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Düren: Ryan Hood und seine Online-Rebellen

Düren : Ryan Hood und seine Online-Rebellen

Der Sherwood Forest des Internets liegt mitten in einem Dürener Gewerbegebiet. Das frisch bezogene Büro „Im Großen Tal” ist bis auf die massiven Schreibtische, auf denen schicke kleine Designercomputer schnurren, noch leer.

Über den Teppich spannt sich der provisorische Draht zur Welt in Form einer DSL-Leitung.

Von hier aus starten Ryan Hood (27) und seine Gefährten Markus Boltersdorf (25) und Sonja Czyron (22) ihre Streifzüge im Internet, die sie - hinter dem Giganten Ebay - zur Nummer 2 der deutschen Online-Auktionen gemacht haben.

Unter http://www.hood.de betreibt das Team, zu dem noch Programmierer Stefan Knörk (38) gehört, eine florierende virtuelle Tauschbörse mit enormem Nutzerzuwachs. Binnen Monaten hat sich die Zahl der Besucher und Seitenabrufe verfünffacht.

Für Verkäufer kostenlos

Clou und großer Vorteil gegenüber dem „Big Brother” Ebay: Bei hood.de muss der Anbieter für das Einstellen und Verkaufen seiner Artikel keine Gebühren zahlen.

Statt dessen finanziert sich die Website über Werbebanner und Marktforschungsdaten für Unternehmen, die die Beliebtheit ihrer Produkte vergleichen wollen. Auch die selbst geschriebene Software können andere Auktionshäuser lizensieren.

Damit ist Hood.de - das im Logo natürlich den Meisterbogenschützen und Rächer der Enterbten aus dem Sherwood Forest führt - eine Zuflucht für all jene, denen beim immer gierigeren Marktführer Ebay am Ende zu wenig in der Kasse bleibt.

„Gerade bei kleineren Beträgen wie CDs, Büchern oder DVDs fressen die Gebühren bei der Konkurrenz die Marge auf”, erklärt der Halb-Amerikaner Ryan Hood. „Das Gleiche gilt für viele niedrigpreisige Sammler- und Liebhaberstücke, für die sich eine kostenpflichtige Auktion einfach nicht lohnt.”

Es sind eben die „klassischen Flohmarkt-Artikel”, die bei www.hood. de den Besitzer wechseln. „Wir hatten etwa eine Kundin, die hat im Laufe der Zeit bei uns mehr als 4000 Second-Hand-Kleidungsstücke verkauft”, erzählt Hood.

Der Startschuss für die florierende Online-Tauschbörse fiel im Jahre 2000. Seitdem ist die komplett selbst programmierte Auktions-Plattform kontinuierlich gewachsen und hat, wie Ryan Hood nicht ohne Stolz vermerkt, ohne fremdes Risiko-Kapital die Dot-Com-Krise und damit die meisten Konkurrenten überlebt. „Das war nur möglich, weil wir viel Zeit und nur eigenes Geld investiert haben.”

Der Erfolg gibt den Dürenern Recht: Immer mehr Ebay-Flüchtlinge bieten ihre Waren auf www.hood.de an. Inzwischen sind rund 900.000 Artikel online, knapp 500.000 Nutzer im System registriert.

Auch die Medien sind inzwischen auf die Rebellen aus dem Großen Tal aufmerksam geworden. Der „Focus” machte mit Ryan Hood seinen Bericht über Alternativen zu Ebay auf. Erst vor kurzem hatten die Dürener ein Fernsehteam von RTL II im Haus.

Frisches Design

Für die Zukunft haben sich die vier Online-Rebellen aus dem Dürener Gewerbegebiet vorgenommen, dem übermächtigen Konkurrenten weitere Marktanteile abzunehmen.

„Wir gehen denen ganz schön auf den Geist”, lacht Hood, der auch schon mal ein halbes Dutzend von Ebay-Anwälten an der Strippe hat, wenn sich der Riese auf den Fuß getreten fühlt.

„Als kleines Team, das alles selbst macht, sind wir eben sehr viel flexibler als der schwerfällige Online-Riese.”

So haben die Dürener schon die nächsten Verbesserungen im Köcher: In einigen Wochen werden sich www. hood.de und die Schwester-Site www.halb.de mit neuen Funktionen und frischem Design runderneuert im Web präsentieren.