1. Freizeit

Führung durch Köln: Auf den Spuren von Konrad Adenauer: Wo „der Alte“ noch jung war

Führung durch Köln : Auf den Spuren von Konrad Adenauer: Wo „der Alte“ noch jung war

Eine Führung durch Köln auf den Spuren von Konrad Adenauer nimmt die Orte in den Blick, an denen der erste Bundeskanzler Deutschlands seine Kindheit verbrachte. Die AntoniterCityTour erforscht die Schaffensperiode des Altkanzlers.

Sonntagnachmittag am Rudolfplatz in der Kölner Innenstadt: Hier treffen sich Interessierte zu einer Stadtführung, um zwei Stunden lang auf den Spuren Konrad Adenauers zu wandeln. Die Gruppe, die sich an diesem Tag zusammengefunden hat, ist überschaubar: Zwei Herren, ein Jugendlicher, eine Journalistin und Stadtführer Jürgen Hollstein. Und los geht es zu einer AntoniterCityTour, die die Kölner Schaffensperiode von Deutschlands erstem Bundeskanzler erforscht.

Historisch gesehen ist kaum noch etwas übrig aus Adenauers Zeit: Zwar gibt es die Balduinstraße noch, in der er am 5. Januar 1876 geboren wurde. Doch sein Geburtshaus mit der Nummer 6 steht nicht mehr. Immerhin erinnert eine Plakette noch da­ran. Zu sehen ist die Pfarrkirche, die er mit seinen Eltern und vier Geschwistern sonntags besuchte, Sankt Aposteln, sowie das Apostelgymnasium, an dem er 1894 sein Abitur machte. Er sei ein unauffälliger Schüler gewesen, berichtet Stadtführer Hollstein, der das sympathisch findet: „Ein gutes Pferd springt nicht höher als nötig.“

Sehr zielstrebig

Schon als junger Mann war der aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammende Adenauer sehr zielstrebig: Er studierte Jura, heiratete geschickt aufwärts und wurde 1917 mit Unterstützung eines Onkels seiner Frau Oberbürgermeister von Köln. Das blieb er, bis ihn die Nationalsozialisten 1933 seines Amtes enthoben. „Ein netter und angenehmer Mensch war Adenauer wohl nicht“, sagt Hollstein, selbst bis 2010 CDU-Landtagsabgeordneter, „aber er war ein hervorragender und sehr prägender Politiker, der sich den Nazis mutig entgegenstellte.“

Hollstein weiß die Lebensgeschichte seines Parteigenossen, der auch oft „der Alte“ genannt wurde, so interessant zu erzählen, dass er sein kleines Grüppchen gut bei der Stange hält. Auch Christoph Bachmann (34), der selbst Historiker ist und an der Uni Köln arbeitet, hört aufmerksam zu: „So thematische Führungen finde ich generell spannend“, sagt er zur heutigen City-Tour. „Das ist schon abseits des Mainstreams und bestimmt kein übliches Touristenprogramm.“ Ähnlich geht es auch Christoph Kraeber, pensionierter Gesamtschullehrer mit den Fächern Deutsch und Sport: „Ich habe schon an die 15 Führungen bei den Antonitern mitgemacht“, erzählt er. „Die Touren sind einfach ein bisschen anders und sprechen mich von der Art her an.“

Theologen als Führer

Angeboten werden die AntoniterCityTours von der evangelischen Antoniter-Kirche in der Kölner Schildergasse. „Seit 1989 machen wir das schon“, sagt Geschäftsführerin Annette Scholl. „Ursprünglich waren die Stadtführungen mal für Touristen gedacht. Aber das hat sich dann so entwickelt, dass auch viele Kölner teilnehmen, die ihre Stadt mal mit anderen Augen sehen wollen.“ Mittlerweile habe man ein großes Stammpublikum, das gerne zurückkomme. „Unser Jahresprogramm verschicken wir an 2000 Interessierte.“ Viele kommen aus Köln und Umgebung, aber zum Teil reisen auch Kegelclubs oder Pfarrgemeinden aus ganz Deutschland mit Bussen an.

Auf dem Programm stehen Touren über Kölner Friedhöfe wie etwa Melaten oder den Westfriedhof. Man kann sich auf den Spuren der Römer unter die Erde begeben, Kirchen und Museen erkunden, musikalische oder literarische Führungen mitmachen oder gemeinsam den Karneval erleben. „Unsere Stadtführer sind Theologen, Literaturwissenschaftler, Politologen und Kunsthistoriker, die interessante und gute Touren anbieten“, sagt Scholl. Eines haben sie gemein: „Sie haben alle eine Affinität zur Kirche. Sonst würde das auch nicht funktionieren.“ Man wolle aber ganz sicher niemanden missionieren.

Das kann auch Adenauer-Tourmitglied Christoph Kraeber bestätigen: „Der kirchliche Aspekt steht nie im Vordergrund“, weiß er aus Erfahrung. Er findet das Programm umfassend und interessant. „Und mir imponiert, dass sich die Touren selbst tragen.“ Tatsächlich finanzieren sich die Stadtführungen ganz ohne Mittel der Kirchensteuer.

Nach rund zwei Stunden kommt die Adenauer-Führung am historischen Rathaus zum Ende, auf dessen Nordfassade Adenauer als Steinfigur verewigt ist. Alle sind sich einig, gut unterhalten worden zu sein. Und auch der jüngste Teilnehmer der Tour, ein 17-jähriger Gymnasiast, hat einiges Interessantes über Adenauer erfahren: „Etwa, dass er sich als Abiturthema in Deutsch die Frauengestalten bei Goethe ausgesucht hat“, sagt er stirnrunzelnd. Das würde ihm selbst nicht passieren.