Kreis Heinsberg: Familienforschung: Ein interessantes Hobby wird zur Leidenschaft

Kreis Heinsberg: Familienforschung: Ein interessantes Hobby wird zur Leidenschaft

„Unsere Schäfer Johannes seine Schwiegermutter Barbara ist verstorben“, hatte dereinst ein Chronist in ein Huns­rücker Kirchenbuch eingetragen. Wahrscheinlich wusste zum Todeszeitpunkt die ganze Gemeinde, wer da genau verstorben war und welche Angehörigen trauerten.

Zum Leidwesen von Familienforschern heutiger Tage vermerkte der Chronist, vermutlich der Ortspfarrer, aber keinen Nachnamen der Verstorbenen und auch nicht den Namen des Ehemannes oder weiterer Angehöriger. Horst Straßburger, katholischer Pfarrer im Ruhestand aus Mönchengladbach und seit den 70er-Jahren leidenschaftlicher Familienforscher, fand diesen Eintrag bei seinen Nachforschungen zu seinem eigenen Familienstammbaum, dem der Straßburgers.

„Das war der lustigste und merkwürdigste Eintrag, den ich bislang gelesen habe“, erinnerte er sich schmunzelnd. Horst Straßburger war von der Anton-Heinen-Volkshochschule zum Treffen vom Arbeitskreis der Familienforscher — Kreis Heinsberg und Umgebung eingeladen worden. Das Thema seines Vortrags lautete „Kirchenbücher im Wandel der Zeit“. VHS-Fachbereichsleiter Richard Jochims hieß Straßburger im NDZW-Gebäude in Heinsberg herzlich willkommen.

Die zweimal jährlich stattfindenden Treffen des Arbeitskreises, so Jochims, dienten stets dem Gedankenaustausch — gerne auch mit Neulingen auf dem Gebiet der Familienforschung. Jochims dankte dem Familienforscher Uwe Korbella für die große Unterstützung des Arbeitskreises.

Horst Straßburger war — wie die meisten Familienforscher — über die eigene Familiengeschichte zu seinem interessanten Hobby gekommen, das für viele Familiengeschichtsforscher zur Leidenschaft geworden ist. „Der Rhein hat immer Treibgut angeschwemmt“, habe ihm mal ein Kollege gesagt, so Horst Straßburger, und dies treffe wohl auch auf seine Familie zu, die vermutlich von Straßburg über den Flussweg nach Niederheimbach bei Bingen gekommen sei.

Bei einem Umzug der Eltern war Straßburger auf Familienunterlagen gestoßen, die seinen Forschergeist angefacht hatten. Vier Linien der Straßburgers galt es nachzuvollziehen. Während zwei katholische Linien bis ins sächsische Bergbaugebiet um Johanngeorgenstadt auch anhand von Kirchenbüchern einfacher zu recherchieren waren, war die mütterliche Linie eine „offene Flanke“. Die Herkunft der Großmutter, eine Ungarn-Deutsche, war trotz ­„Feuereifer“ des Nachfahren nur schwer zu entschlüsseln.

„Ganz wichtig war für mich, mich nicht nur auf Sekundärliteratur zu verlassen“, erläuterte Straßburger. „Bevor ich nicht das Kirchenbuch sehe, glaube ich es nicht.“ Wie schnell werde durch ein Versehen des Chronisten aus einem Heinrich ein Hermann — und schon sei man auf der falschen Spur. Straßburger: „Wenn man ein Kirchenbuch aus dem 17. Jahrhundert in der Hand hat, spürt man ein Stück Ehrfurcht.“ Das Konzil von Trient habe 1563 die Anlage von Eheregistern und die Einführung von Taufbüchern angeordnet.

Flächendeckend sei das angeordnete Führen von Ehe- und Taufregistern aber nur sehr zögerlich umgesetzt worden. Den Pfarrern habe oft schlichtweg das Geld gefehlt, um überhaupt Bücher kaufen zu können. Wenn Eintragungen vorgenommen worden seien, dann oft in einem Mischmasch aus lateinischer und deutscher Sprache. Hochgestellten Persönlichkeiten seien in den Sterberegistern ganze Romane gewidmet worden, während einfache Tagelöhner mit einem Zweizeiler vorliebnehmen mussten.

Zur leichteren Handhabung von Kirchenbüchern gab Horst Straßburger den Heinsberger Familienforschern Arbeitsblätter an die Hand.

(defi)
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