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Bonn: Das Deutsche Museum in Bonn zeigt eine Rallye durch die Lego-Welt

Bonn : Das Deutsche Museum in Bonn zeigt eine Rallye durch die Lego-Welt

Das Deutsche Museum Bonn zeigt bis 13. April eine der größten privaten Lego-Sammlungen. Die schöne Schau für drei Generationen ist eine Mustersammlung Fahrzeugen und Bauwerken aus verschiedenen Epochen. Ein interessantes Begleitprogramm gibt es auch.

Am Anfang schuf Tischlermeister Ole Kirk Christiansen — nein, nicht Himmel und Erde wie in der Bibel —, sondern inzwischen weltweit bekanntes Spielzeug. 1932 stellte er zunächst Gegenstände aus Holz her. Schon zwei Jahre später erfand er die Abkürzung „Lego“, seither eingetragenes Warenzeichen. Es steht für „leg godt — spiel gut“. Das ist Dänisch und zumindest diese Floskel beherrscht inzwischen weltweit jedes Kind.

Welch rasante Entwicklung die kleinen Noppen-steine seither genommen haben, das zeigt eindrucksvoll noch bis zum 13. April die Ausstellung „Stein auf Stein — Bausteinwelten aus Lego-Bausteinen aus der Sammlung Lange“ im Deutschen Museum Bonn — und feiert damit den 60. Geburtstag des Legosteinpatents.

Über 600 Lego-Modelle sind zu bestaunen. Sie sind Leihgaben aus der Sammlung von Andrea und Christian Lange, eine der größten privaten Lego-Sammlungen Deutschlands. „Den Schwerpunkt der Bonner Präsentation bilden Lego-Technikmodelle aus über fünf Jahrzehnten — passend zu unseren Themen“, freut sich Museumsleiterin Andrea Niehaus. Das Spektrum reicht dabei von Baustellenfahrzeugen über Rennwagen bis hin zu Hubschraubern und Schiffen. Sogar ganze Straßenzüge und aufwändige Raumfahrtszenarien sind zu bewundern.

Allerdings lernen die Ausstellungsbesucher nicht wie etwa in Legoland weltbekannte Bauwerke im verkleinerten Maßstab kennen, sondern eher eine Mustersammlung von Baufahrzeugen und Rennwagen, Kränen, Baggern und Häusern verschiedener Stil-Epochen sowie Fluggeräte. Das ist teilweise verwirrend, weil nur grob thematisch sortiert wurde. Dennoch lohnt es, aufmerksam die Vitrinen zu betrachten: Teilweise vermitteln liebevoll dekorierte Straßenszenen ein wenig Alltag in der Spielwelt.

Information und Unterhaltung bietet die Familien-Rallye, bei der „entlaufene“ Lego-Figuren Aline Alien, Nelson Nelke oder Rudi Raser im übrigen Museum gesucht und gefunden werden sollen. So werden die Rallye-Teilnehmer — unter sachkundiger Leitung von Eltern und/oder Großeltern — mit Exponaten der Dauerausstellung vertraut gemacht. Etwa mit dem Forschungsschiff „Polarstern“, wo am Bug der Taucher „Haiko“ vor einem Hai warnt. Das Heft zur Rallye gibt es kostenfrei an der Kasse.

Begeisterung in allen Altersklassen

Auffallend ist, mit welcher Begeisterung mittelalte Herren vor den Bauwerken stehen und sich an eigene Bauerlebnisse ihrer Jugend erinnert fühlen. Inklusive der Preise, die für manches Bauteil damals, in D-Mark-Zeiten, aufgerufen wurden. So gestaltet sich der Besuch im Museum wie eine Zeitreise. Waren erste Szenarien noch auf Haus- und Straßenbau ausgerichtet, erweiterte 1962 die Einführung des Rades die Themenbandbreite. Ab 1966 gab es dann den ersten Motor und seit 1978 bevölkern bewegliche Minifiguren die Lego-Welt. Später verwandelten sich die Figuren auch in bekannte Filmcharaktere. Inzwischen haben die Lego-Figuren den Weltraum erobert, Fantasiewelten erschaffen und sich auch modernster Technik für selbst gebaute Roboter bedient, um Einzug in Spielzimmer der Kinder zu finden, aber auch in die Bastelkeller der Älteren.

Denn das wird auch deutlich: Wen einmal die Faszination der kleinen, bunten Steine erfasst hat, den lässt sie auch im späteren Leben nicht mehr los. Mancher spätere Ingenieur hat hier das Fundament für den Beruf gelegt. „Der spielerische Umgang mit den Bausteinen fördert gerade bei Kindern Kreativität und Fantasie, die räumliche Vorstellungskraft und das abstrakte Denken. Eben alles andere als Kinderkram, sondern die Urform des Lernens!“ betont Museumsleiterin Niehaus.

Vielleicht hat der dänische Tischlermeister nicht Himmel und Erde erschaffen, aber doch eine eigene Welt, die der menschlichen Fantasie kaum Grenzen setzt. Immer vorausgesetzt, die Steine mit den Noppen an der Ober- und den Röhren zur besseren Stabilisierung an der Unterseite lassen die Umsetzung der kleinen und großen Vorstellungswelt zu. Seit ihrer Einführung 1949 waren Legosteine in allen Varianten in erster Linie Teil eines Systems.

Heutige Legosteine passen trotz aller Änderungen in der Form noch immer mit den Steinen aus dem Jahr 1963 zusammen, sofern sich das bis in die 1960er Jahre verwendete Material Celluloseacetat nicht durch Alterung zu sehr verformt hat. Modelle aus der Anfangszeit des Siegeszuges von Lego sind zu bestaunen — und zu vergleichen mit einigen aus den aktuellen Serien. Der Wiedererkennungswert ist enorm. Zeichen für die Genialität der Erfindung, die sich durch große Einfachheit auszeichnet und dennoch ungeahnte Variations- und Gestaltungsmöglichkeiten offen lässt. Schon die ausgestellten Holzspielzeuge aus den 1930er Jahren nutzen bereits das Logo „Lego“ und sind damit eindeutig zu identifizieren: sie stammen aus Christiansens Tischlerwerkstatt.

Und so gibt es denn einen Rennpferdetransporter von 1986 zu sehen oder einen Gabelstapler von 1977, einen Abschleppwagen von 1982 und einen Schaufelradbagger von 2016 — Gegenstände, die der Mensch so im Alltag braucht. Oder aus der Raumfahrtserie von 1979-83 einen schweren Schubgleiter oder ein Seismobil. Und kleine Szenen wie die Hochzeit mit Fotografen vor dem Rathaus, ein Frühstück im Bistro oder eine Eisverkäuferin. Es gibt viel zu entdecken.

Es handelt sich nicht um eine herkömmliche Ausstellung, die das Deutsche Museum Bonn präsentiert. Ihre tatsächliche Bedeutung und ihren Reiz für junge und ältere Besucherinnen und Besucher gewinnt sie durch das umfangreiche Begleitprogramm. Bis hin zu Bastelecken, in denen Kinder mit den großen und kleinen Steinen selbst Hand anlegen können. Eine Ausstellung, die Wünsche weckt und Lücken in der eigenen Sammlung aufdeckt. Vor allem aber auch eine Schau, die drei Generationen anspricht. Denn wo sonst könnte der Großvater dem Enkel erklären, was eine Telefonzelle (1986) war? Und wie wichtig die sein konnte in den unterschiedlichen Lebenssituationen.