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Zülpich: Alte Römerstadt: Ein Spaziergang durch Zülpich

Zülpich : Alte Römerstadt: Ein Spaziergang durch Zülpich

Dass eine Stadt von Jahr zu Jahr älter wird — was auch sonst? Bei Zülpich ist es anders, es wird nach vorne immer älter. Ging man lange davon aus, dass Zülpich als Römerstadt „Tolbiacum“ etwas über 2000 Jahre alt sei, so haben Ausgrabungen in jüngster Zeit Fundstücke aus der Jungsteinzeit hervorgebracht.

Und so alterte die Stadt binnen kürzester Zeit um noch mal gut 3000 Jahre. Mit anderen Worten: Hier siedelten bereits um 5500 vor Christus Nomaden, wie auch an anderer Stelle des Rheinlandes.

 Eines von vier erhaltenen mittelalterlichen Toren in Zülpich: das Weiertor. Es wurde im 14. Jahrhundert als Doppeltoranlage errichtet.
Eines von vier erhaltenen mittelalterlichen Toren in Zülpich: das Weiertor. Es wurde im 14. Jahrhundert als Doppeltoranlage errichtet.

Römisch ist heute nicht mehr viel, das wenige aber umso bemerkenswerter. Denn die in den 1930er Jahren entdeckte römische Thermenanlage gilt heute als die am besten erhaltene nördlich der Alpen. Die Funde sind umbaut von einem vorzüglichen Museum der Badekultur, eine Präsentation mit Erlebnischarakter. Immer wieder kann der Besucher nach Hörern greifen oder Knöpfe drücken und bekommt kurze Videos gezeigt, die die eher trockene Materie des römischen Badelebens nachvollziehbar machen. Fast zwei Dutzend Stationen allein um die Ausgrabungen erläutern das ausgeklügelte System römischer Thermen von Kalt- und Warmwasserbecken, die Befeuerung der Fußbodenheizung oder die Abwasserkanäle.

Der Startpunkt

Starten wir unseren Rundgang bei diesem Museum, dessen Lage ausgeschildert ist und in dessen Umgebung einige Parkplätze zur Verfügung stehen. Der Spaziergang orientiert sich an einem Vorschlag des Zülpicher Geschichtsvereins. Gleich neben dem Museum steht die Kirche St. Peter. Sie wurde bereits 848 erstmals urkundlich erwähnt. Heiligabend 1944 fiel sie wie auch viele andere Gebäude der Stadt einem Luftangriff der Alliierten zum Opfer. Erhalten blieb die romanische Krypta, sehenswert sind die Antwerpener Schreinaltäre.

Nur wenige Schritte weiter stehen wir vor der Landesburg. Nach einem Streit wurde das widerrechtlich errichtete Schloss abgerissen und an dessen Stelle die heutige Burg Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet. Die Burg wurde auf den Grundmauern des ehemaligen römischen Kastells und nachfolgender Befestigungsanlagen erbaut. Immer wieder beschädigt und in Teilen zerstört, gelangte sie 1741 in Privatbesitz. Ab 1870 beheimatete sie eine Schnapsbrennerei, bis sie 1944 bei Bombenangriffen erneut schwer beschädigt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die mittelalterlichen Außenmauern und die Fabrik im Innenhof wieder aufgebaut. Ende der 1970er Jahre wurde die Schnapsproduktion in Zülpich eingestellt, die Burg begann erneut zu verfallen. Erst Anfang des 21. Jahrhunderts konnte die Anlage an private Investoren verkauft werden. Diese richteten nach Renovierung Privatwohnungen und gewerblich nutzbare Räume ein. In unmittelbarer Nähe der Landesburg befindet sich der Eingang zur Landesgartenschau (LaGa), die noch bis zum 12. Oktober kostenpflichtig besucht werden kann.

Wir gehen im Uhrzeigersinn weiter und an der Gasthauskapelle vorbei bis zur Weierstraße. Von dort schweift der Blick über das Weiertor, eines der vier erhaltenen mittelalterlichen Stadttore, über die Ebene nach Norden Richtung Düren. Das Tor wurde Ende des 14. Jahrhundert als Doppeltoranlage errichtet. Während der LaGa ist es für den Zugang gesperrt, wir gehen also nicht außen an der Stadtmauer entlang, sondern gelangen oberhalb des Weiertors über die Geicher Gasse zum Bachtor.

