Berlin: Eva über Bord

Berlin : Eva über Bord

Bei „Eva über Bord” ist alles dabei, von der Verfolgungsjagd im thailändischen Dschungel, über Piratenattacken bis zum Flug im Heißluftballon. Im Mittelpunkt steht eine junge Journalistin, die noch viel vor hat und bei deren Karriere bisher auch noch viel Luft nach oben war. Bei ihren ehrgeizigen Recherchen kommen ihr allerdings nicht nur Kriminelle in die Quere. Ganz logisch ist das alles nicht immer. Das Erste zeigt die Komödie an diesem Freitag (6. Januar, 20.15 Uhr).

Man sieht Julia Hartmann (31) in der Rolle der Hamburger Journalistin Eva Kaminski durch den Dschungel rennen, verfolgt von üblen Gesellen mit langen Messern. Zuvor ist sie unfreiwillig von Bord eines Schiffes gegangen, blieb im Regenwald stecken und musste dort ständig um das nackte Überleben kämpfen. So erzählt sie es zumindest. Wenig später ist man schon im trubligen Bangkok, wo der Fotoreporter Nik (Stephan Luca) Eva gerade das Taxi wegschnappt, in das sie so gerne gestiegen wäre.

Eva soll an Bord des Frachters „Liberty” - voll mit Designerschuhen - über das Reisen auf Containerschiffen berichten. Abgesehen vom charmanten Ersten Offizier Fritz (Niels Bruno Schmidt) kommt ihr auf dem Schiff doch so einiges merkwürdig vor, und sie beginnt, über Schiffsentführungen und Piraten im Südchinesischen Meer zu recherchieren. Kapitän Luther (Peter Benedict) durchsucht ihre Kabine, natürlich taucht auch Nik auf, und dann wird das Schiff tatsächlich von Piraten überfallen.

In dem mit 100 Minuten überdurchschnittlich langen TV-Film gibt es allerdings einige unlogische Einfälle. Eine so unbedarfte und sogar bestechliche Reporterin wie Eva gibt es hoffentlich nirgends - nimmt sie doch dankbar zwei paar Schuhe aus einem der Container an. Der Kapitän ist von vornherein eine erkennbar zwielichtige Gestalt, und Nik gerät selbstverständlich rein zufällig auf das vermaledeite Schiff.

Die malaiischen Piraten sprechen natürlich alle deutsch, und weder ein wackeliger Flug im Heißluftballon noch ein tückisches Treibsandloch vermögen den beiden Hauptfiguren etwas anzuhaben. Die beiden streiten sich auch noch die ganze Zeit hindurch, obwohl sie sich längst ineinander verguckt haben. Stephan Luca (42, „Zorn”, „Verdammt verliebt auf Mallorca”) als raubeiniger Macho, der am Ende weder Fotograf noch Schmuggler ist, vermag dabei genauso wenig zu überzeugen wie Julia Hartmann als Klischee-Reporterin oder Möchtegern-Dschungelamazone.

Julia Hartmann („Volltreffer”, „Drei Väter sind besser als keiner”) sagt im ARD-Interview über ihre Rolle: „Eva hat Biss und ist sehr ehrgeizig. Durch den krassen Trip entdeckt sie verborgene Kräfte, von denen sie nicht mal hätte träumen können. Sie steht immer zwischen Panik und Hysterie und einem ordentlichen Adrenalinschub, der enorme Lebensenergien freisetzt.”

Die beiden Hauptdarsteller haben mit dem Autor und Regisseur Peter Gersina (54, „Die Briefe meiner Mutter”) schon einmal gedreht, bei „Warum ich meinen Boss entführte” (2014). Dass Gersina seinen neuen Film an schönen Plätzen in Thailand gedreht und aufwendig inszeniert hat, gleicht die Schwächen allerdings nicht aus. „Ich verstehe Sie nicht. Verstehen Sie das?”, fragt Eva gleich zu Beginn einen Taxifahrer. Nein, das versteht man alles auch nicht - hier geht neben einer Frau auch die Logik von Bord.

(dpa)