Kreis Düren: Ein Jahr Verkehrssicherheitskampagne „Crash-Kurs”

Kreis Düren: Ein Jahr Verkehrssicherheitskampagne „Crash-Kurs”

Nicht ist härter als die Realität. Und nichts ist lehrreicher als die ungeschminkte Wahrheit. Diese zwei Überlegungen stecken hinter der Verkehrssicherheitskampagne „Crash-Kurs”, die die Polizei im Kreis Düren vor einem Jahr gestartet hat.

Mit emotionalen Berichten und zum Teil drastischen Bildern soll Schülern vor Augen geführt werden, welche (tödlichen) Folgen Fehlverhalten oder Aussetzer im Straßenverkehr haben können. Der Name „Crash-Kurs” ist dabei Programm. Wenn Polizisten, Notärzte, Feuerwehrleute und Angehörige von Unfallopfern konkrete Fälle und Einsätze schildern, bleiben selbst die Hartgesottenen unter den Zuhörern nicht unberührt.

„Die Schüler haben damit nicht gerechnet”, berichtet Kommissarin Susanne Suchy von den Erfahrungen des Teams aus den vergangenen Monaten. Statt eines Vortrags mit erhobenem Zeigefinger über das korrekte Verhalten im Straßenverkehr oder eines eher theoretischen Erste-Hilfe-Kurses werden die Schüler mit dem Alltag konfrontiert. „Man merkt, wie die Schüler das in ihren Köpfen beschäftigt”, bilanziert Hauptkommissar Karl-Josef Becker, der das Projekt bei der Kreispolizeibehörde konzipiert hat und es betreut. Die Kampagne laufe aus Sicht der Polizei gut, positive Rückmeldungen gebe es auch von den Schulen (siehe Infokasten), das Konzept gehe auf. Ziel ist es, alle Schüler der 0. und 11. Klasse mit den Denkanstößen zu erreichen.

„Es passiert viel, aber es explodiert wenig”, bringt Melanie Mallmann von der Dürener Polizei den „Crash-Kurs” auf den Punkt. Es gebe keine Effekthascherei, kein Action-Kino. Im Wechsel erzählen Rettungskräfte von konkreten Einsätzen, es gibt Einspielungen von Bildern und Filmen. „Jedes einzelne Element ist nicht besonders spektakulär. Aber zusammengenommen sind sie sehr wirkungsvoll”, findet Melanie Mallmann. Ab und zu komme es auch schon einmal vor, dass ein Schüler die Veranstaltung verlässt. Es gehört zum Konzept, die Zuhörer mit den Bildern und Botschaften nicht alleine zu lassen. Während und nach der Veranstaltung stehen Angebote zur Bewältigung des Erlebten zur Verfügung.

„Die Reaktionen des Publikums zeigen, dass unsere Botschaften auch ankommen”, sagt Siggi Esser, Verkehrssicherheitsberater der Dürener Polizei. Zwar gebe es ab und an Zuhörer, die demonstrativ Coolness zur Schau stellten, doch irgendwann im Laufe der anderthalbstündigen Veranstaltung werde es auch in den hinteren Reihen still, herrsche oftmals eine spürbare Betroffenheit. Bei Schülern wie bei den Vortragenden gleichermaßen.

„Es ist gut, dass es ein Rotationsprinzip im Team gibt”, sagt Susanne Suchy. Auch für die Referenten sei es immer wieder eine Herausforderung, sich vor 200 Schüler zu stellen und über Ereignisse zu berichten, die am liebsten kein Mensch erlebt hätte. „Es ist jedes Mal ein großer Sprung ins kalte Wasser”, sagt sie. Wohl kein Beteiligter könne die Geschehnisse eines (tödlichen) Unfalls unbeteiligt schildern. Niemand spule seinen Bericht ab, es stelle sich keine Routine ein. Sollte dies geschehen, sei es vermutlich auch an der Zeit, die Teilnahme am Crash-Kurs zu beenden. Die Glaubwürdigkeit der Botschaften komme ja aus der emotionale Betroffenheit der Referenten. Kein abstraktes Problem werde geschildert, keine theoretische Abhandlung zur Verkehrssicherheit präsentiert. Wie gesagt: Im Crash-Kurs geht es um die Realität.

Ob die Kampagne dazu beiträgt, die überproportionale Unfallbeteiligung junger Verkehrsteilnehmer zu senken, wird die Zukunft zeigen. „Wir helfen dabei, ein Problembewusstsein zu entwickeln”, ist Karl-Josef Becker überzeugt. Nur brauche die Polizei auch einen langen Atem: Jedes Jahr rückt die nächste Generation potenzieller Autofahrer nach.

Weitere Informationen für interessierte Schulen

Die Verkehrssicherheitskampagne„Crash-Kurs” wurde vor einem Jahr im Kreis Düren gestartet. Bisher hat die Polizei bei 16 Veranstaltungen mehr als 3000 Schüler, die kurz vor dem Erwerb eines Führerscheins stehen, sehr direkt und emotional angesprochen.

Weitere Infos zum Konzept gibt es unter 02421/9495313 bei Polizeihauptkommissar Karl-Josef Becker. Er koordiniert auch die Zusammenarbeit mit den Schulen im Kreisgebiet und weiß, welche freien Termine es noch für einen kostenlosen „Crash-Kurs” gibt.

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