1. Digital

Köln/München: Wenn sich nichts mehr tut: Erste Hilfe bei Windows-Abstürzen

Köln/München : Wenn sich nichts mehr tut: Erste Hilfe bei Windows-Abstürzen

Am besten ist es, wenn die Lösung schon vor dem Problem existiert: Es soll ja vorkommen, dass Windows abstürzt - da ist es von Vorteil, wenn der Nutzer weiß, wo der Rettungsanker liegt. Lassen sich Windows XP oder Vista einmal nicht mehr starten, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, das System oder zumindest die wichtigsten Daten trotzdem noch zu retten.

Zunächst müsse der Nutzer herausfinden, ob es sich um einen Hardware- oder einen Softwarefehler handelt, sagt Wolfgang Lentges, der an der Volkshochschule Köln Computerkurse gibt. „Wenn es beim Starten des Rechners piept, liegt ein Problem mit der Hardware vor.” Das könne etwa passieren, wenn zuvor etwas an der Konfiguration des Rechners verändert wurde. Als Beispiel führt Lentges AGP- und PCI-express-Grafikarten an: „Wenn die in ihrem Steckplatz nur um einen Millimeter verkehrt stecken, kann es zu Schwierigkeiten kommen.”

Bei einem Problem mit der Hardware innerhalb der Garantie- oder Gewährleistungszeit wird der Rechner am besten zum zuständigen Händler oder Hersteller gebracht. Wer selbst Änderungen oder Reparaturen vornimmt, riskiert, dass Garantie und Gewährleistung verfallen. Den Kontakt zum Hersteller zu suchen, kann sich laut Microsoft-Sprecherin Irene Nadler schon deshalb lohnen, weil dieser oft Anleitungen für die Problemlösung anbietet.

Ist die Hardware nicht das Problem, sollte der erste Griff beim Hochfahren des Rechners, also beim Boot-Vorgang, der F8-Taste gelten. Dadurch werden die verschiedenen Boot-Optionen aufgerufen. Eine davon startet das Betriebssystem im „abgesicherten Modus”. In diesem nutzt es einfachste grafische Einstellungen. Das ist Erfolg versprechend, denn ein großer Teil der Boot-Probleme ist auf Schwierigkeiten mit dem Grafikkartentreiber zurückzuführen. Hat das Starten im abgesicherten Modus funktioniert, kann der Nutzer das Problem lösen, indem er eine stabile Fassung des Treibers installiert.

Klappt es mit dem abgesicherten Modus nicht, muss die Windows-Setup-CD her. Mit den Wiederherstellungsfunktionen auf der CD von Windows XP dürften die meisten Nutzer aber überfordert sein, sagt Hermann Apfelböck von der in München erscheinenden Zeitschrift „PC-Welt”. Er rät daher zur Reparatur-Installation, die ebenfalls von der Setup-CD angeboten wird. Dabei wird das System neu installiert, aber die gespeicherten Dateien wie Fotos oder Texte bleiben erhalten. Der Nachteil liegt darin, dass alle bisher vorgenommenen Updates verloren gehen und erneut eingespielt werden müssen.

In dieser Hinsicht bietet Windows Vista mehr Komfort: Über die Setup-CD kann auf die so genannten Systemwiederherstellungspunkte zugegriffen werden. „Das ist so, als würden Sie das direkt im laufenden System machen”, sagt Apfelböck. Sowohl XP als auch Vista speichern regelmäßig Informationen über das System. So kann im Falle eines Problems ein früherer, einwandfreier Zustand wiederhergestellt werden.

Allerdings liegen vielen PCs, die mit vorinstalliertem Windows gekauft werden, gar keine Setup-CDs von Microsoft bei. Meist habe der Kunde nur eine so genannte Recovery-CD des PC-Herstellers zur Hand, erklärt Wolfgang Lentges. Und was darauf an Rettungsankern enthalten ist, hängt vom jeweiligen Hersteller ab.

Eine andere Möglichkeit, Windows XP wieder flott zu machen, heißt Bart PE. Dabei handle es sich um eine Art kostenloses Mini-Windows, sagt Hermann Apfelböck. Das vom niederländischen Programmierer Bart Lagerweij entwickelte Werkzeug erstellt auf der Grundlage einer Windows-XP-SP2-Installations-CD eine Boot-CD. Diese ermöglicht den Zugriff auf jedes Windows-System - auch ohne Passwort. Auf der sicheren Seite ist, wer die Boot-CD vorsorglich erstellt.

Bart PE funktioniert aber nicht bei allen Rechnern: Es liest und schreibt nur auf so genannten FAT- und NTFS-Partitionen. Läuft es, kann der Nutzer unter Bart PE weitere Programme starten, die ihm bei der Reparatur des eigentlichen Betriebssystems helfen. Für Vista gibt es das Microsoft-eigene Windows PE 2.0.

Um Daten zu retten, ist laut Lentges auch das kostenpflichtige Programm „True Image” von Acronis geeignet. Eine andere Möglichkeit ist Knoppix-Linux, das unter www.knopper.net gratis zu haben ist. Nach dem Download wird es als „Iso-Image” auf eine CD gebrannt. Das Linux-System startet direkt von der CD, muss also nicht installiert werden. Da es sowohl die Windows-Formate FAT32 als auch NTFS lesen und beschreiben kann, können die auf dem Rechner unter Windows gespeicherten Daten mit Knoppix gerettet werden.

Die garantierte Datenrettung gibt es allerdings nicht. Deshalb sollte jeder Nutzer dem kompletten Verlust seiner digitalen Habe vorbeugen, wie Irene Nadler von Microsoft rät: „Wichtig ist, dass PC-Besitzer regelmäßig Daten-Backups anlegen.”