Stolberg: Ein Goldschmied für die „Visitenkarten” der Prinzen

Stolberg: Ein Goldschmied für die „Visitenkarten” der Prinzen

Als Rüdiger Nolte in der Session 1972/1973 selbst seine jecke Regentschaft als Stolberger Prinz Rüdiger I. ausübte, trug er noch einen Prinzenorden, der nicht in der Kupferstadt hergestellt worden war.

Doch seit dem Jahr 1974 stattet die Goldschmiede Nolte die Stadtprinzen mit handangefertigten Unikaten aus, die auch über die jeweiligen Sessionen hinaus ein bleibendes Erinnerungsstück für die närrischen Würdenträger darstellen. Diese Tradition setzt seit 2007 Rüdiger Noltes Sohn Dirk fort, der ebenfalls Goldschmiedemeister ist und das karnevalistische Brauchtum gerne fördert.

Der „große” Kupferstädter Prinz, der Kinderprinz der Stadt sowie der Burggraf tragen ihre Orden, die seit 36 Jahren „made in Stolberg” sind, und mittlerweile gehören längst auch andere Karnevalsgesellschaften zur Kundschaft der Goldschmiede im Steinweg.

„Wir fertigen ebenso Orden für die Kinderprinzen der KG Büsbach und der KG Mölle an. Im letzten Jahr bekamen wir von der Mausbacher Prinzessin Melanie (Schroiff) und dem Hofstaat den Auftrag, für Udo I. (Schroiff) einen Orden herzustellen. Außerdem reparieren oder fertigen wir zum Beispiel Sonderorden, Manschettenknöpfe und Plaketten für die Gesellschaften Mönsterböscher Jonge, Wenkbülle und die Fidelen Zunfthäre”, listet Dirk Nolte auf.

Vor der Entstehung eines Ordens steht die Recherche, das heisst der „Hintergrund” des jeweiligen Prinzen wird beleuchtet. Berücksichtigt werden etwa seine Karnevalsgesellschaft, sein Beruf und seine Hobbys.

So finden sich die KG Teuflische Jecke, die Profession des Feuerwehrmanns und die Leidenschaft für Musik einhellig auf dem prunkvollen Orden des letztjährigen Prinzen Michael I. (Bartz) wieder.

Mit Bleistift und Skizzenblock hält Nolte den ersten Entwurf fest, der mittels Scanner in verschiedene Größen variiert wird. Nun sucht der Goldschmiedemeister Materialien wie Messing, Kupfer oder Silber aus, passt sie farblich an und kombiniert sie gegebenenfalls mit Halbedelsteinen. „In den 80er Jahren haben wir einem Stadtprinzen sogar einmal echte Brillanten in den Orden eingesetzt”, erinnert sich Nolte.

In der Werkstatt beginnt anschließend das geschäftige Treiben: Der Meister und sein Geselle Ralf Herff schneiden, bohren, sägen und hämmern was das Zeug hält.

Die Einzelteile werden poliert, verschraubt, verstiftet oder verlötet, der fast fertige Orden dann graviert und mit einer Kette versehen. „Die Herstellung ist Teamwork. Das hat den Vorteil, dass jeder seinen eigenen Stil und individuelle Ideen mit einbringt”, beschreibt Nolte.

Von der ersten Skizze bis zum fertigen Produkt stecken je nach Ausführung 10 bis 20 Arbeitsstunden in einem Prinzenorden. Dafür den üblichen Stundensatz zu bezahlen, würde die finanziellen Möglichkeiten der meisten Karnevalsvereine freilich überstrapazieren, meint Nolte.

Er vereinbart daher mit den Gesellschaften im Vorfeld erschwingliche Pauschalpreise und betrachtet den Großteil seiner Arbeit eher als eine Form von Sponsoring.

„Das ist halt unser kleiner Beitrag zur Unterstützung des Brauchtums und der heimischen Vereine”, erklärt Nolte bescheiden. Und von dieser handwerklichen Unterstützung profitieren nicht nur die Karnevalisten. Auch manche örtlichen Schützenvereine lassen ihre Ketten, Standarten, Fahnen und dergleichen von dem Kupferstädter Goldschmied herstellen oder instand halten.