1. Freizeit

Wissenswertes im Bonner Museum Koenig: Die Dinosaurier sind los

Wissenswertes im Bonner Museum Koenig : Die Dinosaurier sind los

Ein Treffen mit Sauropoden-Baby Toni und Stegosaurier Sarah: Das Bonner Museum Koenig präsentiert einzigartige Dinosaurierfunde. Für die Kleinen Besucher gibt es ein museumspädagogisches Begleitprogramm.

Da lesen wir in der Zeitung, dass es Feuerwehrleuten in Australien gelungen ist, sogenannte Wollemien vor den verheerenden Bränden zu retten. Sie seien angeblich so alt, dass sie noch Dinosaurier erlebt hätten. So stand es dort. Wenn sie auch noch reden könnten, dann würden sie der hiesigen Erforschung der Dinosaurier mächtig weiterhelfen. Denn die sind heute darauf angewiesen, Rückschlüsse aus den versteinerten Funden in aller Welt zu ziehen. Umso beeindruckender, was sie entdeckt haben.

Dinosaurier – das sind kleine, große und sehr große Tiere, die vor ganz langer Zeit auf unserer Erde gelebt haben. Das ist so in etwa das Wissen, das allgemein vorausgesetzt werden kann. Die Forscher unterscheiden grob zwischen Pflanzenfressern, den Sauropoden, und den fleischfressenden Dinos, den Theropoden. Die Wissenschaftler haben inzwischen aber eine ganze Menge weiterer Eigenheiten dieser Tiere herausgefunden, oft in nahezu detektivischer Kleinarbeit.

Viele Funde aus Europa

Ergebnisse dieser Forschung zeigt eine Ausstellung im Museum Koenig in Bonn noch bis zum 21. Juni. Erstmals in Europa werden jetzt in Kooperation mit dem Sauriermuseum Aahtal bei Zürich insbesondere Dinosaurierfunde aus Europa gezeigt.

Unter den Riesendinosauriern waren die Langhalssaurier (oder Sauropoden) die größten Tiere, die jemals die Kontinente dieser Erde bewohnten. Über viele Millionen Jahre dominierten sie bei nahezu unverändertem Körperbau ihren Lebensraum. Erst als die Dinosaurier nach einem Kometeneinschlag ausstarben, konnte ohne deren Konkurrenz das „Zeitalter der Säugetiere beginnen“. Wir begeben uns also in die Zeit vor dem Ende des Mesozoikums, auch Erdmittelalter oder Erdmittelzeit, genannt. Das ist eine geologische Ära, die vor etwa 251,9 Millionen Jahren begann und vor etwa 66 Millionen Jahren endete. Es wird in Trias, Jura und Kreide gegliedert. So viel aus dem Lexikon zur zeitlichen Orientierung.

Highlight der Bonner Ausstellung ist das 27 Meter lange Originalskelett des Sauropoden „Arapahoe“, das längste Originalskelett eines Dinosauriers, das in Europa ausgestellt wird. Was wir heute von „Arapahoe“ sehen, ist das Ergebnis einer Art Puzzlearbeit. Das Skelett ist zu 70 Prozent vollständig. Allerdings mussten rund 100 verstreute Knochen wieder zusammengesetzt werden. Seinen Namen erhielt er von einem der Indianerstämme in Wyoming. Aber es geht auch kleiner: Gezeigt wird auch das Sauropoden-Baby, dem die Forscher den Namen Toni gegeben haben.

4 Originalgelege von Dendroolithus Foto: Martin Thull/MArtin Thull

Lange Zeit wurde das Aussehen der Sauropoden-Dinosaurier als Kuriosität oder „Fehlversuch der Evolution“ verstanden. Aber immerhin dominierten sie rund 140 Millionen Jahre die Kontinente der Erde. Mit Größe und Gewicht übertrafen sie alle anderen Lebewesen. Ihr äußeres Erscheinungsbild ist imponierend: ein sehr langer Hals am einen und ein ebenso langer Schwanz am anderen Ende eines elefantenartigen Körpers. Die vier Beine waren säulenartig. Und das im wörtlichen Sinn. In der Ausstellung ist ein Oberschenkelknochen zu sehen, der selbst einen Basketballer eher klein aussehen ließe.

Ganz allgemein kann festgestellt werden, dass es in der Geschichte des Lebens auf der Erde einen Trend gibt: die Zunahme der Körpergröße von Organismen. Größe hatte einen überlebenswichtigen Vorteil, weil diese Sauropoden sich so leichter gegen räuberische, fleischfressende Dinosaurier verteidigen konnten. Und ihre Eigenschaften waren vererbbar, also waren auch die Nachkommen wehrhaft. Forscher haben herausgefunden, dass Raubtiere wegen ihres energierkostenden Lebensstils beim Jagen und Töten von Beute nur etwa ein Zehntel der Körpermasse von Pflanzenfressern erreichten.

