Berlin/Bochum: Nackenkissen und Tastaturpuzzle: Tipps für die gelungene LAN-Party

Berlin/Bochum : Nackenkissen und Tastaturpuzzle: Tipps für die gelungene LAN-Party

Bertram Meyer beugt sich über seinen Schreibtisch und rüttelt am Monitorkabel seines Computers. Er zieht die Tastatur ab und packt die Computermaus ein. Im Flur seiner Wohnung in Berlin steht schon eine Kiste Energydrinks.

Er packt die Isomatte ein, den Schlafsack und ein aufblasbares Nackenkissen. „Das nehme ich nur mit, für den Fall, dass ich müde werde.” Ob er überhaupt schlafen wird, ist ungewiss, denn Bertram ist auf dem Weg zu einer Netzwerkparty. Wenn alles perfekt organisiert ist, wird er kaum zur Ruhe kommen - dafür aber umso mehr spielen.

In unregelmäßigen Abständen treffen sich die Mitglieder seines Clans zum gemeinsamen Spielen. „Immer nur online und ohne echtes Gegenüber macht das nur halb so viel Spaß”, sagt der 20-Jährige. Doch einfach nur die Rechner zusammenstöpseln - das war einmal. Selbst private LANs (Local Area Networks) werden heute generalstabsmäßig geplant. Das Ziel: ohne größere Probleme das Wochenende überstehen.

Besonders LAN-Partys, die in einem professionellen Rahmen stattfinden, haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Verschiedene Faktoren sind für den Erfolg eines solchen Events bestimmend. Um die Laune und Aufmerksamkeitsspanne der Teilnehmer aufrecht zu erhalten, sind heute Rahmenprogramme nötig: Dazu könnten ein Kickerturnier, Festplattenweitwurf oder Tastaturpuzzeln gehören, erklärt Josh Vögeding von Planetlan.de in Bochum. Deutschlands größter Onlinekalender für Netzwerkpartys hält jede Veranstaltung fest und gibt einen Überblick über die LAN-Szene.

Ein Patentrezept für das Gelingen einer LAN-Party gebe es jedoch nicht. „Man sollte klein anfangen und nur nicht zu viel wollen”, rät Vögeding. In der Vergangenheit gab es zu viele Veranstalter, die große Pläne hatten, aber dann an ihren eigenen Vorgaben gescheitert sind. Oft sei es so, dass man als Besucher eines LAN-Events den dringenden Wunsch verspürt, mal seine eigene Party zu veranstalten. „Das wichtigste ist, viel Zeit für die Organisation einzuplanen.”

Vor einigen großen Fehlern warnt Vögeding dennoch: Zu den schlimmsten Sünden auf einer LAN-Party gehört es demnach, die Fritteuse im Schlafraum zu platzieren, keine Schlafräume oder insgesamt nicht genug Platz zu haben. Letztlich würden die Probleme mit der wachsenden Erfahrung der Veranstalter aber weniger.

Für Bertram Meyer ist die Fritteuse im Schlafraum weit entfernt. „Wir rollen dort unsere Schlafsäcke aus, wo wir müde werden. Mir ist es egal, was und wo frittiert wird.” Als Besucher einer LAN-Party ist Meyer die Organisation seines eigenen Gepäcks viel wichtiger: „Immerhin schleppe ich zu jedem Treffen mein gesamtes Equipment mit.”

Wichtig sei das fachgerechte Transportieren der Computer. „Der Bildschirm gehört in die Originalverpackung und die Spiele in die entsprechenden Hüllen”, sagt Vögeding. Für große und schwere Gaming-PCs gebe es besondere Tragegurte, die den Tower in einen Rucksack verwandeln. „Doch da aktuelle Hochleistungs-Spiele-Rechner gut und gerne weit über 20 Kilogramm wiegen, ist das dann auch nicht für jeden Rücken die beste Wahl.”

Eindeutige Tipps für die Organisation einer LAN Party hat Kristian Metzger von der Onlineseite Eurogamer.de in Rednitzhembach (Bayern): „Hohe Decken sind Pflicht.” Wichtig sei es auch, ab einer bestimmen Besucherzahl die Räumlichkeiten von der Feuerwehr abnehmen zu lassen.

Die Einrichtung des Netzwerkes überlässt man Kristian Metzger zufolge unbedingt jemanden, der so etwas schon einmal gemacht hat. Dabei sollte das LAN großzügig gestaltet werden. Und ein Anruf beim Stromanbieter kann ebenfalls nicht schaden - nichts ist schlimmer, als ein Stromausfall mitten im Netzwerkgefecht. Aber nicht nur die Technik muss stehen. „Besonders schlimm ist es, wenn das Bier leer ist und von fast elementarer Bedeutung ist ein Toilettenservice.”

Von diesem organisatorischen Aufwand werden Bertram Meyer und sein Clan nicht viel mitbekommen - außer vielleicht, dass es kaum Probleme geben wird. „Wichtig auf einer Netzwerkparty ist mir folgendes: Dass wir alle ein bisschen Spaß haben - und dass wir siegen und nicht die Müdigkeit”, sagt Meyer während er, auf einer Bierbank in einer alten Eisenbahnhalle sitzend, das Monitorkabel an seinen Rechner stöpselt. Er wird in den nächsten 72 Stunden nicht viel Schlaf finden.

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