs ist der Münsterkreuzgang. Der rund 900 Jahre alte Kreuzgang des Bonner Münsters ist der am vollständigsten erhaltene romanische Kreuzgang nördlich der Alpen — und eine Oase der Ruhe. Während das Münster selber derzeit wegen dringender Sanierungsarbeiten geschlossen ist, sind Kreuzgang und Innenhof wieder vollständig zugänglich. (Eingang in der Gerhard-von-Are-Straße 5.) Es lohnt sich, die Kapitelle der Säulen aufmerksam zu betrachten.

G Graffiti als Marketing: in der Unterführung von der Altstadt zur Oper.
G Graffiti als Marketing: in der Unterführung von der Altstadt zur Oper. Foto: Martin Thull

Ein gut verstecktes Schmuckstück ist die Helenenkapelle (Am Hof 34). Und der zweifelhafte Clou ist, dass man sie von außen am ehesten durch ein Fenster der Dessousabteilung eines Textilkaufhauses sehen kann. Denn sie ist zwar bereits im 12. Jahrhundert als Hauskapelle eines der Stiftsherren entstanden, im Laufe der Jahrhunderte aber — ziemlich rücksichtslos — immer weiter um- und zugebaut worden. Geweiht ist sie der heiligen Helena, Mutter von Kaiser Konstantin und angeblich Entdeckerin von Jesu Kreuz in Jerusalem. Den Sommer über ist die Helenenkapelle über einen Treppenaufgang zu erreichen. Ein Besuch lohnt sich aufgrund der vorhandenen Fresken im Inneren, die zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert entstanden. Auf dem Pflaster des nahen Martinsplatzes ist der Grundriss der ursprünglich dort stehenden Martinskirche zu entdecken.

Wenige Schritte weiter ist der Haribo-Store (Am Neutor 3). Der Firmenname leitet sich ab von dem Namen des Gründers HAns RIegel BOnn. Man braucht dort nichts zu kaufen. Aber man kann sich an den unterschiedlichen Gerüchen der Lakritze, Weingummis und Goldbären erfreuen. Und so manchen Artikel entdecken, den es sonst nirgends gibt. Ein paar Schritte weiter kommen wir zum großen Brunnen am Kaiserplatz. Dort bietet sich uns die Blickachse Universität — Poppelsdorfer Schloss — Kreuzberg. Man kann ja viel Kritisches über das Gebaren der früheren Fürstbischöfe sagen. Aber sie hatten einen Sinn für Ästhetik, der auch heute noch imponiert.

Die Uni

Das frühere kurfürstliche Schloss ist heute das Hauptgebäude der Friedrich-Wilhelms-Universität, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiert. Von dort geht der Blick die Kastanienallee entlang zum Poppelsdorfer Schloss. Im etwa 500 Meter von der Uni entfernten Gebäude sind heute naturwissenschaftliche Institute untergebracht. Der Blick geht weiter hoch zum Kreuzberg. Im Jahr 1746 stiftete Kurfürst Clemens August die „Heilige Stiege“, an deren Planung der berühmte Barockbaumeister Balthasar Neumann mitwirkte. Das Gebäude (Stationsweg 21) unmittelbar vor der Kirche ist dem Haus des Pontius Pilatus nachempfunden. Eingearbeitete Messingkreuze auf der zweiten, elften und letzten von 28 Stufen markieren die Stellen, an denen der Sage nach Fragmente des Kreuzes Christi in die Treppe eingelassen sein sollen.

Der Kirchenpavillon vor der evangelischen Kreuzkirche bietet Gelegenheit zu einem (kostenpflichtigen) kleinen Imbiss oder zu (kostenfreien) Gesprächen über soziale oder religiöse Fragen. Von dort sind es nur wenige Schritte zur Hofgartenwiese. Sie liegt — umsäumt von Kastanienbäumen — zwischen Akademischem Kunstmuseum und dem Hauptgebäude der Universität, dem früheren Schloss von Kurfürst Clemens August. In der Zeit Bonns als Regierungssitz fanden hier zahlreiche Demonstrationen gegen die Politik der Bundesregierung statt, besonders die Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze von 1968 und die der Friedensbewegung in den 1980er Jahren.

Unter der Figur der „Regina Pacis — Friedenskönigin Maria“ geht es durch das Hauptgebäude über den Arkadenhof und zur Fußgängerzone, eine der ältesten Deutschlands. Wir wenden uns nach rechts und gelangen auf den Marktplatz, auf dem — eine weitere Besonderheit — an jedem Wochentag Markt ist. Vor allem auch Produkte aus der Region, dem fruchtbaren Vorgebirge, werden angeboten.

Altkatholische Gemeinde

Eher versteckt in der Brüdergasse finden wir St. Remigius mit Kreuzgang (Brüdergasse). In dieser Kirche spielte Beethoven im Alter von zehn Jahren die Orgel. Sie hat den Zweiten Weltkrieg leider nicht überstanden. Zurück auf dem Marktplatz gehen wir weiter rechts, bis wir in die Bonngasse eintreten können. Hier kommen wir nach etwa 150 Metern zur Namen-Jesu-Kirche (Bonngasse 6). Sie ist heute in der Nutzung der altkatholischen Gemeinde. Bemerkenswert ist die Möblierung des Altarraums: Im Winter 2010 stürzte im Kottenforst bei Bonn das Naturdenkmal „Dicke Eiche“ unter der Eislast zusammen, die morschen Wurzeln konnten nach mehr als 300 Jahren den Baum nicht mehr halten.

Der Künstler Klaus Simon durfte einen Teil davon verwenden. In einem Waldatelier schuf er im Sommer 2011 Altar, Lesepult, Osterkerzenständer und den Bischofsstuhl. Die auffallend hohe Zahl an Beichtstühlen ist typisch für eine Jesuitenkirche. Die altkatholische Kirche benötigt keine Beichtstühle, da das Sakrament der Versöhnung im Beichtgespräch gespendet wird. Daher werden sie nun als eine ganz andere Art Hör-Ort genutzt: In der Mitte sitzend kann man geistlicher Musik oder Beiträgen zu ausgesuchten Themen lauschen.

In der Bonngasse befindet sich auch das Geburtshaus von Ludwig van Beethoven — hier wird natürlich Eintritt verlangt. Über die Oxfordstraße und vorbei am Neubau des Landgerichts geht es in die Altstadt. Sie ist zu jeder Jahreszeit ein attraktives Ziel. Besonders aber im April: Dann sind hunderte Kirschbäume, welche die Altstadtstraßen — vor allem Heerstraße und Breite Straße — säumen, voll erblüht. Obwohl die Straßen während der Kirschblüte keineswegs zur Fußgängerzone mutieren, nehmen die Kraftfahrer vorbildlich Rücksicht auf die Kirschblütenfans. Die Altstadtbäume sind bis zu acht Metern hoch und knapp 30 Jahre alt. Die Kirschbaumalleen wurden Ende der 1980er Jahre im Zuge einer Wohnumfeldverbesserung angelegt. Der Ausgangspunkt unseres Spaziergangs, der Alte Friedhof, ist nun ganz nah.