Stolberg-Dorff: Dorffs bestgehütestes Geheimnis ist gelüftet

Stolberg-Dorff : Dorffs bestgehütestes Geheimnis ist gelüftet

Wenn „Pastur” über Tische und Stühle hüpft, spätestens dann gehen in Stolbergs kleinstem Stadtteil die Uhren anders. Auf Karneval waren die Uhren eingestellt, als Pastor Ulrich Lühring mit einem Strampelanzug bekleidet seine Glanznummer abzog.

Witze erzählend und als Entertainer den Hit „Marmor, Stein und Eisen” schmetternd, war der Auftritt des Dorffer Pfarrers, der Schlager aus den 60er und 70er Jahren zum Besten gab, zweifelsohne einer der Höhepunkte bei der traditionellen Tulpensonntagssitzung im Schützenheim.

Ein weiterer Höhepunkt war die Bekanntgabe des Dreigestirns. Wer das Dreigestirn darstellt, das gehört im Vorfeld zu den bestgehütesten Geheimnissen des 800 Einwohner Ortes. Allein ein Drittel der Einwohner war zum Schützenheim gekommen, um Fastelovend zu feiern.

Das Geheimnis ist so geheim, dass selbst Sitzungspräsident Friedhelm Vaßen sicherheitshalber auf seinem Spickzettel schauen musste, als er die Namen der drei Männer bekannt gab, die es gemeinsam immerhin auf das stolze Alter von 146 Jahren bringen.

Allein 65 Jahre alt ist Ihre Lieblichkeit Jungfrau Dietlinde (Dieter Reiss), der zu den Mitbegründern der Karnevalsgemeinschaft gehört und schon 1994 das Dorffer Prinzenamt bekleidete. Auf 46 Jahre bringt es Fritz I. (Thiermann).


Mit Abstand der Jüngste im Dreierbund ist Seine Deftigkeit Bauer Markus (von der Stein), der gerade mal 35 Jahre zählt. Dass die Regierungszeit des Dorffer Dreigestirns nur zwei Tage währt und erst am Tulpensonntag beginnt, entspricht einer alten Tradition. Schon Prinz Christian Wexler brachte es 1937 auf nur zwei Amtstage.

Doch was soll´s, frei nach dem Motto „je kürzer desto doller” hielt sich das neue Dreigestirn nicht lange an ausufernden Reden fest, sondern hackte sich ein und erwies sich von Beginn an als Stimmungsmacher per Excellence.

Mit den „Lolly Pops” und den „Candys” besitzt die Karnevalsgemeinschaft, die sich aus den sieben Dorffer Vereine zusammensetzt, sogar zwei eigene Tanzgruppen. Als Micky Mäuse verkleidet traten die zehn Kinder auf, die zu den „Lolly Pops” gehören. Die sechs- bis siebenjährigen Mädchen legten einen flotten Tanz aufs Parkett. Begonnen hatte das Programm mit dem Auftritt des siebenjährigen Mariechens Gina Kuchem.

Tänzerisch auf der Höhe war auch die Jugendgruppe der KG Büsbach, die von Prinzessin Anja I. (Liedig) begleitet wurde. Die Kinder präsentierten sich als bayerische Holzhackerbuben, die schwungvoll ihren als Attrappe mitgebrachten Holzstamm zu Kleinholz verarbeiteten. Die KG Büsbach gehört seit vielen Jahren gemeinsam mit der Abordnung vom „Balkan” - so wird der Breinigerberg volkstümlich genannt - zu den Stammgästen der Dorffer Tulpensonntagssitzung.

In die Reihe der Stammgäste kann sich auch eine als Marienkäfer verkleidete 60-köpfige Gruppe einordnen, die nach ihrem Auftritt im Büsbacher Kinderzug die Sitzung im Schützenheim nutzt, um ein weiteres Mal im Blickfeld der Öffentlichkeit zu stehen.

Öcher Leddcher

Für die musikalische Gestaltung waren die Gruppen „De Schlappis” und die „Inderebellen” verantwortlich. Sie heizten dem eng beieinander stehenden und sitzendem Publikum tüchtig ein und sorgten dafür, dass das Stimmungsbarometer auf den Höhepunkt getrieben wurde.

Neben Pastor Lühring gehörte das Aachener Duo Christel und Gerd Leuchtenberg zu den Alleinunterhaltern. Sie versorgten die zahlreichen Besucher mit einem umfangreichen Repertoire echt „Öcher Leddcher”.