In der heutigen Tierwelt

Selbst die größten Fleischfresser wie der Tyrannosaurus wiegen nur acht bis zehn Tonnen, ihre „Gegner“ die Super-Sauropoden an die 80 Tonnen. Anschaulich für die heutige Tierwelt: der 300 Kilogramm schwere Tiger gegen den drei Tonnen schweren indischen Elefanten.

Ziemlich viel Theorie, die den Besuchern zugemutet wird. Aber sie dient dem besseren Verständnis der ausgestellten Präparate. Und es werden auch Fragen nach der Funktion etwa der Rückenplatten gegeben oder der Abwehrkraft der Schwanzstacheln. Beides ist zu sehen, mal im Original, mal als Replik. Und dass es zwischen den verschiedenen Dinoarten nicht nur friedlich zuging, belegt ein Fund in der Schweiz: Der Schwanz des Plateosaurus XL wurde, so die Vermutung der Forscher, von einem Raubsaurier abgebissen, denn in dem letzten vorhandenen Schwanzwirbel steckte noch ein Zahn.

Ein ganz anderes Exemplar ist „Sarah“, ein 150 Millionen Jahre alter Stegosaurier. Das Besondere bei diesem Fund 2004 in den USA ist der nahezu vollständig erhaltene Schädel sowie die große Anzahl von Rückenplatten. Sie dienten wahrscheinlich weniger der Abwehr von Feinden, sondern der Kühlung.

Der Schädel eines Tyrannosaurus rex ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Das Bild darunter zeigt ein Gelege. Eierfunde gab es recht häufig, weil die Kalkschale sie schützte. Foto: MArtin Thull

Sarah war mit 5,35 Metern gerade ausgewachsen. Eine Anekdote am Rande: Namensgeberin war ursprünglich Sarah, die Tochter des Ranchbesitzers, auf dessen Farm das Skelett gefunden wurde. In London, wo das Skelett heute seinen Platz im National History Museum hat, wurde sie in „Sophie“ umgetauft – nach der Tochter des Sponsors, der dem Museum den Erwerb ermöglichte.

Dann begegnen wir Toni. Er war ein Sauropoden-Baby. Und das ist deshalb etwas Besonderes, weil Jungtiere oder gar Babys äußerst selten gefunden werden. 1999 von Toni Fürst gefunden, ist es ein beinahe vollständiges und zusammenhängendes Skelett. Die Forscher um Fürst sind sich sicher, dass Toni ein Sauropoden-Baby und keine Zwergform war – Halswirbel und Knochenmikrostruktur sind der Beleg. Toni war 67 Zentimeter groß, die Gesamtlänge liegt unter zwei Metern.

Haltbare Gelege

Dinosaurier waren Reptilien und  legten Eier. Und das nicht zu knapp. Solche Gelege werden häufiger gefunden, aus einem einfachen Grund: Die kalkhaltige Eierschale bleibt oft über Millionen von Jahren gut erhalten. Die Eier der Pflanzenfresser waren rundlich, die der Fleischfresser eher oval. Maximal legten sie 40 Eier ab. Da das mehrfach im Jahr vorkam, schlüpften jährlich an die 200 Nachkommen. Im Verhältnis zur Körpergröße waren die Dino-Eier deutlich kleiner als etwa die Eier der heutigen Vögel.

Die Forscher halten es für unwahrscheinlich, dass es bei der großen Anzahl und der räumlichen Verteilung geschlüpfter Jungtiere zu irgendeiner Form von Brutpflege kam. Die Folge war eine hohe Sterblichkeit bei den Sauropoden-Jungtieren. Der sicherste Weg zum Überleben gegenüber Raubtieren war – neben der Bildung von Gruppen – so schnell wie möglich zu wachsen. Dieses Wachstum wurde begünstigt durch einen effizienten Stoffwechsel der warmblütigen Tiere sowie die Wahl nährstoffreicher Pflanzenteile.

Wer Dinosaurier mag oder wer mehr über sie erfahren möchte, der ist in dieser Ausstellung gut aufgehoben. Längst nicht alle Informationen, die in Wort und Bild und vor allem in der Präsentation der Funde vermittelt werden, können hier wiedergegeben werden.

Wie inzwischen bei solchen Ausstellungen üblich, gibt es ein museumspädagogisches Begleitprogramm, das sich auch an Kinder ab etwa fünf Jahren richtet. Gruppenführungen, auch für Besucher und Besucherinnen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigung, sind möglich.