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Bielefeld: Sabine Woelke nimmt Software-Handbüchern den Schrecken

Bielefeld : Sabine Woelke nimmt Software-Handbüchern den Schrecken

Bedienungsanleitungen sind oft ein Gräuel. Viele nehmen sie nur widerwillig in die Hand, blättern auf der Suche nach der Lösung die Seiten durch, nur um festzustellen, dass sie nach den ersten vier Sätzen nur noch Bahnhof verstehen.

Sabine Woelke, Mutter von zwei Mädchen, schafft da Abhilfe. Sie schreibt verständliche Bedienungsanleitungen für Software. „Hilfe da zur Verfügung zu stellen, wo sie gebraucht wird - klingt eigentlich ganz einfach, ist aber gerade deshalb ausgesprochen anspruchsvoll”, weiß die selbstständige Diplom-Ingenieurin.

Seit sieben Jahren erstellt die 45-jährige Bielefelderin Softwaredokumentationen - und arbeitet in einem Bereich, in dem Frauen eher unterrepräsentiert sind. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung waren im Jahr 2005 knapp 96.000 Beschäftigte im IT-Bereich in NRW tätig, nur 18,3 Prozent davon waren Frauen.

Konzentriert, den Blick auf den Fragenden gerichtet, darum bemüht, komplizierte Sachverhalte klar auszudrücken, berichtet Sabine Woelke von ihrer Arbeit. „Viele haben einen Heidenrespekt vor Software, selbst wenn sie tagtäglich damit umgehen. Ich hole den Nutzer dort ab, wo er sich befindet, nehme ihn quasi an die Hand und führe ihn bis ans Ziel.”

Komplizierte Software sieht sie als Herausforderung. Zwei Jahre lang entwickelte Sabine Woelke selbst Software, dann wechselte sie in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit, wo sie lernte, wichtige Informationen kompakt „rüberzubringen”. Beschlagen auf zwei Gebieten nutzt die Bielefelderin nun ihr Wissen, um anderen Software näher zu bringen.

Dass namhafte Firmen den Wert von Dokumentationen längst erkannt haben, kommt nicht von ungefähr. „Sich bei externen Hotlines durchfragen zu müssen, ist mühsam, kostet Zeit und bringt selten den gewünschten Erfolg. Langfristig effizienter ist es, spezielle firmeneigene Dokumentationen erstellen zu lassen”, sagt Sabine Woelke.

Ein Beispiel: Ein Hersteller von Nutzfahrzeugen will die Telefonate mit Lieferanten reduzieren, vor allem, weil es immer wieder um dieselben Fragen geht. Eine neue Software soll die Abläufe optimieren. Lieferanten erkennen nun auf den ersten Blick, welches Produkt im Augenblick in welchem Umfang benötigt wird und was der Hersteller bereit ist, maximal dafür zu zahlen. Der Lieferant gibt ein Angebot ab, die Firma entscheidet, ob sie es annimmt und erteilt den Auftrag. Anders als früher, sind keine klärenden Anrufe mehr nötig. Loggt sich ein Lieferant ein, sorgt das elektronische Betriebshandbuch dafür, dass er durch das System geführt wird - dank Sabine Woelke.

Ein anderer Bereich, in dem Softwaredokumentationen eingesetzt werden, sind Schulungen vieler Mitarbeiter. Wie loggt sich der Mitarbeiter ein, welche Aktionen muss er wie durchführen oder was muss er tun, wenn er zum Beispiel eine Rechnung schreiben will? Fragen, die alle betreffen und die standardmäßig beantwortet werden können. „Bewährt hat sich hier ein Schulungsvideo”, erläutert Sabine Woelke.

Schwieriger wird es, wenn sich ein Anwender mitten im Programm befindet und dann nicht mehr weiter weiß. Sabine Woelke hat für diesen Fall so genannte Context-Sensitive-Online-Hilfen eingerichtet. „Klingt schwierig, ist aber ganz einfach”, versichert die Dokumentations-Fachfrau. Der Anwender klickt bei Bedarf ein Feld an und erfragt Punkt für Punkt, was er tun muss, um die gewünschte Aktion auszuführen.

Sabine Woelke sagt: „Software hat nun wirklich nichts mit Hexerei, sondern mit Logik zu tun. Die mit klaren Worten auch für Laien verständlich zu machen, erfordert lediglich die Erkenntnis, dass eine detaillierte Bedienungsanleitung nötig ist.”