Hückelhoven-Ratheim: Do-it-yourself-Erlebnis schweißt alle Parteien zusammen

Hückelhoven-Ratheim: Do-it-yourself-Erlebnis schweißt alle Parteien zusammen

Die Idee vom „Haus am See” hatte anfangs für einige Unruhe in der Politik gesorgt und war sogar zum Wahlkampfthema geworden. Für und Wider wurden heiß diskutiert, bevor dann doch alle an einem Strang zogen. Am Samstag fand nun die offizielle Einweihung des Hauses am Adolfosee nach rund einjähriger Bauzeit statt.

Die Stadt stellte rund 210.000 Euro aus Haushaltsmitteln bereit. Die Eigenleistungen der Vereine betrugen etwa 70.000 Euro. Das Gelände sowie einige für den Bau benötigte Maschinen hatte Max Spies von Büllesheim zur Verfügung gestellt. Das Gebäude steht auf einem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück mit direktem Zugang zum See.

Herzstück ist ein rund 95 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum mit Thekenbereich und modernen sanitären Anlagen. Aufgrund der Eigenleistungen der Bürger konnten circa 10.000 Euro für die Ausstattung des Gebäudes sowie Geschirr verwendet werden. Nur der Rasen, der auf dem Grundstück eingesät wurde, wollte angesichts der Trockenheit und Hitze der letzten Tage (noch) nicht so recht sprießen.

Die gemeinsame Initiative von Vereinen, Verwaltung und Politik bezeichnete Bürgermeister Bernd Jansen als „vorbildlich”. Das Do-it-yourself-Erlebnis habe eine unmittelbare und enge Beziehung der Bürger zu dem Gebäude geschaffen. Jansen dankte dem hauptamtlichen Bauleiter Rolf Weyermanns sowie seinen beiden ehrenamtlichen Kollegen Bernd Gödecke und Udo Lamberti, die das Projekt mit Beharrlichkeit vorangetrieben hatten.

Die Idee für das Haus am See geht auf Dr. Adolf Spies von Büllesheim und seinen Freund Peter Sieben zurück, die schon vor über zehn Jahren den Wert des Geländes und seine Möglichkeiten erkannt hatten. Damals jedoch hatte die Stadt kein Geld und wegen der Zechenschließung andere Probleme. Leider konnten die beiden Initiatoren das Haus nicht mehr fertig erleben, da sie zwischenzeitlich verstorben sind. Zu ihrem Gedenken enthüllten Baronin Katharina Spies von Büllesheim und Doris Sieben ein Bild ihrer Gatten, das das Kopfende des Raums schmückt.

Max Spies von Büllesheim hob hervor, dass das Naherholungsgebiet Adolfosee nun so genutzt werden könnte, wie es sein Vater gewünscht hatte. „Freundschaft und Verbundenheit” seien die Triebfedern zu diesem Projekt, das durch die Hilfe der Bürger und Unternehmen vor Ort realisiert werden konnte. Die Umsetzung sei sicherlich im Sinne seines Vaters und dessen Freundes Peter Sieben gelungen.

Der Vorsitzende der Ortsgemeinschaft, Richard Rütten, betonte, dass er anfangs skeptisch gewesen sei, als die Pläne für das Haus an ihn herangetragen worden seien. Aus der anfangs angedachten Grillhütte sei „ein Haus für jedermann” geworden. Bauleiter Bernd Gödecke dankte den vielen Helfern und gab gleichzeitig zu bedenken, dass rund zehn Prozent der Bausumme für Schutzmaßnahmen gegen Vandalismus aufgewendet werden mussten.

Pfarrerin Susanne Bronner und ihr katholischer Amtskollege Klaus Jansen segneten das Gebäude als einen Ort, „an dem Gemeinschaft gelingen kann”. Beim anschließenden Empfang lief natürlich der Hit des Berliners Peter Fox, der die Inspiration zum Namen für das Bürgerhaus geliefert hatte. Das Haus kommt bei den Bürgern an, denn über den Sommer ist es schon komplett ausgebucht, wie Bürgermeister Jansen betonte.

Altes Kiesabbaugelände jetzt ein Schutzgebiet

Bis in die frühen 80er hinein wurde auf dem Gelände Sand und Kies abgebaut. 1985 war die Rekultivierung des Geländes abgeschlossen. Der See und seine Uferbereiche sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Der See wurde nicht nur von der Ratheimer Bevölkerung als Naherholungsgebiet genutzt. Er erstreckt sich l-förmig und ist an seiner breitesten Stelle rund 800 Meter breit und knapp 600 Meter lang. Der Adolfosee dient auch als Winterquartier für einige Vogelarten, in den letzten Jahren auch für die in NRW fast ausgestorbenen Kormorane.