Kreis Heinsberg: Erdkröten gehen jetzt wieder auf Wanderschaft

Kreis Heinsberg: Erdkröten gehen jetzt wieder auf Wanderschaft

Sobald die Temperatur über fünf Grad Celsius steigt, wandern in feuchten Nächten wieder Frösche, Kröten und Molche. Viele Menschen finden vor allem die Erdkröten mit ihrer warzigen Haut hässlich, andere hingegen finden zumindest die Augen der Kröten schön, denn die Iris glänzt goldgrün bis kupferfarben.

Interessant ist auf jeden Fall die Lebensweise dieser unscheinbaren Tiere: Bereits im Oktober gruben sich die Kröten in die Erde ein oder verbrachten den Winter frostgeschützt unter Steinen, Laub, Brettern oder Buschwerk. Warmer Frühlingsregen weckt die Tiere auf und sie wandern - ohne Nahrung aufzunehmen - einem inneren Trieb folgend zu den Laichgewässern, die sie als Jungtiere verlassen haben.

„Um zu ihrem Teich zu kommen, müssen sie oft zwei bis drei, maximal fünf Kilometer zurücklegen und dabei viele Hindernisse überwinden”, so Biologe Michael Straube vom Naturschutzbund Nabu. Schon eine Bordsteinkante zwingt sie zu einem Umweg. Aber auch Gräben mit steilen Ufern, Drahtzäune, die bis in die Erde eingegraben wurden, Stützmauern und Straßen versperren ihnen den Weg.

„Wie die Kröten trotz all dieser Hindernisse jedes Jahr ihr Geburtsgewässer wiederfinden, ist immer noch ein wenig rätselhaft. Es werden Zusammenhänge mit dem Erdmagnetfeld und den Mondphasen vermutet”, so der Nabu, „denn der Geruchssinn der Tiere reicht nicht aus und ihr Sichtfeld beschränkt sich auf die nächste Umgebung. Außerdem wandern sie nur in der Dämmerung und nachts, damit ihre empfindliche Haut nicht austrocknet.”

In ihrem Laichgewässer halten sich die Kröten nur wenige Tage auf. Bald nach ihrer Ankunft beginnt das Weibchen mit der Ablage der Laichschnüre. Diese meterlangen Schnüre enthalten 2000 bis 5000 Eier und werden um Wasserpflanzen oder treibendes Holz geschlungen. Nach dem Ablaichen trennen sich die Krötenpaare, verlassen das Gewässer und wandern zurück in ihr eigentliches „Element”, schattige Laubwälder, Wiesen und Gärten.

Erst dort nehmen sie wieder Nahrung auf. Kröten haben auch viele Feinde, die diese behäbigen Tiere „zum Fressen gern haben”. Deshalb ist es besonders wichtig, ihnen genügend Versteckmöglichkeiten im Garten zu bieten wie Laubhaufen, Steine, unter denen sich Hohlräume befinden, Trockenmauern mit großen Ritzen, Holzstapel oder Reisighaufen.

Zu den größten Feinden gehören aber gerade zur Wanderzeit Autoreifen. Daher bittet der Nabu alle Autofahrer um Rücksicht auf wandernde Amphibien. Vor allem in der Abenddämmerung und in warmen, feuchten Nächten sind Amphibien besonders aktiv.

Aber auch die Aktiven des Nabu, die im Kreis Heinsberg mehrere Kilometer Krötenzäune betreuen und die Tiere sicher über die Straße bringen, freuen sich, wenn sie nicht durch nahes Vorbeifahren und überhöhte Geschwindigkeiten gefährdet und durch Hupen belästigt werden.

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