Digitalkolumne: Smart-City als Zukunftsmodell?

Digitalkolumne : Smart-City als Zukunftsmodell?

Nur noch anderthalb Wochen bis Weihnachten, und das bedeutet: Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt in der Region ist Pflicht. Die stolze Verkündung „Die nächste Runde Glühwein geht auf mich“ wird allerdings schnell zur Herausforderung.

Um zum Glühweinstand durchzudringen, braucht es gut einstudierte Ellbogen- und Schubstaktiken, und in der Schlange davor ist aktives Anstehen unabdingbar. Endlich vorne angekommen und den Glühwein schon in greifbarer Nähe, kommt dann der Schreck: Vor lauter Trubel war keine Zeit mehr für einen Abstecher zum Geldautomaten, und das Portemonnaie enthält nichts außer der EC-Karte. Kurzes panisches Wühlen in der Geldbörse, dann ein entschuldigender Blick zur Verkäuferin – ohne Bargeld gibt es erstmal keinen Glühwein.

Hätte sich selbige Situation in Ahaus im Münsterland abgespielt, hätte das Ganze wahrscheinlich anders ausgesehen. Dann hätte da neben der EC-Karte auch noch die sogenannte Tobit-Karte gesteckt, mit der der Glühwein bargeldlos bezahlt gewesen wäre. Seit Jahren testet der Software-Unternehmer Tobias Groten mit seiner Firma „Tobit“, wie weit sich eine Stadt digitalisieren lässt.

Wichtigstes Hilfsmittel dabei: das Smartphone. Ohne das geht zum Beispiel in Grotens Nachtclub „Next“ nichts: Bezahlen, Organisation des Personals und sogar das Auf- und Abschließen des Gebäudes funktioniert sind nur über eine App. Auch hoch im Kurs: das per App gesteuerte „Smartel“ – ein Hotel, das mit dem Spruch „Dein Smartphone als Schlüssel für alles“ wirbt. Dass dabei auch die Glühweinbude in Ahaus sich dem Smart-City-Konzept nicht entziehen kann, liegt auf der Hand.

Auch Apple versucht sich auf diesem Markt zu behaupten. Mit „Apple Pay“ soll mobiles Zahlen massentauglich werden. Bleibt allerdings noch die Frage offen, was das für die ältere Generation bedeutet. Die sind oft nicht so mit dem Handy verwachsen, wie die Jüngeren. Oder was ist, wenn das Smartphone aus versehen einfach mal zu Hause liegen bleibt und nicht greifbar ist?

Mehr von Aachener Nachrichten