Eine Woche auf Plastik verzichten: Ein Selbstversuch

Eine Woche Verzicht : Sieben Tage ohne Plastik: Ein Selbstversuch

Plastik verschmutzt die Umwelt und bedroht Lebewesen. Ich versuche, auf Plastik zu verzichten. Zumindest erstmal sieben Tage lang.

Die Woche habe ich auch auf unserem Instagram-Account „west_eck“ festgehalten – zu finden ist sie in den Story-Highlights.

Montag:

Ich habe mir das Ganze ziemlich spontan überlegt, bin also so gar nicht vorbereitet. Der erste Tag beginnt. Als ich zum Brot greifen will, wird mir klar: Das wird heute nichts mit Frühstück. Sowohl das Schwarzbrot als auch die Scheibe Käse sind von Plastik umhüllt. Also gibt’s stattdessen nur eine Banane und einen Apfel aus dem Obstkorb, der Gott sei Dank aus Holz ist. Auch das Mittagessen-to-go sieht mau aus. Ich habe noch ein Glas Bohnen. Damit muss ich mich wohl heute zufrieden geben.

Eine Ausnahme mache ich während meines Selbstversuchs: Hygieneprodukte. Ich möchte schließlich nicht ungewaschen und mit Mundgeruch durch die nächsten sieben Tage stolpern.

Abends mache ich einen kurzen Abstecher in einen Supermarkt in Belgien – mein Freund und ich wohnen nah an der Grenze. Als ich in der Gemüse- und Obstabteilung stehe, trifft mich der Schlag. Wirklich jedes Obst und Gemüse ist in Plastik eingepackt.

Im Supermarkt auf deutscher Seite finde ich dann doch noch etwas: Lose Möhren und ein paar Süßkartoffeln wandern in den Einkaufswagen. An der Kasse packe ich meinen mitgebrachten Stoffbeutel aus. Das Abend- und Mittagessen für den nächsten Tag ist langweilig, aber gesichert.

Dienstag:

Ups, wieder kein Brot. Nach einem langen Arbeitstag hatten der Metzger und Bäcker leider schon geschlossen. Also packe ich meinen Stoffbeutel und meine Vorratsdose ein und mache mich noch vor der Arbeit auf den Weg. Sowohl die Verkäuferin beim Metzger als auch die Verkäuferin beim Bäcker packen mir Brot und Wurst direkt in meine mitgebrachten Behälter. Wichtig ist nur, dass die Dosen nicht hinter, sondern vor der Theke bleiben. Ich bin begeistert. Ich erfahre von den Verkäuferinnen aber auch, dass kaum jemand mit seinen eigenen Dosen kommt. Warum eigentlich nicht? Ist doch nicht so schwer.

Auf der Arbeit angekommen, geht’s erstmal in die Küche. Ich greife nach den Kaffeepads. Mist. Plastik. Gestern hatte ich zu Hause noch in aller Ruhe meinen Bohnenkaffee getrunken – aber wenn ich mich zurückerinnere, habe ich die Bohnen irgendwann auch mal in Plastik verpackt gekauft. Also erstmal keinen Kaffee mehr für mich. Das wird hart. Jetzt also nicht nur kein Plastik, sondern auch keinen Kaffee mehr.

Mittwoch:

Mit einer Scheibe Brot und einer Scheibe Schinken starte ich in den Tag. Wenn’s schon kein Kaffee sein darf, dann wenigstens Milch. Die muss ich allerdings erst frisch holen. Bepackt mit einer Glasflasche geht’s vor der Arbeit zum nächsten Bauernhof – zum Glück gibt es immer mehr Selbstbedienungsautomaten, an denen man Milch kaufen kann. Die ist also nicht nur plastikfrei, sondern auch absolut frisch und direkt aus der Nachbarschaft.

Am Abend wollen mein Freund und ich spontan grillen. Nach der Arbeit hat der Metzger schon wieder zu. Echt kein Zuckerschlecken, wenn man bis nach 18 Uhr arbeitet. Zum Glück gibt es in einigen Supermärkten Frischetheken für Käse und Fleisch. Also greife ich zu meiner Vorratsdose und mache mich auf den Weg ins Nachbardorf. Bei uns gibt es nämlich keinen Supermarkt mit Frischetheke... Wieder wandert mein Hähnchenbrustfilet ohne Plastik direkt in meine eigene Dose. Perfekt.

