Kommentar zu Musik-Streaming-Dienst: Wie Spotify mich zum Narren hält

Kommentar zu Musik-Streaming-Dienst : Wie Spotify mich zum Narren hält

Da ist er wieder – mein Mix der Woche. Eine Playlist mit insgesamt 30 Songs, die mir der Musik-Streaming-Dienst Spotify jeden Montag aufs Neue serviert. Es sind Lieder, die genau meinen Musikgeschmack treffen – so die Idee.

Leider hat das Musikportal aber in den vergangenen Wochen bis Monaten kläglich versagt. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber plötzlich scheint der Algorithmus aus dem Ruder gelaufen zu sein. Bei 80 Prozent der Lieder würde ich mein Handy am liebsten gegen die Wand werfen.

Ich weiß nicht, wann ich mir zuletzt eine CD oder ein Album gekauft habe. Stattdessen bezahle ich einen monatlichen Betrag für Spotify und kann so viel Musik hören, wie ich möchte. Und das nutze ich voll aus. Mein Tag beginnt morgens mit dem Streaming-Anbieter unter der Dusche, findet seine Fortführung während Autofahrten und endet schließlich am Abend musikalisch in meiner Küche beim Kochen.

Auf der Webseite schreibt Spotify zum Mix der Woche: „Wir müssen Deinen Musikgeschmack erst einige Wochen kennenlernen.“ Und verspricht danach eine Playlist basierend auf der Musik, die mir bereits gefällt. Spotify kennt mich schon einige Jahre. Aber im Moment klappt das mit meinem Mix der Woche so gar nicht mehr. Da taucht Bonez MC mit „Kokain“ oder „Palmen aus Plastik“ auf sowie Farid Bang, Kollegah und RAF Camora.

Ich weiß nicht, was ich zuletzt gehört haben muss, dass der Algorithmus von Spotify mich mit dieser Musik bestraft. Nichts gegen deutschen Rap und Hip Hop, aber mein Musikgeschmack ist das leider gar nicht. Und Spotify sollte das eigentlich wissen. Schließlich entsteht der Mix der Woche ja auf Grundlage von „Musik, die Dir bereits gefällt“. Und mit Armin van Buuren, Martin Garrix, Wildstylez oder Brennan Heart – das, was ich sonst so höre – haben die oben genannten Herren nichts zu tun.

Will Spotify mich eigentlich zum Narren halten? Ohne mich! Zum Glück können Lieder und Künstler, die nicht dem eigenen Musikinteresse entsprechen, mit dem Button „Gefällt mir nicht“ verbannt werden. Aber seit Monaten verbringe ich leider mehr Zeit damit, Lieder von Capital Bra und Loredana wegzuklicken, als ich Songs höre, die mir zusagen. Die einstige Vorfreude auf den Montagmorgen und den neuen Mix der Woche ist verflogen. Von 30 Songs meines Wochenmixes bleiben am Ende noch fünf oder sechs übrig.

Ich bin gespannt, wie lange Spotify noch braucht, um endlich mal wieder meinen persönlichen Geschmack zu treffen. Und bis es so weit ist, klicke ich weiter fleißig auf „Dieser Song gefällt mir nicht“ und widme mich dann aber eher meiner eigenen Playlist, die ich mir selbst zusammengestellt habe. Da weiß ich wenigstens, was mich erwartet.

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