Langerwehe: Ehrenamtspreis ist die wichtigste Veranstaltung des Kreises

Langerwehe: Ehrenamtspreis ist die wichtigste Veranstaltung des Kreises

Was bei US-Präsident Trump schon üblich ist, wird neuerdings auch bei Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn gemacht: Reden wie die bei der Verleihung der Ehrenpreise für soziales Engagement seitens des Kreises Düren werden ab sofort von Dolmetschern in Gebärdensprache übersetzt.

Ort der Premiere für diese in Deutschland noch immer sehr besondere Art von Inklusion: die Kulturhalle in Langerwehe, Schauplatz der Verleihung der Ehrenpreise für Engagement.

Von Körrenzig bei Linnich bis Heimbach: Die Schar der 540 Gäste, die die Halle bis fast auf den letzten Platz füllten, stellte einen guten (weil repräsentativen) Querschnitt der Bevölkerung des Kreises dar. Nicht minder bunt wirkten die Aufgaben, denen sich die einsatzfreudigen Frauen und Männer zugewandt haben: von Schülerlotsen über ehrenamtliche Mitarbeiter beim Altentreff bis hin zu einem vielfältig engagierten Priester — alle möglichen Arten von Bürgern, die mehr für ihre Mitmenschen tun als sie es eigentlich müssten, waren vertreten bei diesem Abend der guten Taten in Langerwehe.

Des Ranges der Soirée, die von den Musikern des Jungen Orchesters Kreuzau facettenreich und wohlklingend umrahmt wurde, war sich auch der Landrat sicher: „Das ist unsere bedeutendste Veranstaltung“, gab Wolfgang Spelthahn unumwunden zu Protokoll. Ein ganz besonderes Anliegen war es dem ersten Mann im Kreishaus, einen Mitbürger aus seinem Heimatort Ellen auszeichnen zu können: Helmut Macherey, Oberstudienrat im Ruhestand und katholischer Priester, gestaltet nicht nur aus seinem Glauben und der Liebe zur Heimat heraus Mundart- und Jagdmessen, sondern setzt sich zudem als Vorstandsmitglied für den Tennisclub Arnoldsweiler ein.

Macherey und Barbara Rothkopf, die — selbst gehörlos — im Gehörlosen-Verein Düren für ihre Mitmenschen da ist, trugen zu dem Eindruck bei, dass dieser Abend vor allem eine Gala für ganz besondere Leute war. Das sah auch der Landrat so, der sich freute: „Im Kreis gibt es rund 70.000 Menschen, die sich in irgendeiner Form ehrenamtlich engagieren — damit zählen wir bundesweit zu den Top Ten.“ Apropos „bundesweit“: Die Weiterleitung zum Deutschen Ehrenamtspreis, der in Berlin vergeben wird, ist für alle Preisträger in ihrer Urkunde quasi mit inbegriffen.

Wer diese Urkunde mit Weiterleitung in die Bundeshauptstadt in Empfang nehmen durfte, war zuvor nach dem Eintreffen eines entsprechenden Vorschlags im Kreishaus von einer Jury unter die Lupe genommen worden. Vorsitzende dieses Gremiums war Katharina Rolfing (CDU), Chefin des Kulturausschusses im Kreistag.

Zusätzlich zu den nicht nur mit einer Urkunde, sondern auch einem Scheck über 250 Euro dotierten Preisen wurden bei der von der Sparkasse Düren unterstützten Veranstaltung mehrere Sonderpreise vergeben. Der von der „Entwicklungsgesellschaft Indeland“ ging an die Mitglieder der Initiative „Alte Kirche Körrenzig“, die — so Geschäftsführer Jens Bröker — das einst verfallene Gotteshaus „in ein wirkliches Schmuckstück der Stadt Linnich verwandelt haben“.

Held des Alltags

Den „Ehrenpreis für besonderes gesellschaftliches Engagement“ erhielt Sportjournalist Wilfried „Siggi“ Horrmann. Um „Ein Herz für Kinder“ zu unterstützen, stiftete er ein von allen BVB-Fußballern signiertes Trikot für eine Verlosung. 1600 Euro sind der Erlös. Gerne unterstützt er auch Peter Borsdorffs „Running for Kids“ und die Rurtalwerkstätten.

Als Held des Alltags für seine Zivilcourage ausgezeichnet wurde Udo Jöbges. Durch seinen Einsatz rettete Jöbges am 8. April 2017 einer jungen Autofahrerin das Leben. Ihr Wagen war zwischen Heimbach und Gemünd aus ungeklärter Ursache gegen einen Baum geprallt und hatte Feuer gefangen. Der Retter befreite sie in letzter Sekunde aus dem brennenden Wrack.

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