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Berlin: Online-Sucht frühzeitig erkennen und behandeln

Berlin : Online-Sucht frühzeitig erkennen und behandeln

Können Menschen ihr Verlangen nach dem Internet nicht mehr kontrollieren, sollten sie frühzeitig psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Sonst drohen erhebliche Auswirkungen auf das soziale Umfeld.

So warnt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. „Viele Betroffene verlieren zunehmend das Interesse an Familie und Freunden und vernachlässigen ihre Arbeit, um sich mit Unbekannten über E-Mail, in Chats, Foren und Blogs zu unterhalten”, erklärt Prof. Karl F. Mann, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie ist.

„Menschen mit einer Internet-Sucht richten oftmals ihren gesamten Tagesablauf so ein, dass sie möglichst viel Zeit online verbringen können und werden unruhig, wenn sie davon abgehalten werden.” Neben der Online-Kommunikation haben auch Spiele und pornografische Inhalte im Internet ein erhebliches Suchtpotenzial. „Gemeinsam ist allen Formen der Online-Sucht, dass sich die Betroffenen immer stärker aus dem realen Leben zurückziehen, um ihre Wünsche und Träume im Internet auszuleben”, sagt Prof. Mann.

Oftmals verbergen sich hinter einer Online-Sucht Depressionen, Identitätsprobleme und Angststörungen. „Das Internet ist für viele Betroffene ein Weg, um vor Enttäuschungen und Problemen in eine Scheinwelt zu fliehen und sich von negativen Gefühlen abzulenken”, erläutert Prof. Mann. Wenn Betroffene in der realen Welt nicht mehr über ihre Bedürfnisse sprechen und das soziale Umfeld allmählich zusammenbricht, kann die Online-Sucht zu einem Teufelskreis werden.

„Betroffene und Angehörige sollten daher nicht zögern, einen Psychotherapeuten aufzusuchen”, rät Prof. Mann. Eine gezielte Psychotherapie stärke das Selbstbewusstsein. „Der Patient erlernt Strategien, wie er seine Bedürfnisse im wirklichen Leben umsetzen kann.” Laut DGPPN leidet ein Prozent der Internet-Benutzer unter einer Online-Sucht. Zehn Prozent seien gefährdet, eine solche Abhängigkeit zu entwickeln. Ein besonders hohes Risiko hätten Jugendliche unter 20 Jahren, Singles und Menschen über 50 Jahren.