Heinsberg: Echtes Domfest zum Jubiläum

Heinsberg: Echtes Domfest zum Jubiläum

Das Festhochamt, zu dem der Aachener Weihbischof Karl Borsch Sonntagmorgen in die Heinsberger Pfarrkirche St. Gangolf gekommen war, hatte gleich zwei Anlässe: Der eine war der Abschluss seiner vierwöchigen Visitation in der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Heinsberg-Waldfeucht.

Zugleich war der Gottesdienst Auftakt der Festwoche zum 750. Jahrestag der Altarweihe im sogenannten Selfkantdom.

„Wenn Steine reden könnten, hätten sie viel zu erzählen”, sagte Propst Markus Bruns in seiner Begrüßung, „nicht nur von der Geschichte dieses Gotteshauses. Hier wurde gebetet, gesungen, geweint und gelacht.” Hier herrsche eine ganz besondere Atmosphäre. Wer die Kirche betrete, dessen Blick richte sich automatisch auf den Altar als Zeichen für Jesus Christus, der mitten in der Gemeinde stehe.

Das Gedicht „Visionen” des ehemaligen Heinsberger Propstes Wilhelm Willms zitierte der Weihbischof zu Beginn seiner Predigt. „Kirchen, gut gepflegt, schön renoviert, aber ohne Leben - Gräber Gottes, ist das die Vision der Kirche in der Zukunft?”, fragte er und räumte ein, dass so manches aktuell darauf hinzudeuten scheine. Kirche sei im Umbruch, Strukturen würden zerbrechen, nicht wenige Menschen sich zurückziehen. „Ist das alles, die einzige Perspektive?” Borsch ließ die wesentlichen Daten der Geschichte des Gotteshauses noch einmal Revue passieren und kam dann zu dem Schluss: „Die Geschichte ist erhellend. Die Zeiten waren immer bewegend. Nie war die Zukunft sicher.”

Die Zukunft der Kirche hänge nicht von politischen Strukturen, von Geld oder Gebäuden ab. „Hinter jeder lebendigen Gemeinde steht ein ergriffener Mensch”, so sein Fazit. Eine lebendige Gemeinde werde geformt durch „Christen, die ihrem Glauben Hand und Fuß geben.” Sicherlich werde sich die Situation weiter verändern. „Wir sind eine qualifizierte Minderheit”, blickte der Weihbischof in die Zukunft.

„Aber wenn wir die Frage, ob wir bereit sind, Menschen für unseren Glauben zu gewinnen, mit Ja beantworten können, dann haben wir eine Zukunft!” Was der Kirche aktuell im Grunde fehle, sei die Begeisterung. „Bekennt Farbe, demütig, aber auch selbstlos”, rief er die Gläubigen auf. „Es braucht Leidenschaft, für Gott und die Menschen!” Die Zukunft der Kirche sei nicht in Rom und auch nicht in Aachen zu finden, sondern zu Hause am Küchentisch, am Bett des Kindes.

Zum Abschluss des Hochamtes dankte Bruns dem Bischof für die vier Wochen der Visitation mit mehr als 90 Terminen. „Wir haben Sie als sehr ermutigend, wohltuend erlebt”, sagte er ihm. „Sie geben der Kirche von Aachen ein authentisches Gesicht, freundlich, zugewandt, offen.”

Borsch dankte im Gegenzug allen in der GdG für ihren unermüdlichen und überzeugenden Einsatz. „Ich darf sagen, ich habe mehr Grund zu danken als zu klagen”, zog er ein Resümee seiner Visitation. Die Ergriffenheit, die der Weihbischof in seiner Predigt eingefordert hatte, brachte Regionalkantor Winfried Kleinen mit Chören aus Heinsberg und Kirchhoven sowie mit Gesangs- und Instrumentalsolisten direkt in den Gottesdienst ein. Und er beteiligte auch die Kirchenbesucher aktiv an der Kölner Domfest-Messe „Wo Jahr und Tag nicht zählt” mit Texten von Klaus Lüchtenfeld und Musik von Heinz-Martin Lonquich. Sie entstand 1980 aus Anlass der Hundertjahrfeier der Fertigstellung des Kölner Doms.

Nach der Messe lud der Pfarrgemeinderat zum Pfarrfest ein. Das Geld aus der Kollekte und die Erlöse des Pfarrfestes werden genutzt für die Anschaffung eines Kirchenfensters im Hochchor von St. Gangolf.