Einen Nudelsalat kann ich zum Grillen diesmal leider nicht beisteuern. Alle Nudeln sind in Plastik verpackt. Stattdessen gibt es Grillgemüse: Zucchini, Möhren und ein paar Zwiebeln mit Olivenöl und Salz. Unser Pfeffer kommt leider aus der Plastikmühle. Den darf ich also auch nicht benutzen. Ich mache von allem die doppelte Menge, damit ich am nächsten Tag auf der Arbeit in der Mittagspause nicht verhungere.

Donnerstag:

Ich nehme mir am Morgen Zeit für ein kleines Zwischenfazit und notiere spontan alle Dinge, die ich im Moment nicht benutzen darf: Spülmittel, Spülmaschinentabs, Waschpulver und diverse Putzmittel. Aber auch Zahnpasta, Duschgel und Shampoo, Toilettenpapier und diverse Kosmetikprodukte wären eigentlich tabu. Ich konzentriere mich in dieser Woche aber nur auf den Lebensmittelbereich. Für’s Erste schwer genug. Auch das Besorgen von Frischkäse und Butter hat sich in den vergangenen Tagen als schwierig erwiesen, weil es in unserer Nähe – wir wohnen etwas außerhalb von Aachen – keine Bio-Märkte gibt. Nach der Arbeit hatte ich keine Lust, einen langen Weg auf mich zu nehmen. Die Bequemlichkeit hat gesiegt. Dann verzichte ich halt darauf.

Dafür kann ich mit ein paar anderen Dingen punkten: Ohrenstäbchen, Zahnbürste, Abschmink- und Küchentücher aus Bambus habe ich schon länger zu Hause.

Freitag:

Zum Frühstück gibt es Joghurt – aus dem Glas – mit frischen Erdbeeren. Das habe ich gestern noch ergattert. Mein Mittagessen für heute konnte ich nicht mehr vorbereiten, weil ich abends verabredet war und um 22 Uhr direkt ins Bett gefallen bin. Zum Glück steht noch ein Glas Bohnen im Vorratsschrank. Mittlerweile fühle ich mich wie im Dschungelcamp. Die verbliebene Süßkartoffel kommt auch noch mit. Die gare ich in der Mikrowelle. Ich esse in dieser Woche zwar viel Obst und Gemüse, aber hauptsächlich auch NUR das. Ich würde mir gerne mal wieder eine Pizza in den Ofen schieben oder zumindest eine leckere Nudelpfanne machen. Am Abend gibt’s das restliche Brot und die letzte Scheibe Wurst – wie immer ohne Butter.

Samstag:

Endlich Wochenende! Zeit, sich Gedanken um einen großen, umweltfreundlichen Einkauf zu machen.

Ich gehe zum Gemüseladen nebenan (der sonst nur geöffnet hat, wenn ich auf der Arbeit sitze) und decke mich mit Vitaminen ein. Als nächstes geht’s zum Unverpackt-Laden in Aachen. In meinen beiden Stoffbeuteln klirren die Schraubgläser, die ich gleich befüllen werde. Ich bediene mich bei Nudeln, Haferflocken und Reis. Haar- und Körperseife fliegen auch noch in den Beutel.

Aber ich möchte noch weiter gehen. Im nächsten Reformhaus kaufe ich Alepposeife – eine Naturseife aus Olivenöl und Beeren oder Blättern des echten Lorbeers – Natron und Waschsoda. Im Drogeriemarkt finde ich ätherische Öle in kleinen Glasflaschen. Morgen ist Waschtag bei uns. Und ich versuche mich an selbstgemachtem Waschpulver...

Auf den Wohnungsputz nach dem Einkauf möchte ich – trotz Putzmitteln aus Plastikverpackungen – nicht verzichten. Jeder fängt mal klein an.

Sonntag:

Während andere Leute heute faulenzen, steht bei uns der Waschtag an (unsere Waschküche können wir nur sonntags bis dienstags nutzen, danach sind wieder die anderen Hausbewohner dran). Ich bin mehr als gespannt, wie mein selbstgemachtes Waschpulver funktioniert (160 Gramm geraspelte Alepposeife, 240 Gramm Natron und 240 Gramm Waschsoda vermischen. In das Waschmaschinenfach nachher ein paar Tropfen Lavendelöl hinzugeben).

Nach einer Stunde und 40 Minuten ist die Wäsche fertig. So gut und herrlich frisch wie sonst riecht sie nicht, aber es ist okay. Zumindest ist die Kleidung sauber. Auch das schmutzige Küchenhandtuch erstrahlt in neuem Glanz. Ich habe eigentlich nichts zu meckern. Und dass die Wäsche nicht so sehr nach künstlicher Frische riecht, sondern nur einen Hauch Lavendelduft an sich hat, ist bestimmt auch nur Gewöhnungssache.