Aachen: „Er hat gemahnt, dass wir Europa eine Seele geben müssen”

Aachen : „Er hat gemahnt, dass wir Europa eine Seele geben müssen”

Die Meldung machte am Donnerstag schnell die Runde: Papst Johannes Paul II. erhält voraussichtlich am 25. März einen außerordentlichen Karlspreis. Zum ersten und laut Direktorium auch letzten Mal wird die Zeremonie nicht in Aachen stattfinden.

„Den Papst lädt man nicht mal locker ein, wir reisen natürlich nach Rom”, sagte Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden am Donnerstagabend. Wie die Neuigkeit von den Aachenern aufgenommen wurde, hat die AZ am Abend erkundet.

Zofia Gottschalk, zurzeit in ihrer Geburtsstadt Krakau weilende Aachenerin: „Der Papst ist hier außerordentlich beliebt, die Menschen verfolgen ständig auch, wie es ihm gesundheitlich geht. Schon als Student und später als Kardinal lebte er in Krakau, hat Großes geleistet; vor kurzem wurde er bei einer Zeitungsumfrage, welche Menschen in der Welt den größten Einfluss haben, von den Lesern an erster Stelle genannt. Über diese Ehrung werden sich die Krakauer sehr freuen. Die Bedeutung des Karlspreises ist hier sehr gut bekannt, zumal Bronislaw Geremek ihn vor einigen Jahren erhalten hat.”

Bischof Heinrich Mussinghoff: „Ich finde, dass der Papst diesen Preis für sein europäisches und weltweites Engagement verdient hat. Der Zusammenbruch der kommunistischen Regime ist ohne seine Unterstützung für Solidarnosc nicht denkbar. Der Papst hat immer gesagt, Europa müsse auf zwei Lungenflügeln atmen, Ost und West gehören zusammen. Keiner hat wie er seine Stimme für Frieden und Gerechtigkeit, für Menschenrecht und Menschenwürde erhoben. Er hat gemahnt, dass wir Europa eine Seele geben müssen und dass Europa auf einem festen Wertfundament stehen müsse, das in der jüdisch-christlichen Tradition unserer europäischen Kultur gründe. Für unser Bistum und die Kirche ist das eine ehrenvolle Auszeichnung.”

Willy Schell, Opernsänger: „Etwas merkwürdig erscheint mir diese Entscheidung schon. Und zwar ganz einfach deshalb, weil der Papst als Vertreter Gottes auf Erden ja von sich aus für Frieden und Völkerverständigung steht. Ich denke, der Papst ist von seiner Stellung in der Welt her so hoch angesiedelt, dass er eine solche Auszeichnung gar nicht braucht.”

Ariana Pyrlik, Mitarbeiterin des Roten Kreuzes und gebürtige Polin: „Ich finde den Beschluss toll! Kein Papst hat aus meiner Sicht so viel für Frieden und Toleranz zwischen den Religionen getan wie dieser. Ich finde es sehr beeindruckend, dass Johannes Paul trotz schwerer Krankheit noch immer zu den Völkern reist. Sein Auftrag ist ihm viel wichtiger als er selbst.”

Manfred Paul, Leiter der Hauptschule Aretzstraße: „Ich habe ein distanziertes Verhältnis zur katholischen Kirche, aber diese Entscheidung finde ich gut. Als kranker und greiser Mann hat Papst Johannes Paul sehr klar Position bezogen zum Beispiel gegen den Irak-Krieg. Das war nicht bei allen seinen Vorgängern so, wenn man zum Beispiel an das Dritte Reich denkt.”

David Polnauer, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Aachen: „Papst Johannes Paul II. hat sich sehr große Verdienste um die Völkerverständigung und den Weltfrieden erworben. Ich freue mich über diese Auszeichnung für ihn. Er ist eine sehr positive Persönlichkeit des vergangenen und jetzigen Jahrhunderts.”

Uwe Loeper, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Stolberg, Bezirk Brand: „Ich schätze den Mann sehr. Er hat enorm viel für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt getan. Bei aller Kritik, die ich als Evangelischer an seinem sehr katholischen Amtsverständnis habe, gratuliere ich ihm sehr herzlich zu dieser Auszeichnung.”

Mechthild Kappetein, Vorsitzende von Donum vitae: „Ich freue mich, er hat den Karlspreis verdient - auch wenn ich als Frau und Laie in der Kirche in einigen Dingen etwas Distanz zu ihm habe. Er ist ein Mann des Friedens und der Verständigung auch mit Juden, Muslimen und der Wissenschaft. Es ist ebenfalls ein Stück Würdigung des polnischen Volkes, das sich so sehr mit der Kirche und Europa identifiziert, auch nach allem, was es in seiner Geschichte erlitten hat.”