Frankfurt/Main: Ruhiger und sparsamer: Notebooks mit Flash-Speicher

Frankfurt/Main : Ruhiger und sparsamer: Notebooks mit Flash-Speicher

Das könnte der Anfang vom Ende der Festplatte sein: Als erster Hersteller hat Dell Mitte Mai Notebooks in den Handel gebracht, die Daten nicht auf einer Festplatte, sondern auf einem so genannten Flash-Speicher ablegen.

Andere Anbieter werden in diesem Jahr ebenfalls auf die Solid State Disk (SSD) genannte Technologie setzen. Für den Nutzer hat das grundsätzliche Vorteile. Die herkömmliche Festplatte (HDD) ist ein so genannter ferro-magnetischer Speicher: Um Daten aufzuzeichnen, werden die Oberflächen spezieller Metallplatten mit Hilfe eines Schreib- und Lesekopfes magnetisiert. Die SSD ist dagegen ein rein digitaler Speicher.

Der grundliegende Unterschied zwischen SSD sowie anderen Flash-Speichern und HDD sei, dass für die Flash-Technologie keine mechanischen Teile nötig sind, erklärt Christoph Kaub, Produktmarketing-Manager bei Dell in Frankfurt. Der Verzicht auf die Mechanik ist ein wichtiger Grund dafür, warum Flash-Speicher länger schon in mobilen Geräten wie MP3-Spielern oder Handys eingesetzt werden.

So seien SSDs wie andere Flash-Speicher unempfindlich gegen Stöße, sagt Jörg Wirtgen von der in Hannover erscheinenden Zeitschrift „c´t”. „Wenn das Notebook zum Beispiel herunterfällt, bleiben die Daten mit viel größerer Sicherheit unbeschädigt.” Ein weiterer Vorteil von SSDs ist Christoph Kaub zufolge, dass sie keinen Krach machen, auch die Wärmeentwicklung sei geringer. Außerdem sei zu erwarten, dass sie beim Stromverbrauch sparsamer sind als Festplatten. Allerdings gehen selbst Hersteller von nicht mehr als ein paar Prozent zusätzlicher Laufzeit aus.

Viel wichtiger ist der Tempo-Zuwachs: „SSD-Speicher dürften um einiges schneller sein als normale Notebook-Platten”, sagt Wirtgen. Vor allem das Zusammensuchen mehrerer kleiner Dateien werde wohl spürbar schneller gehen. Dell bietet derzeit Flash-Speicher mit 32 und 64 Gigabyte an. Im Vergleich zu Festplatten ist das wenig. Es handelt sich hier aber nicht um physikalische Grenzen: Die Produktion der SSDs ist einfach derzeit noch teurer. „Die Kosten sind deutlich höher als bei einem vergleichbarem Notebook mit herkömmlicher Festplatte”, sagt Christoph Kaub.

Für den Verbraucher heißt das: Er muss mit ein paar Hundert Euro mehr rechnen. „Wir hoffen, die Preise bis Ende dieses Jahres oder Anfang 2008 deutlich senken zu können.” Bis dahin wollen auch andere Hersteller Notebooks mit SSD auf den Markt bringen. Fujitsu Siemens etwa wird dies nach eigenen Angaben im Sommer tun. Dann wird das Lifebook Q - ein Business-Modell - mit dem Flash-Speicher in den Handel kommen. Auch Samsung bringt nach eigenen Angaben Geräte mit SSD heraus. Ob Flash-Speicher bald auch im Desktop-PC zum Einsatz kommen werden, ist fraglich.

Zu günstig sind dafür HDD und Arbeitsspeicher - beziehungsweise sie bieten für weniger Geld deutlich mehr Kapazität. „Ich denke, die Preise für herkömmliche Platten werden weiter sinken, so dass SSD es in naher Zukunft noch schwer haben wird, sich im Desktop-Rechner durchzusetzen”, sagt Kaub.

Flash-Speicher arbeiten in Computern aber nicht nur in Form der SSD: Intel bietet eine Ausführung an, die die Festplatte nicht ersetzt, sondern sie unterstützt. Die Robson oder Turbo-Memory-Cache genannte Technologie besteht aus einem 512 Megabyte (MB) oder 1 Gigabyte (GB) großen, nicht flüchtigen Speicher. Dieser merke sich, welche Programme der Nutzer besonders oft verwendet und behalte Teile davon im Speicher, erklärt Intel-Sprecher Hans-Jürgen Werner in München. So könne der Start der Programme beschleunigt werden. Zudem arbeiten sie schneller.

Der Nachteil von Turbo-Memory ist, dass es nur unter Windows Vista läuft, es lässt sich also auch nicht für ältere PCs nachrüsten. Intel will den Turbo bald auch für Desktop-Rechner anbieten, dann mit 2 oder 4 Gigabyte Speicher. Unabhängige Experten wie Jörg Wirtgen von der „c´t” können noch nicht viel zu der Technik sagen: Ausführliche Tests stehen noch aus. „Möglicherweise bringt das in wenigen speziellen Fällen etwas, aber wir befürchten, dass sich Robson derzeit nicht lohnt”, sagt Wirtgen.

Das Robson-Modul müsse wohl eine größere Kapazität als der Hauptspeicher haben. Und bis 2 GB sei es einfach billiger, sich Hauptspeicher zu kaufen. Dass es Robson bisher nur bis 1 GB gibt, schränke den Nutzen erheblich ein. Die Zukunft sieht Wirtgen eher in so genannten Hybrid-Festplatten. Das sind herkömmliche Festplatten mit einem Turbo-Memory-Modul. „Die könnten interessant werden, wenn die Flash-Puffer groß genug sind.” Die Platte, die es seit einem halben Jahrhundert gibt, wird also noch nicht aufs Altenteil geschickt - sie bekommt nur einen jungen Gehilfen zur Seite gestellt.

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