Eischwiele: Ein Tag mit Prinz Stefan I. und Zeremonienmeister Dieter

Eischwiele : Ein Tag mit Prinz Stefan I. und Zeremonienmeister Dieter

Der Kreis am Ende des Tages ist Tradition. Dieses Mal rücken sie ganz nah heran, um ihren Prinzen Stefan zu verstehen. Die Stimme ist arg angeschlagen, nur noch flüsternd kann er sich bei seinem Hofstaat für einen weiteren fantastischen Tag bedanken.

„Lasst uns den Tag beschließen und noch einen trinken”, ruft Eschweilers Narrenherrscher leise in die Runde.

Ein schweißtreibender, aber erfolgreicher Tag liegt hinter Stefan I., Zeremonienmeister Dieter, Adjutant Michael Hermansen, Prinzenführer Dieter Wolf und dem 50 Mann starken Prinzentross an diesem Samstag.

Ausschlafen, gemütlich frühstücken und anschließend mit der Familie durch die Stadt bummeln - so etwas kennt ein Prinz in diesen Tagen nicht.

Um 10 Uhr startet er in seiner Hofburg Flatten in den Tag. Mit einer kleinen Delegation geht es um 11.11 Uhr zum Fotostudio Averdung. „Solche Besuche bei Freunden, die uns unterstützen, sind uns einfach wichtig”, sagt Stefan Franzen.

Nach der Rückkehr zur prinzlichen Residenz schlüpft der Regent für wenige Stunden aus dem Kostüm, „seine Resi” macht ihm mittags ein leckeres Süppchen. Währenddessen schauen Dieter Braun und Michael Hermansen kurz daheim vorbei. Kräfte sammeln für den kommenden Veranstaltungsmarathon.

Am frühen Nachmittag trudeln sie dann alle langsam wieder ein: die sieben Pagen, die knapp 20 Prinzenbläser, die sechs Offiziere der Eschweiler Karnevalsgesellschaften, die den Narrenherrscher an diesem Tag begleiten und viele weitere Prinzenbegleiter.

Draußen wartet derweil Heinz Barth, der heute den ganzen Tross mit einem großen Reisebus von Termin zu Termin fährt. „Das ist an solchen Tagen einfach praktischer”, weiß der erfahrene Prinzenführer Wolf.

Dann geht es plötzlich ganz schnell. Um 15.26 Uhr hält Stefan eine kurze Ansprache, und los geht´s. Erster Halt: St. Jöris. In der ehemaligen Klosterkirche feiert die Interessengemeinschaft St. Jöriser Karneval ein kunterbuntes Kinderkostümfest.

Als erster betritt nach dem Protokoll Zeremonienmeister Dieter die „heiligen Hallen”, klopft mit seinem schweren Stab auf den Bühnenboden und kündigt Eschweilers Tollität an. Dann marschiert Stefan I. ein.

Es ist 16 Uhr. Der Prinz feiert, schunkelt, schmeißt Kamelle in den Saal und erobert die Herzen der vielen Kinder im Sturm.

„Et Häzz moss laache” haben sich Stefan und Dieter als Sessionsmotto auf die Fahne geschrieben. Und genau so legen sie los: sie strahlen, sie lachen und sie singen natürlich. Ob „Inde-Express” oder ihr neuer Eischwiele Fastelovendshit „Ich bruch keene Dom”, die Beiden geben Vollgas auf der Bühne. Die Jecken danken es ihnen mit frenetischem Applaus.

Kaum runter von der Bühne, startet Busfahrer Barth schon wieder den Motor. Schnell werden die Instrumente der Bläser eingepackt, die lange Prinzenfeder fachmännisch von Heinz Mommertz in der Schutzrolle verstaut.

Dieter Brauns Frau Susanne nimmt Prinzen- und Zeremonienmeisterkappe entgegen. Hier greift ein Rädchen ins andere. Muss es auch, denn schon kurze Zeit später warten in der Dürwisser Festhalle über zweihundert Jecken beim karnevalistischen Kaffee-Klatsch der Arbeiterwohlfahrt.

Wieder geben Prinz Stefan und Zeremonienmeister Dieter auf der Bühne alles, schmeißen Rosen unters Volk und stimmen gemeinsam mit dem Saal ihr Lied an.

„Auf diese Momente haben wir all die Monate hingearbeitet”, hat der herzliche Prinz die vielen Mühen im Vorfeld gerne in Kauf genommen. Erinnerungen fürs Leben seien diese Tage, auch der Auftritt bei den St.-Sebastianus-Schützen in Weisweiler.

Stickig, heiß und eng ist es im Heim am Festplatz. „Macht nichts”, denkt sich Prinz Stefan und marschiert mit viel Getöse ein. Berührungsängste kennt er nicht. Beim Prinzenlied streift er durch die Reihen und lässt mit Vorliebe seine jecken Untertanen durchs Mikro singen.

„Meine Stimme ist ja ziemlich angeschlagen, außerdem kann der Dieter so schön singen”, sucht der Regent mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht nach Ausreden.

Doch viel Schonzeit bleibt ihm nicht. Beim kurzen Zwischenstopp in der Hofburg an der Röthgener Straße gönnt sich der Prinz eine kleine Stärkung: ein Schnitzel mit Fritten. Dazu - nicht ganz passend - ein paar Zitronenstücke. Die Stimme hat doch sehr gelitten in den vergangenen Stunden.

Anschließend geht´s wieder nach Dürwiß, diesmal zum St.-Bonifatius-Kirchenchor. Der dortigen Präsidentin Resi Müller erklärt der Stefan I., warum es bei ihm immer drei statt zwei Bützjen gibt.

„Das hat uns der Jean-Luc aus Wattrelos so gesagt. Und wir geben natürlich gerne ein Bützje mehr”. Und noch etwas verrät Prinz Karneval ganz ungeniert: „Also ich fühl mich wohl im Rampenlicht!” Spricht´s und feiert ausgelassen mit der Menge.

Fleißig unterwegs ist auch Uwe Nase, der die gefragten Fanartikel - sei es Prinzenschal, -Cd oder -sticker - unters Volk bringt. Günter Quast mit der Videokamera und Ernst Eymael mit dem Fotoapparat sind ebenfalls wieder dabei.

Bereits im elften Jahr begleiten sie Eschweilers Prinz, so auch dieses Mal. „Circa 50 Stunden Filmmaterial kommen da zusammen”, verrät Quast.

Für den Prinzentross geht es anschließend um 21 Uhr zur Grüne-Funken-Sitzung. Hier tobt der Bär und Stefan und Dieter werden selbstverständlich nicht ohne eine gesangliche Darbietung entlassen.

Den krönenden Abschluss bildet dann die Jubiläumssitzung bei den Bösen Buben. Die Delio-Arena bei Flatten ist rappelvoll. Stefan singt ein letztes Mal für heute, nimmt noch ein Bad in der Menge. Die Stimme ist fast weg.

„Das wird schon wieder”, krächzt Stefan um kurz vor zwölf heiser. Die Haare sind zerzaust, Tollität und Zeremonienmeister sind sichtlich erschöpft. Dennoch: Für Stefan und Dieter erfüllt sich in diesen Tagen ein Traum. Dazu gehört auch, acht Stunden später wieder parat zu stehen: Für Prinz und Zeremonienmeister Strapazen, die sie liebend gern in Kauf nehmen.