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San Francisco/Berlin: Raus aus dem Haus: Erste Eindrücke von Sims 3

San Francisco/Berlin : Raus aus dem Haus: Erste Eindrücke von Sims 3

Nur eine kleine Tafel weist auf die Firma hin, die für die wohl erfolgreichste Computerspielreihe aller Zeiten zuständig ist. Hier, in einem Industriepark inmitten akribisch gepflegter Gartenanlagen im kalifornischen San Francisco residiert Electronic Arts (EA) - und hier entstehen „Die Sims”.

Derzeit werkeln die Programmierer hinter verschlossenen Türen an Teil drei der Serie, der 2009 erscheinen soll. Jetzt hat EA erstmals einen Ausblick auf das Spiel gegeben.

Der Raum verdunkelt sich, und Nancy Smith, Hauptverantwortliche für „Die Sims”, betritt die Bühne. Wenig bescheiden spricht sie von den fast 100 Millionen bisher verkauften Spielen und der Faszination des virtuellen Lebens - nicht zuletzt bei der weiblichen Zielgruppe, auf die es so ziemlich jeder Publisher ganz besonders abgesehen hat. „Die Menschen fühlen sich in der Welt der Sims wohl, weil sie ihr eigenes Leben spielen können - oder eines, das sie sich erträumen.”

Aber längst nicht alle Fans waren bisher wunschlos glücklich: „Am liebsten wäre es mir, wenn ich noch mehr individuell verändern könnte und dafür nicht ein 3D-Designer-Kurs an der Volkshochschule belegen müsste”, schreibt zum Beispiel die Studentin Nadja Beierle in einem „Sims”-Internetforum.

Es scheint, als hätten die Entwickler Sätze wie diesen zuletzt häufiger gehört: „Wir haben uns sehr genau mit den Wünschen der Community auseinandergesetzt”, erläutert der Produzent Ben Bell. „Wir haben lange am Editor gearbeitet - nun ist es möglich, den eigenen Sim tatsächlich so aussehen zu lassen, wie man es sich vorstellt.”

Dabei herausgekommen ist ein neues „Erstelle einen Sim”-Werkzeug: Ben Bell schiebt Regler hin und her und verändert dadurch Haar- und Hautfarben, macht Figuren dicker und dünner. Darüber hinaus lassen sich den Figuren jetzt fünf spezifische Charakterzüge zuweisen. Wer will, kann zum Beispiel eine neugierige, griesgrämige und kleptomanisch veranlagte Oma steuern.

„Das sieht zwar alles sehr gut aus, aber Grafik veraltet schnell”, sagt Daniel Matschijewsky. Grundsätzlich erwarte er, dass für den jüngsten Teil der Reihe „Bestehendes sinnvoll ausgebaut wird”, sagt der Redakteur der in München erscheinenden Zeitschrift „Gamestar”. „Die Sims völlig umzukrempeln, ergibt keinen Sinn, da das Spiel seit Jahren sehr gut funktioniert.”

Eine deutliche Veränderung wird es allerdings offenbar geben: „Das Problem bisher war, dass man mit der Spielfigur im Mikrokosmos Haus lebte”, sagt Bell. Alles, was ein Leben sonst so ausmacht - soziale Kontakte etwa -, fand einfach nur statt. Richtig daran teilnehmen konnte der Spieler aber nicht. „Jetzt haben wir eine offene Welt geschaffen, in der das eigene Haus nur einen Teil darstellt.”

Bell meint damit eine ganze Stadt, die belebt und besiedelt ist. Die Figuren sollen dort zum Beispiel mit Freunden auf Shoppingtour gehen oder sich zum Mittagessen treffen können. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, Verwandte zu besuchen oder auch ihre Nachbarn auszuspionieren, wenn ihnen danach ist.

„Die offene Welt ist die beste Neuerung, die es in Die Sims 3 geschafft hat”, sagt Daniel Matschijewsky. Ihre Häuser verlassen konnten die Sims zwar auch in den bisherigen Folgen schon. Aber die Bewegungsfreiheit war auf kleine Abschnitte in der Nachbarschaft begrenzt. „Die haben einen - zusätzlich zu ständigen Ladezeiten - immer wieder aus dem Spiel gerissen und viel Atmosphäre gekostet.”

Ein zentrales Element der „Sims” wird trotzdem das Gestalten der eigenen vier Wände bleiben - mit dem Wunsch-Fußboden, speziellen Tapeten oder plüschigen Sofas. Auch das scheint den Wünschen von Fans entgegenzukommen: „Sims wird schnell zur Arbeit”, sagt Nadine Beierle - der Spieler müsse seine Figur Essen kochen und sich am besten gleichzeitig um die Karriere kümmern lassen.

„Ich spiele, damit ich ein Haus einrichten und den Style meiner Figur ändern kann - alles andere nervt irgendwann.” Deshalb dürfte sie sich auch über ein Detail freuen, das „Die Sims 3” bringen wird: Die Figuren können künftig selbstständig auf die Toilette gehen.