Wie erkenne ich seriöse Onlineshops?

Vorsicht ist geboten : Wie erkenne ich seriöse Onlineshops?

In den vergangenen 10 Jahren sind Webshops wie Pilze aus dem Boden geschossen. Und es werden täglich mehr. Der Handel verlagert sich immer mehr vom stationären PoS (Point of Sale) ins Internet. Für Verbraucher ist das Bestellen bequem. Einfach Preise vergleichen, Top-Angebote raussuchen - und einfach nach Hause schicken lassen.

Leider haben auch Betrüger das Internet für sich entdeckt. Und versuchen mit Fake Shops Nutzerdaten und Geld abzugreifen. Geliefert wird nach der Bestellung und Bezahlung nichts. Für Kunden ärgerlich - und teuer. Stellt sich die Frage, ob sich solche Shops erkennen lassen und was dabei zu beachten ist.

Onlineshop ist nicht gleich Onlineshop - darauf sollte jeder achten

"Unser Leben ist viel schwerer als das unserer Vorfahren, weil wir uns so viele Dinge anschaffen müssen, die uns das Leben erleichtern." - Gabriel Laub

Heute ist die Zahl der Onlineshops riesig. Neben großen Branchenriesen haben viele Anbieter Nischen für sich entdeckt. Allein im Segment Bekleidung lag der Umsatz 2018 im Versandhandel bei 12,7 Milliarden Euro. Die Zahlen des EHI Retail Institute sind beeindruckend. Kein Wunder, dass Betrüger sich ein Stück vom Kuchen abschneiden wollen.

Impressum checken: Heute Pflicht

Der erste wichtige Hinweis ist immer das Impressum. In Deutschland gibt es eine Impressumpflicht. Jeder seriöse Shop muss die entsprechenden Daten bereithalten, wie dieser Leitfaden nebst Software zum Erstellen eines Onlineshops zeigt. Basis der Impressumpflicht ist das Telemediengesetz.

Impressum versteckt: Kein gutes Zeichen!

Wie muss das Impressum erreichbar sein? Zwar spricht das Gesetz nur von einer unmittelbaren Erreichbarkeit. In der Praxis hat sich allerdings die 2-Klick-Politik durchgesetzt. Bedeutet: Gerichte sehen es als ausreichend an, wenn das vollständige Impressum nach zwei Klicks aufgerufen ist. Wird das Impressum versteckt oder existiert erst gar nicht, sollten die Alarmglocken läuten.

Welche Infos müssen enthalten sein? Hierzu gehören:

  • Namen
  • Anschrift
  • Angaben zur Kontaktaufnahme
  • Informationen zur Zulassung
  • Umsatzsteueridentifikationsnummer.
  • Tipp: Anhand dieser Daten kann jeder Verbraucher prüfen, ob beispielsweise ein Eintrag im Handelsregister existiert o. Ä.

URL-Check: xcyvtrgfd.xyz ist keine seriöse Internetadresse

Ein zweiter Hinweis Richtung Seriosität ist die URL des Onlineshops. Seriöse Anbieter versuchen, einprägsame und produktrelevante URLs zu nutzen. Dies hat einerseits Vorteile in Bezug auf den Wiedererkennungswert und kann die Optimierung der Shopsite einfacher machen. Wilde Zahlen- und Buchstabenkombinationen sollten skeptisch machen.

Das Auge shoppt mit: Merkwürdigkeiten als Warnsystem verstehen!

Gleiches gilt für die Aufmachung des Webshops. Manchmal füllt sich der Betrachter einfach an ein bekanntes Shop-Design erinnert. URL und Shop wollen aber nicht so richtig zusammenpassen. Hier kann es sich um den Versuch handeln, mithilfe eines fingierten Shops Nutzerdaten abzugreifen. Diese Form des "Mirroring" ist eine bekannte Betrugsmasche. Hier ist also Aufpassen angesagt!

Erfahrungen einbeziehen: Fremder Mund tut Wahrheit kund

Es gibt Momente, in denen sich einfach das Bauchgefühl zu Wort meldet. Ein besonders tolles Schnäppchen will aber doch niemand links liegen lassen, oder? Sobald sich Verbraucher nicht ganz sicher sind, ob ein Shop wirklich seriös ist, können die Erfahrungen anderer Kunden weiterhelfen.

Spätestens, wenn die ersten Produkte bezahlt werden und nicht ankommen, melden sich Betroffene in Foren oder Bewertungsplattformen zu Wort. Aber auch ein besonders guter Service oder extrem schneller Versand lassen sich immer wieder aus den Bewertungen herauslesen.

Grundsätzlich ist es - sobald in einem Webshop zum ersten Mal bestellt wird - nicht verkehrt, sich mit den Erfahrungen anderer Verbraucher auseinanderzusetzen. Hier wird meist sehr schnell klar, ob die Bestellung abgeschickt wird oder nicht. Heute gibt es viele Plattformen, auf denen Bewertungen abgegeben werden können.

