Linnich: Fischreiche Rur: Auch der Lachs ist wieder da

Linnich : Fischreiche Rur: Auch der Lachs ist wieder da

Gestiefelt und gespornt traten Linnichs Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker und Patricia Eschweiler, ihre rechte Hand im Bürgermeisterbüro, am Rurufer bei Floßdorf an, um bei einer Hegemaßnahme des Angelsportvereins Rurdorf zu helfen. „Das ist mal eine schöne Abwechslung“, schien Schunck-Zenker ganz froh über den Ausflug in die Natur.

Vereinsgewässer des ASV sind die Rur und ihre Altarme, wo sich auch Kormorane und Hechte gerne bei der geschuppten Nahrungsquelle bedienen. Den Tisch decken die Petrijünger entlang des Flusslaufs, die regelmäßig Jungtiere in der Rur aussetzen, um deren Bestand zu sichern.

Wilde Bachforellen (Bild) aus dem Wehebach bilden die Basis für den Besatz durch die Angelvereine an der Rur.

Nach Angaben von Dennis Hopkins und Stefan Turobin, beide sind Gewässerwarte des ASV Rurdorf, gehört der Besatz der Rur mit Bachforellen zum Jahresprogramm des rund 125 Mitglieder zählenden Vereins. Der Besatz geschieht in Form kleiner Brütlinge, die acht Wochen nach dem Schlupf gerade Mal sechs Gramm auf die Waage bringen und noch drei bis vier Jahre bis zur Geschlechtsreife benötigen, oder mit größeren Exemplaren, die schon 15 bis 20 Zentimeter messen. Fangfähig ist diese Fischart erst ab einer Größe von 28 Zentimeter.

Nahe Verwandte des Rurstamms

Bevor die Bürgermeisterin daran ging, Brütlinge in der rund 15 Grad „warmen“ Rur schwimmen zu lassen, war Stefan Turobin nach Schevenhütte gefahren, um bei einem Zuchtbetrieb die Jungforellen zu holen. Die Forellen-Kinderstube, deren Exemplare nur drei bis vier Zentimeter lang sind, sind die genetisch nächsten Verwandten zum ursprünglichen Rurstamm, zumal die im Wehebach gezüchtet werden, der ein Nebenfluss der Rur ist.

Gewässerwart Turobin hatte rund 3700 Brütlinge mitgebracht, die im Wasser wimmelten. Zunächst wurde der große Plastiksack voll mit den kleinen Bachforellen eine Zeit lang in die Rur gelegt, um die Fische an die höhere Wassertemperatur zu gewöhnen, denn im Wehebach herrschten nur zehn Grad. Dann war es faszinierend zu beobachten, wie prompt die Jungfische reagierten: Kaum, dass sie die Strömung spürten, schwammen sie sogleich gegen den Strom. Einziges Problem: Von all diesen Brütlingen, bei deren Besatz die Bürgermeisterin behilflich war, entwickelt sich — statistisch gesehen — nur etwa ein Prozent zu einer ausgewachsenen Bachforelle.

Eine weitere Fischart, um deren Erhalt sich die Ruranliegenden Angelvereine kümmern, sind Aale. Deren jährlicher Besatz wird durch das Land NRW gefördert und erfolgt jeweils im Frühjahr. Soll der Besatz noch auf weitere Arten ausgedehnt werden, ist dazu eine Genehmigung notwendig.

Während die Bachforelle zu den so genannten standorttreuen Fischen zählt, hat nach Angaben der beiden Gewässerwarte auch das Wanderfischprogramm an der Rur gute Fortschritte gemacht. So ist unlängst ein toter Lachs in der Rur bei Körrenzig gefunden worden. „Das war auch ein Rückkehrer“, sagt Stefan Turobin. Das größte Problem für den prominenten Wanderfisch ist das Rurwehr bei Rurdorf, das nur die wenigsten Fische überwinden können, um zu ihren Laichgründen in der Eifel zu gelangen.

Hilfestellung leisten hier die Angelsportler, die mittels Elektrofischen einzelne Exemplare aus dem Fluss ziehen und hinter dem Wehr wieder zu Wasser lassen.

Die Pläne eines Investors, am Rurdorfer Wehr eine Wasserkraftanlage plus Fischtreppe zu errichten, sei ein „schwebendes Verfahren“, sagt Turobin. Er hegt Zweifel, dass in den Sommermonaten genug Wasser da ist, um die Fischtreppe zu nutzen.

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