Kreis Düren: Dramatischer Anstieg: Immer mehr Diebstähle im Kreis Düren

Kreis Düren: Dramatischer Anstieg: Immer mehr Diebstähle im Kreis Düren

Die Aufklärungsquote ist niedrig, der Anstieg fast schon dramatisch: Um genau 44,9 Prozent sind im ersten Halbjahr 2014 die Fallzahlen von Taschendiebstählen im Vergleich zum Vorjahr angestiegen.

Die Zahlen liegen deutlich über dem Landesdurchschnitt, wo ein Anstieg von 15,8 Prozent zu verzeichnen ist. Gab es 2012 noch 307 Fälle im Jahr, lagen sie 2013 schon bei 390 Delikten. Und für die ersten sechs Monate des Jahres 2014 wurden bereits 255 Taschendiebstähle gezählt.

nsbesondere ältere Men- schen sind Ziel von Taschendieben, warnt Kriminalhauptkommissar Dietmar Schorn. Foto: bugi

Erklären kann sich die Polizei diesen deutlichen Anstieg im Kreis Düren auch nicht. Kriminalhauptkommissar Dietmar Schorn: „Es handelt sich um eine ähnliche Tätergruppierung wie bei den Wohnungseinbrüchen.“ Das heißt: die Täter reisen oftmals an und treten in Gruppen auf. „Es ist ganz oft so, dass sie einen Täter haben, der das Opfer ablenkt. Ein zweiter zieht dann die Geldbörse aus der Tasche und reicht sie an einen Dritten weiter, der dann schnell verschwindet“, erläutert Schorn die Vorgehensweise. „Innerhalb der Tätergruppe hat sich jeder auf seine Arbeit spezialisiert“, sagt Schorn. Und: Es handelt sich offenbar um eine gute Einnahmequelle. Schätzungen gehen davon aus, dass solche Tätergruppen rund 20.000 bis 30.000 Euro im Monat mit den Diebstählen verdienen.

Was es der Polizei besonders schwer macht, ist der Umstand, dass die Opfer den Verlust oft erst später entdecken und dementsprechend auch häufig keine Täterbeschreibung abgeben können. Schorn: „Nur jedes 20. Delikt kann aufgeklärt werden.“ Weil das so ist, setzt die Polizei gerade in einer landesweiten Kampagne verstärkt auf Prävention. Betroffen sind nach den Erfahrungen von Schorn insbesondere ältere Menschen. Auch, weil sie eher dazu neigen, neben der EC-Karte in der Geldbörse auch die Pin-Nummer mit sich tragen. Klassische Situationen, in denen man Opfer eines Taschendiebstahls werden kann, sind Veranstaltungen oder Örtlichkeiten mit einem großen Aufkommen an Menschen, aber auch Situationen wie zum Beispiel beim Einstieg in Bus oder Bahn. Schorn: „Da muss nur einer der Täter sich mal kurz bücken und für einen Stau sorgen, schon läuft man auf und ist abgelenkt.“

Räumlich lässt sich die Gefahrenzone eingrenzen: Auch wenn es sich um Zahlen für den gesamten Kreis Düren handelt, sind die Täter insbesondere in der Stadt Düren und in Jülich aktiv. In Düren sollte man am Bahnhof selbst, bis in die Fußgängerzone und zum Markt, aber auch im Stadtcenter besonders wachsam sein, rät Schorn. Und: Zu Zeiten des Wochenmarktes ist ebenso ein Anstieg der Delikte zu bemerken, insbesondere an Samstagen.

Wie professionell die Täter vorgehen, macht Schorn noch an einem anderen Beispiel deutlich: „Wir gehen davon aus, dass die Täter die potenziellen Opfer genau ausgucken und dann auch gezielt an Rentenauszahlungstagen aktiv werden, weil es offenbar immer noch viele Menschen gibt, die an solchen Tagen ihre gesamte Rente vom Konto abheben.“ Es geht also nicht immer nur um kleine Geldbeträge, wie Schorn von einem anderen Beispiel weiß: „Wir hatten jüngst eine Familie, die sich auf dem Weg zu einer Fernreise befand. Beim Einladen der Koffer sind ihnen 5000 Euro gestohlen worden und sie mussten ihre Reise abbrechen.“

Die Wiederbeschaffung verlorener Papiere wie Ausweise kommt oftmals noch hinzu. Schorn: „Man muss einfach aufmerksam sein. Die Gefahr sollte einem immer bewusst sein.“ Beschaffungskriminalität spielt, so eine weitere Erfahrung von Schorn, übrigens in dem Zusammenhang ganz klar eine untergeordnete Rolle. Im Gegenteil: „Die Täter sind meist gut gekleidet, höflich und unauffällig“, beschreibt der Kriminalhauptkommissar die entsprechende Klientel.

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