Die digitale Welt: Schöne neue Streaming-Welt

Die digitale Welt : Schöne neue Streaming-Welt

Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, in denen sich die Familie mit Beginn der Tagesschau vor dem einzigen Fernsehgerät im Haus versammelte? Wie jemand zur Fernsehzeitung griff und auf der Couch heftig diskutiert wurde, welches Programm um 20.15 Uhr eingeschaltet werden sollte? 20.15 Uhr – das war damals eine magische Uhrzeit.

Heute ist sie nur noch halb so magisch. Die Tagesschau läuft im Internet rund um die Uhr und Streaming-Dienste bieten eine unerschöpfliche Auswahl an Filmen, Serien und Dokumentationen, die jederzeit angesehen werden können.

Die dauerhafte Verfügbarkeit macht die Streitigkeiten um das (abendliche) Fernsehprogramm eigentlich obsolet. Wenn Mama Star Trek sehen möchte, Papa den Schweden-Krimi und Töchterchen den Teeniefilm, dann kann entweder ein Plan entworfen werden, was wann geschaut wird oder es können verschiedene Endgeräte, vom Smartphone bis zum Smart-TV, genutzt werden.

Dem Konsumenten sind keine Grenzen gesetzt, denn zusätzlich zum „Immer“ gibt es auch ein „Überall.“ Die meisten Dienste verfügen mittlerweile über eine Download-Funktion, der Nutzer kann also Filme oder Serienepisoden herunterladen und abspielen, auch wenn er offline ist. Das ist großartig – zumindest meistens. Ob im Wald, im Flugzeug oder auf dem Klo, das ganz persönliche Fernsehprogramm ist immer dabei.

Doch das kann auch Nachteile für andere Menschen bringen: Neulich saß in einem Aachener Bus ein Schüler, ungefähr 15 Jahre alt, und schaute auf seinem Handy eine Seifenoper. Ohne Kopfhörer, versteht sich. Dadurch wurden alle Passagiere „mitunterhalten“.

An den Gesichtern war abzulesen, dass die Begeisterung sich in Grenzen hielt. Da fragt sich dann auch der eingefleischte Streaming-Fan, ob das „Immer-und-Überall“ nicht seine Grenzen haben sollte. Dem Jungen ist anzuraten, das nächste Mal doch Kopfhörer zu nutzen. Oder den Fernsehkonsum wieder auf den Abend zu verlegen.

Mehr von Aachener Nachrichten