Städteregion Aachen: Frauenhäuser in der Region stellen ihre Jahresberichte vor

Städteregion Aachen: Frauenhäuser in der Region stellen ihre Jahresberichte vor

Körperliche und psychische Gewalt in den eigenen vier Wänden - viele Frauen erleben sie trotz staatlicher Maßnahmen und Gesetzen Tag für Tag. Im vergangenen Jahr nahmen die Frauenhäuser in Aachen und Alsdorf insgesamt 212 Frauen und deren 196 Kinder auf, die Schutz vor häuslicher Gewalt suchten.

Der gemeinsame Jahresbericht 2011 der Fachstellen gegen häusliche Gewalt in Aachen und Alsdorf (die einzigen in der Städteregion) zeichnet ein trauriges Bild: Der Großteil der Frauen, die in die Frauenhäuser aufgenommen werden sind zwischen 26 und 40 Jahre alt, ihre Kinder meist unter fünf Jahre. In über 50 Prozent der Fälle geht die Gewalt vom Partner oder Ehemann aus. Und Gewalt ist ein Teufelskreis: 94 Prozent der Jungen und 72 Prozent der Mädchen, die Gewalt in der Familie erleben, wiederholen dieses Verhalten als Erwachsene.

Hinter den nackten Zahlen verbergen sich schlimme Schicksale. Die Frauen haben Blessuren, erfahren sexuelle, aber auch psychische Gewalt. „Oft werden die Frauen über lange Zeit gehindert, soziale Kontakte zu haben, sei es zu Freunden oder zur Familie”, erklärt Elsbeth Ostlender, Mitarbeiterin des Aachener Frauenhauses. Und die Leiterin des Frauenhauses in Alsdorf, Renate Wallraff, fügt hinzu: „Viele ändern erst mal ihre Frisur. Sie durften über Äußeres nicht selbst bestimmen, durften nicht arbeiten oder wurden sogar zu Abtreibungen gezwungen.”

Für sie sei es oft ein schwerer Schritt, ins Frauenhaus zu gehen. Sei das Kindeswohl gefährdet, rieten viele Jugendämter den Müttern dazu. Doch Wallraff betont: „Es ist wichtig, dass die Frauen freiwillig zu uns kommen und den Sinn in diesem Aufenthalt sehen.” Nur so könne man sie und ihre Kinder nachhaltig schützen. Denn die Kleinen kriegen viel mehr mit, als die Mütter denken. Sie sind stark traumatisiert, oft krank und überfordert.

Eine weitere Hürde ist die Bürokratie. Die Kosten für den Aufenthalt im Frauenhaus müssen sie im Jobcenter beantragen und belegen, dass sie sich um eine Wohnung bemühen. Ursula Braun-Kurzmann, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen, sagt: „Wir würden uns das anders wünschen, um Frauen diese Wege zu ersparen.” Sie plädiert für eine Gesamtfinanzierung der Frauenhäuser. Auch der Neuanfang nach dem Frauenhaus ist oft mit Unsicherheit und Ängsten verbunden, auch muss vieles geregelt werden. Da ist es gut, wenn man einen Ansprechpartner hat. Darum sind die Verantwortlichen froh, dass das Land wieder eine vierte Vollzeitstelle in allen Frauenhäusern fördert, um eine bessere Nachsorge leisten zu können. Braun-Kurzmann bekräftigt: „Es hilft den Frauen sehr, zu wissen, dass sie nicht allein sind.”

Ansprechpartner in der Not: Die Fachstellen gegen häusliche Gewalt

Viele Frauen nehmen zunächst die ambulante Beratung in Anspruch, um sich persönlich oder telefonisch über Schutzmöglichkeiten gegen häusliche Gewalt zu informieren.

Die beiden Fachstellen gegen häusliche Gewalt sind: Das Diakonische Werk im Kirchenkreis Aachen e.V., Otto-Wels-Straße 2b in Alsdorf, telefonisch zu erreichen unter 02404/91000 oder per Mail unter frauenhaus-alsdorf@diakonie-aachen.de, Internet: http://www.frauenhaus-interventionsstelle-kreis-aachen.de; der Sozialdienst katholischer Frauen e.V., Ortsverein Aachen, Wilhelmstraße 22 in Aachen, telefonisch zu erreichen unter 0241/470450 oder per Mail unter frauenhaus@skf-aachen.de, Internet: http://www.skf-aachen.de.

Außerdem gibt es ein vom Festnetz kostenloses Hilfe-Telefon, das auch neben den Bürozeiten besetzt ist, unter 0800/110444.