Alter Rathausturm

Ursprünglich war dies auch ein Doppeltor. Diese Anlagen hatten den Vorzug, dass sie möglichen Feinden den Zugang zur Stadt erschwerten. Das Innentor wurde um 1900 wegen des damals schon zunehmenden Verkehrs entfernt. Die Stadtmauer reichte ursprünglich bis an das Tor heran. Später wurde sie, wieder wegen des Verkehrs, durchbrochen. Über die Bachstraße gelangen wir zum neugestalteten Markt.

An der höher gelegenen Schmalseite befindet sich der Verwaltungssitz der Stadt. Das ältere Rathaus zeigt auf dem Balkongitter stolz die zahlreichen Partnerschaften, die die Bürgerschaft im Laufe der Geschichte eingegangen ist. Wenn man davor steht, erhebt sich ein paar Schritte nach rechts der alte Rathausturm, der wie durch ein Wunder dem verheerenden Bombenangriff Weihnachten 1944 standgehalten hat. Bei der Errichtung 1726 musste jeder Ratsherr auf eigene Rechnung ein Glasfenster spendieren. Vom Bürgermeister wurde er dafür mit einem Viertelliter Wein entlohnt. Vielleicht ein Modell für die Gegenwart, um Baukosten öffentlicher Gebäude zu senken?

Am Neuen Rathaus vorbei gelangen wir über die Martinstraße zur Martinskirche. Nach einer wechselvollen Geschichte und Nutzung als Lagerhalle und Wohnstätte wurde sie 1997 zu einer Bürgerbegegnungsstätte umgebaut. Ihre Ursprünge reichen bis ins Jahr 1279 zurück. Die Martinstraße gehen wir weiter bis zur Straße Bildchen. Dort treffen wir auf ein jüngeres Zeugnis Zülpicher Baugeschichte: das Bildchen, eine Kapelle, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einen ehemaligen Wehrturm der Stadtmauer eingebaut wurde.

Panzersperren

Wir gelangen zur Kölnstraße mit dem Kölntor — auch dies ursprünglich ein Doppeltor. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Kölntor mit Panzersperren aus Beton versehen, die heute noch sichtbar sind. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, weiterzugehen: innerhalb der Stadtmauer über die Von-Lutzenberger-Straße. Oder etwas attraktiver außerhalb der Stadtmauer über den Frankengraben. Denn dort ist ein Stück der römischen Wasserleitung ausgestellt, das 1979 in Mechernich freigelegt und danach in Zülpich aufgestellt wurde. Es war Teil der römischen Wasserleitung, die aus der Eifel nach Köln führte.

Am Münstertor endet unser Spaziergang. Es ist das älteste der Zülpicher Stadttore und wurde 1357 errichtet. Auch hier wurde wegen des Verkehrsaufkommens die Stadtmauer niedergelegt. Alle Stadttore wurden während des Zweiten Weltkrieges stark in Mitleidenschaft gezogen, dann aber liebevoll wieder aufgebaut. Dies ist nicht zuletzt das Verdienst ortsansässiger Karnevalsvereine, die die Tore zu ihren Wachstuben gemacht haben: der Prinzengarde (Münstertor), der „Blauen Funken“ (Kölntor) sowie der „Zölleche Öllege“ (Bachtor) — Brauchtumspflege der besonderen Art. Über die Münsterstraße kehren wir zum Markt zurück oder finden über den Mühlenberg zurück zum Museum.

Dass Zülpich zu Römerzeiten an einer Art Verkehrsknotenpunkt lag, ist heute nicht sofort sichtbar. In der Stadt trafen sich wichtige römische Fernstraßen nach Reims, Köln und Trier, Xanten über Neuss, Bonn über Euskirchen sowie Jülich. Viele dieser Straßen sind heute noch im Wegenetz oder der Feldflur erkennbar. In die Geschichtsbücher hat es die Schlacht von Zülpich im Jahre 496 gebracht, in der die Alemannen vom Frankenkönig Chlodwig I. geschlagen wurden. Nach der Schlacht trat Chlodwig zum christlichen Glauben über und begründete das merowingische Frankenreich. Die Franzosen sehen darin die Geburtsstunde des französischen Reiches.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden Zülpich die Stadtrechte erteilt. Unter kurkölnischer Herrschaft (endgültig seit 1368) wurde die Stadt im Jahre 1395 wiederaufgebaut. Anfang des 15. Jahrhunderts kam es zur Vollendung der Burg, der Stadtmauer und der Toranlagen. Ein kleines, überschaubares Städtchen, das nicht nur wegen der Landesgartenschau den Besuch lohnt.