Digitalkolumne: Ziemlich smart – aber auch gemütlich?

Digitalkolumne : Ziemlich smart – aber auch gemütlich?

Zuhause ist für viele ein Ort der Gemütlichkeit. Besonders jetzt im Winter fühlt es sich irgendwie passend an, Kerzen anzuzünden, Tee zu kochen und ein Buch in die Hand zu nehmen. Das ist aber nur eine Idee von Gemütlichkeit – eine altmodische?

Für manch einen schon! Denn ganz anders lebt es sich im modernen Zuhause. Im Smart Home wird wohl eher ein Sprachassistent wie „Alexa“ das Licht einer gemütlichen Atmosphäre entsprechend dimmen und die voll automatisierte Kaffee-und Teemaschine anschmeißen. Ein Buch liest man wie auch Zeitung und Kochbücher sicherlich auf einem Tablet.

Apropos Kochen. In einem Smart Home sind da vor allem kompakte Kochgeräte wie der Thermomix gefragt. Der Salat wird maßgenau klein geschnippelt, der Plätzchenteig automatisch geknetet und das Gemüse gegart, püriert, verrührt – ohne weitere Mühen zur Suppe verarbeitet. Und das Ganze geschieht geruchsneutral. Klingt irgendwie – perfekt.

Aber wo bleibt da die Gemütlichkeit? Plätzchen backen ohne Teig an den Händen. Pasta kochen ohne Basilikum und Knoblauch in der Luft. Risotto zubereiten ohne Anbrenn-Gefahr. So verliert Kochen doch seinen Charme!

Besonders tragisch wird es beim Besuch des Elternhauses – Entschuldigung des Eltern-Smart-Home. Statt Mutti, die das Lieblingsgericht aus alten Zeiten kocht, findet man in der neuen Digital-Küche einen Thermomix vor, der gerade Tikka-Masala mit Kokosmilch zubereitet. Das Rezept stammt übrigens aus dem „Cookidoo“, wird per „Cool-Key“ auf den Thermomix übertragen, der über eine „Guided-Cooking-Funktion“ verfügt. Schade eigentlich um den guten alten Kartoffelauflauf.

Doch man kann noch anderes im Smart-Home-Sektor entdecken. Vor ein paar Tagen wurde auf der Münchener Messe „Bau 2019“ etwa ein System vorgestellt, das Bäder mit Geräuschen und Gerüchen des Regenwalds berieselt.

Warum nicht? Das Fenster zu öffnen und sein Geschäft bei arktischen Temperaturen und dröhnendem Straßenlärm zu verrichten, wäre ja auch ungemütlich.

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