Kreis Düren: Ein kleiner Ausweis hilft bei akutem Organversagen

Kreis Düren: Ein kleiner Ausweis hilft bei akutem Organversagen

„Wir brauchen dringend mehr Organspender”, sagt Dr. Bernd Wölbert mit Blick auf den bundesweiten Tag der Organspende am Samstag. Der Dürener Internist ist auf Nierenheilkunde spezialisiert.

Er weiß aus Erfahrung, wie die Transplantation von Organen Leben retten kann und welche Fortschritte die Medizin auf dem Gebiet der Organtransplantation in jüngster Zeit gemacht hat. Deshalb appellieren Dr. Wölbert und seine Kollegin Dr. Petra Worch: „Stellen Sie sich als Organspender zur Verfügung, und beschaffen Sie sich einen Organspenderausweis”.

Erst kürzlich ist in Köln sogar die Transplantation einer Niere gelungen, die eine Ehefrau ihrem Mann trotz unterschiedlichen Blutgruppen spendete. Trotz aller Euphorie (Dr. Wölbert: „Die Möglichkeit trifft nur für wenige zu und ist therapeutisch noch nicht ausgetestet.”) warnt der Facharzt vor zu großem Optimismus. „Man muss sehen, dass jede Entnahme eines Organs ein Eingriff ist”. Dieser Art der Lebendtransplantation seien enge Grenzen gesetzt. Nur Familienangehörige oder Freunde kommen als Spender infrage. Ein Geschäft mit Transplantaten soll damit ausgeschaltet werden. Letztlich entscheidet eine Ethik-Kommission.

Nicht in allen Fällen kann die Organtransplantation eine Hilfe sein. Von rund 150 Dialysepatienten ihrer Gemeinschaftspraxis, so Dr. Petra Worch, kommen 20 bis 30 für eine Übertragung in Betracht. Die mittlere Wartezeit auf ein Spenderorgan beträgt fünf bis sechs Jahre. Gerade für jüngere Patienten eine große Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität, wenn sie mehrmals wöchentlich über Stunden an die Dialyse müssen.

Wie Carola Vettelschoss (41), die seit zehn Jahren Dialysepatientin ist und deren Blut dreimal wöchentlich gereinigt werden muss. „Danach fühle ich mich schlapp, muss die Ernährung sorgsam wählen und kann ans Arbeiten gar nicht mehr denken”. Für sie und viele Patienten mit chronischem oder akutem Organversagen ist die Transplantation erste Wahl. Rund 12.000 Personen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan, darunter 8000 auf eine Niere. „Ein hohes Organspenderpotenzial wird nicht ausgeschöpft”, weiß Dr. Wölbert, der sich wünscht, dass auch in Krankenhäusern dem Thema Organspende mehr Beachtung geschenkt wird. In Deutschland kommen 16 Organspender auf eine Million Einwohner. In anderen Ländern ist diese Quote bedeutend höher. Spitzenreiter in Europa ist Spanien mit 33,6 Spendern auf eine Million Einwohner.

„Rechtzeitig darüber nachdenken, reden und vorbeugen”: Diesen Rat gibt Dr. Wölbert und verweist auf eine Diskrepanz: 82 Prozent der Deutschen halten Organspende für sinnvoll, 67 Prozent würden ihre Organe nach dem Tod spenden, aber nur zwölf Prozent besitzen einen Organspenderausweis.

Spender kann jeder ab 16 Jahren werden. Speziell für Senioren hat die Deutsche Stiftung Organspende das Programm „Old for old” ausgerufen.

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