Kreis Heinsberg: „Flüchtlinge nicht zu bedürftigen Hilfeempfängern degradieren“

Kreis Heinsberg: „Flüchtlinge nicht zu bedürftigen Hilfeempfängern degradieren“

Im Herbst vergangenen Jahres hatten sich der Vorsitzende des Katholikenrates, Lutz Braunöhler, und Regionaldekan Gottfried Graaff mit einer Erklärung des Katholikenrates der Region Heinsberg an den Landrat, die Bürgermeister der kreisangehörigen Städte sowie an weitere Kommunal- wie Landespolitiker gewandt.

Zuvor hatte der Diözesanrat der Katholiken im Bistum ­Aachen mit dem Schwerpunkt „Kirche und Flucht“ das Thema stärker in den Blickpunkt der regionalen Räte gerückt.

Die Erklärung des regionalen Katholikenrates stellt dabei die Würde der Flüchtlinge und das Recht auf Selbstbestimmung in den Mittelpunkt. „Statt die Flüchtlinge zu bedürftigen Hilfeempfängern zu degradieren,“ fordert Johannes Eschweiler vom Vorstand des Katholikenrates „alle Verbote und Regelungen, die es den Flüchtlingen untersagen, eine geregelte Arbeit aufzunehmen, umgehend außer Kraft zu setzen“.

Auch dürfe das Risiko der Arzt- und Krankheitskosten nicht allein der Aufenthaltskommune angelastet werden, sondern müsse vielmehr in ein solidarisches Ausgleichssystem (zum Beispiel über eine steuerfinanzierte Krankenversicherung) eingebettet sein. Als dritter Schwerpunkt der Erklärung wird der Bereich der Rahmenbedingungen für ein würdevolles Wohnen hervorgehoben. Dabei wird eine nicht ghettoisierende Unterbringung in zentrumsnahen Gebäuden gefordert. Die Belegung dieses Wohnraumes müsse zudem nach familiären, ethnischen und sozialen Kriterien überlegt und geplant werden.

Im Zusammenhang mit der Bereitstellung von Wohnraum für Flüchtlinge zeigten sich Braunöhler und Graaff darin einig, dass die Forderung von Pax Christi an die katholischen Pfarreien, kaum noch genutzte Gebäude oder leer stehende Pfarrhäuser in die Diskussion einzubeziehen, intensiv und wohlwollend in den zuständigen kirchlichen Gremien beraten werden müsse.

Die Erklärung des Katholikenrates löste nach Angaben von Ralf Zanders, Referent im Büro der Regionaldekane, viel Zustimmung aus und führte zu einigen intensiven Gesprächskontakten.

Unter anderem traf sich eine Abordnung des Vorstandes vom Katholikenrat im Düsseldorfer Landtag auf Einladung der Grünen mit den Landtagsabgeordneten Dr. Ruth Seidl und Monika Düker (Landesvorsitzende der Grünen und flüchtlings- und migrationspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion).

„Zurzeit entwickelt sich ein vermehrtes Interesse an der Lebenssituation von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund. Mittel aus dem bistümlichen Migrationsfonds fließen vermehrt auch in die Region Heinsberg. Nicht zuletzt durch das Wirken von Papst Franziskus und das Apostolische Schreiben Evangelii Gaudium fühlen sich die Christinnen und Christen der Region zu tatkräftigem Handeln herausgefordert“, so Zanders weiter.

Doch neben der sozialen Unterstützung der Flüchtlinge und Migranten und dem vielfältigen ehrenamtlichen und verbandlichen Engagement müsse auch die gesamte Struktur der Flüchtlings- und Integrationsarbeit im Kreis Heinsberg den sich wandelnden Anforderungen angepasst werden.

„Daher freut es uns besonders“, so Regionaldekan Graaff, „dass der Kreis Heinsberg sich beim Land nicht nur für die Einrichtung eines Kommunalen Integrationszentrums beworben hat, sondern dass dieses auch schon Ende 2012 durch die Bezirksregierung bewilligt wurde.“

„Wir warten nun gespannt, dass der Landrat die Vorüberlegungen zu einem Integrationskonzept des Kreises veröffentlicht und die Kreispolitik das gute Angebot des Landes annimmt. Wir bringen gern unsere Überlegungen in die weitere politische und gesellschaftliche Diskussion ein“, drückte Lutz Braunöhler die kirchliche Bereitschaft zur Mitarbeit aus.

Der Katholikenrat will nach Zanders Darstellung die Flüchtlingsarbeit in der Region Heinsberg auch in der neuen Sitzungsperiode weiter behandeln und vertiefen. In dieser Frage seien die Mitglieder bei ihrer letzten Vollversammlung einig gewesen. Die konkrete Planung und Verabredung von Themen obliege dem neuen Vorstand nach der Konstituierung im Mai.

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