Hier einige Beispiele:

  • Trusted Shops: Ein großer und bekannter Dienstleister aus Köln. Shops können sich dort bewerben und werden vorher geprüft. Danach sind Bewertungen durch Kunden möglich.
  • Google My Business: Haben sich Shops bei Google My Business und dem Kundenrezensionsprogramm angemeldet, erhalten diese entsprechende Bewertungen. Diese erscheinen immer dann, wenn das Unternehmen in den Suchergebnissen gefunden wird.
  • Trustpilot: Trustpoilot ist ebenfalls ein bekannter Anbieter und funktioniert ganz ähnliche wie Trusted Shops. Auch hier können die Nutzer einen Shop bis einem bis fünf Sternen bewerten und zusätzlich eine Erklärung hinterlassen.

Auch Fairness gehört zur Seriosität: Konditionen checken

Seriosität hat viele Gesichter. Impressum und gute Nutzererfahrungen sind eine Sache. Es kommt auch darauf an, wie fair die Versandkonditionen sind oder wie schnell ein Mitarbeiter aus dem Support erreichbar ist. Gerade, wenn ein Artikel defekt ist, erwarten Verbraucher schließlich schnelle Hilfe.

Du willst mein Geld? Aber wie?

Der Versandhandel hat anfangs vor gewaltigen Problemen gestanden. Eine Herausforderung waren die verfügbaren Zahlungsmethoden. Überweisung - sprich Vorkasse - bedeutet für den Verbraucher ein gewisses Risiko. Wer an Betrüger gerät, hat meist Pech gehabt. Kauf auf Rechnung verlagerte das Risiko zum Händler.

Seit erste E-Wallets wie PayPal in den Markt eingetreten sind, nutzen viele Käufer diese Option. Der Vorteil: Die Ware ist schnell bezahlt und kann vom Händler in den Versand gegeben werden. Und diverse Wallets bieten inzwischen einen Käuferschutz. Wird Ware nicht geliefert, gibt es eine Erstattung.

Tipp: Sind nur Zahlungsmöglichkeiten ohne Käuferschutz o. Ä verfügbar, sollte der Shop mit einer gewissen Skepsis behandelt werden. Seriöse Anbieter versuchen in der Regel, Kunden eine breite Palette an Zahlungsmöglichkeiten zu bieten.

Wann kommt denn das Paket? Die Lieferbedingungen

Wichtiges Thema ist die Lieferung. Soll es schnell gehen, ist Expressversand extrem wichtig. Viele Verbraucher nutzen den Standardversand, erwarten aber dennoch die Lieferung innerhalb von 2 - 3 Werktagen. Sollte es länger als eine Woche dauern, schnell das Frustlevel nach oben. Wer die Expressoption bezahlt hat, ist dann zurecht sauer.

Ebenfalls zu betrachten sind die Versandkosten. Je nach Produktgruppe gibt es oft zwischen 50 Euro bis 100 Euro Warenwert einen Erlass der Versandkosten. Aber: Darauf verlassen sollte sich niemand. Gerade kleiner Shops können es sich schlicht nicht leisten, ständig die Versandkosten selbst zu stemmen. Was allerdings gar nicht geht, sind vollkommen überzogen Versandgebühren.

Support: Fix oder lange Leitung

Es kann immer wieder Probleme geben. Mal kommt ein Paket nicht an, Ware wird falsch geliefert - oder kommt defekt aus der Verpackung. Der Support ist im Versandhandel ein wichtiger Aspekt, an dem sich jeder Webshop messen lassen muss. Leider gibt es hier sehr große Unterschiede. Ein Teil der Shops verhält sich vorbildlich.

Andere Webshops schlagen dagegen über die Stränge. Lange Wartezeiten auf eine Rückmeldung oder pampige Antworten - alles wenig professionell. Was dagegen gar nicht geht: Ein Support, der überhaupt erreichbar ist. Hier schrillen die Alarmglocken förmlich.

Tipp: Um dem Kundendienst auf den Zahn zu fühlen, lässt sich der Support mit einem Testanruf vor der ersten Bestellung testen.

Unseriöse Shops werden professioneller

Die Umsatzzahlen im Versandhandel steigen immer noch rasant. Damit wächst auch die Gefahr, an eine Fake Shop zu geraten. Letztere werden zudem immer professioneller. Umso wichtiger ist es, diese Shops zu erkennen. Einige Merkmale fallen sehr schnell auf. Dazu gehört beispielsweise ein fehlendes oder merkwürdiges Impressum sowie eine unseriöse URL. Für andere müssen Verbraucher genauer hinschauen.

Als Neukunde nie per Vorkasse zahlen!

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eines nie tun: Waren in den Shops per Vorkasse zahlen. Wallets mit Käuferschutz oder Kauf auf Rechnung sind zwei Alternativen, die einfach mehr Sicherheit geben. Wer die zentralen Punkte beachtet, kann sein Online-Shopping-Erlebnis am Ende tatsächlich als positiv verbuchen.

(vo)
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