Aachen: Eine Ritterburg in der Markthalle

Aachen: Eine Ritterburg in der Markthalle

Würde nicht hin und wieder eine Handvoll Tauben durch die eisernen Gewölbe flattern, könnte man den Anblick der Markthallen in der Liebigstraße als ziemlich öde bezeichnen. Die Stammhändler haben Stände und Gerät im hinteren Drittel der knapp 10.000 Quadratmeter zusammengepfercht.

Was bleibt ist nackter Boden, kalte Stahlverstrebungen, ausgediente Industriekräne. Milchiges Tageslicht fällt durch die Dachfenster in rund 25 Metern Höhe. Kein schöner Anblick.

Außer für einen. „Ich liebe diese Halle”, sagt Dietmar Kreitz. Und in seinen Worten liegt Vorfreude auf das, was sie innerhalb von nicht mal fünf Tagen werden soll: Austragungsort der 12. Carnevale, der mit mehr als 3000 Besuchern wohl größten Sause im Öcher Fastelovvend.

Wie aber soll inmitten dieses Ödlands eine behagliche, geschweige denn spektakuläre Kulisse entstehen? Zunächst durch ein sechsstelliges Budget, dass der Aachener Karnevalsverein (AKV) stellt. Dann braucht es einen Sponsorenpool. Vor allem aber unabdingbar: 20 im positiven Sinne Verrückte, die sich die kommenden Tage und Nächte um die Ohren schlagen werden - ehrenamtlich, versteht sich.

24 Stunden später: die Markthalle hat sich in eine Baustelle verwandelt. Gabelstapler kurven zwischen Hebebühnen umher. Stahlverstrebungen und der Industriekran dienen nun als Halterung für Scheinwerfer und Boxen, die kaum noch zu zählen sind.

Die Carnevale in Zahlen fassen, das kann Rolf Kutsch: „3120 Meter Kabel müssen verlegt, 16 Tonnen Bühnenmaterial und 21 Tonnen Traversen montiert werden”, zählt Kutsch, zuständig für die Technik, auf. Außerdem braucht es 1200 Quadratmeter Wandverkleidung. Auch die Wasserleitungen für 50 Toiletten und dreizehn Zapfstellen gehören nicht zum Halleninventar.

Das Motto wird lauten: „Night of the Knights”, Nacht der Ritter. Am Donnerstag endlich schlägt sich dies auch in den Kulissen nieder: Über eine „Zugbrücke” betritt der Gast die Hallen, und kann den Blick schweifen lassen über das Szenario - eingerahmt von Burgtürmen. Dutzende Bierfässer sind bereits an die Hähne gekoppelt. Hunderte Scheinwerfer warten darauf, an den Strom angeschlossen zu werden. Darunter liegt eine 120 Zentimeter hohe Tanzempore, bereit für den Ansturm am nächsten Tag. Und über allem thront die 240 Zentimeter hohe 360-Grad-Bühne. Von dort aus wird das Team Carnevale, verkleidet als Ritterschar, die Party genießen. Ihre Party. Das Ergebnis von fünf Tagen Schwerstarbeit.

Am Freitagabend um 18.30 Uhr ist es soweit: das Team Carnevale lädt ein zur „Night of the Knights” in die Liebigstraße (Nähe Starfish). Letzte Karten gibt es noch im Vorverkauf im Ticketshop unserer Zeitung in der Mayerschen Buchhandlung oder an der Abendkasse für 19 Euro.

Mehr von Aachener Nachrichten