Wirbel um Preisverleihung: Zickenkrieg in Bloggersdorf

Wirbel um Preisverleihung : Zickenkrieg in Bloggersdorf

Wenn die Welt ein Dorf ist, wie ein geflügeltes Wort lautet, dann gilt das erst recht für die Welt der Blogs. Die Gemeinde der Betreiber dieser oft aufwändig gestalteten Online-Journale wird denn auch gerne „Klein-Bloggersdorf” genannt. Doch das idyllische Bild trügt: Oft weht ein rauer Wind durch die Blogosphäre. Die Unfreundlichkeiten reichen vom ätzenden Kommentar bis zur kostenbewehrten Abmahnung.

Der Anlass kann harmlos sein. So rief Eva Katharina Hinte, 23-jährige Berliner Jungunternehmerin, Anfang Mai auf ihrer neuen Frauen-Webseite Bondea.de zur Wahl der Bloggerin des Jahres auf, der „BLOGine 2007”. Anlass waren Berichte, dass in den 50 populärsten deutschen Blogs auf www.deutscheblogcharts.de die Männer praktisch unter sich sind.

Immerhin 122 von Frauen geführte Blogs stellten sich daraufhin der Wahl, darunter so fantasievolle Namen wie „Zeitrafferin”, „Draußen nur Kännchen”, „Hört auf zu hupen” und „Vorspeisenplatte”. Doch kurz nach Beginn der Abstimmung löste ein Manipulationsversuch so heftigen Streit unter Teilnehmern und Beobachtern aus, dass schließlich mehrere Nominierte ihre Kandidatur aufgaben. Auch die lange Zeit mit weitem Abstand führende Bloggerin Lanu - mit ihren Seiten Dotcomtod.de und Boocompa-ny.com seit Jahren eine feste Größe der Internetszene - zog sich am Ende zurück. In ihrem Blog http://lanu.blogger.de kommentierten sie und ihre Fans den „Zickenkrieg” mit beißendem Spott.

Nicht, dass es unter männlichen Bloggern stets friedlich zugeht. Ein viel diskutierter Höhepunkt war vor wenigen Tagen die Abmahnung des Journalisten Rainer Meyer, der unter dem Namen Don Alphonso die Seiten Blogbar.de und http://rebellmarkt.blogger.de betreibt, gegen die Zeitschrift „Vanity Fair”. Anlass war ein Blogbeitrag im Webauftritt des Magazins, den der Autor Peter Turi offenbar ohne Meyers Erlaubnis mit dessen Foto versehen hatte. Hinzu kam eine Aussage über Meyers Vermögensverhältnisse. Inzwischen ist Turis Blog auf „Vanity Fair” nicht mehr zu finden - offiziell wegen Zeitproblemen des Autors.

Nichts aber reizt Blogger mehr als ein falscher oder als falsch empfundener Medienbericht über sie selbst. Das bekam etwa „Tagesspiegel”-Redakteurin Tissy Bruns zu spüren. Seit über einer Woche schon werden Äußerungen über Blogs, die sie in einer Talkrunde des Deutschlandfunks machte, auf der Seite des Medienjournalisten Stefan Niggemeier (stefan-nigge-meier.de) von Lesern kritisiert.

Nur Einzelfälle oder neuer Trend angesichts der stetig wachsenden Zahl von Blogs? „Auf dem Dorf ist die Prügelei am Samstag nach dem Tanz nichts Verwunderliches”, sagte Lanu auf Anfrage unserer Zeitung. Das sei bei Bloggern nicht anders. „Da sind die Guten manchmal böse, und in der nächsten Woche ist es umgekehrt.”

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