München: Mini-Konsole schrumpft weiter: Sony hat die PSP überarbeitet

München: Mini-Konsole schrumpft weiter: Sony hat die PSP überarbeitet

Es gibt Situationen, in denen das Personal einer Linienmaschine Wichtigeres im Sinn hat als Tomatensaft: Wenn ein Passagier auf einem nie zuvor gesehenen kleinen Gerät Knöpfe drückt, müssen die anderen Fluggäste eben auf ihr Getränk warten.

„Schon am Check-in-Schalter mussten wir zeigen, was das für ein Gerät ist”, erinnert sich Sony-Sprecher Guido Alt. Inzwischen versetzt die damals kurz vor ihrer Veröffentlichung stehende Playstation Portable (PSP) kein Flugpersonal mehr in Aufregung. Reif zum Abwracken ist sie deswegen aber noch lange nicht - zumal sie im Oktober in der neuen Variante PSPgo auf den Markt kommt.

Seit gut vier Jahren ist die meist schwarzglänzende Minikonsole in Deutschland zu haben - und zwischenzeitig schon das eine oder andere Mal totgesagt worden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung eindeutig im Schatten der anderen aktuellen Mobil-Konsole steht: Nintendos DS mitsamt Blockbuster-Spielen wie „Dr. Kawashimas Gehirnjogging”. Allein in Deutschland ist der DS bisher rund 5,5 Millionen Mal über die Ladentische gegangen.

Allerdings sind 1,5 Millionen hierzulande verkaufte PSPs auch kein Pappenstiel - vor allem angesichts der im Vergleich zum DS, der mehr oder weniger eine Konsole für alle sein soll, wesentlich kleineren Zielgruppe. „Sony wollte die PSP von Anfang an als Lifestyle-Gerät positionieren”, sagt Markus Schwerdtel - für technikbegeisterte junge Männer. Uns diese Mission kann laut dem Chefredakteur der in München erscheinenden Zeitschrift „GameStar” als gelungen bewertet werden.

„Es ist erstaunlich, wie viel Power in so einem kleinen Gerät steckt”, benennt Wolfgang Ebert vom Spieleanbieter Konami einen entscheidenden Pluspunkt der Konsole, die seit 2008 in der leicht überarbeiteten Variante PSP 3000 verkauft wird. Auch Schwerdtel ist überzeugt: Die PSP kann sich trotz mittlerweile nicht mehr ganz tauschfrischer Technik unter der Haube nach wie vor sehen lassen.

Das liege nicht zuletzt am hochkarätigen Spiele-Angebot. „Junge Erwachsene, die sehen wollen, was die PSP drauf hat, kommen zum Beispiel nicht um God of War herum” - ein in der Götterwelt des alten Griechenland spielendes Action-Adventure. Aber auch das bunte „Loco Roco” oder die angekündigte Umsetzung des ebenfalls garantiert gewaltfreien Playstation-3-Hits „Little Big Planet” zählen Schwerdtel zufolge zu den Höhepunkten. „Das zeigt ganz schön die Bandbreite an Spielen für die PSP.”

Nicht aufgegangen ist dagegen der Plan, aus dem Gerätchen mehr zu machen als eine Spielekonsole. So dient sie zwar auch als MP3-Spieler oder zum Betrachten von Fotos, aber kaum jemand bekommt es mit. „Das Problem ist, dass zum Beispiel das iPhone das auch kann, und dass man damit auch noch ein cooles Telefon in der Hand hat”, sagt Schwerdtel.

Und zumindest in Deutschland redet niemand mehr von Filmen oder Musikalben auf UMDs, den kleinen Datenträgern, mit denen das Laufwerk der PSP gefüttert wird. Die UMD sei angesichts der immer wichtigeren Downloads als Format für Filme und Musik überflüssig geworden, sagt Guido Alt von Sony. „Für uns war das eine Option, die ist unterschiedlich angenommen worden, und das war es dann.”

Die noch kleinere und gerade mal 160 Gramm schwere PSPgo wird aber auch das Ende für die UMD als Spieledatenträger bedeuten: Die Konsole kommt wie viele Handys mit Slider-Mechanismus daher, dafür haben die Entwickler auf das Laufwerk verzichtet. Die Spiele werden aus dem Playstation Store im Internet auf den 16 Gigabyte großen Speicher der PSPgo heruntergeladen. „Das trägt der Tatsache Rechnung, dass eben immer mehr Leute ihre Inhalte online kaufen”, erläutert Guido Alt.

Jede wichtige Veröffentlichung für die weiter angebotene PSP werde es auch für die neue Variante geben, manche wie die nächste Folge von „Gran Turismo” sogar etwas eher. „Die PSPgo-Spiele werden durch die Bank signifikant billiger sein als bisherige PSP-Titel”, sagt Alt - ohne konkrete „Hausnummern” zu nennen. Die überarbeitete Konsole, die sich technisch allein durch ihre zusätzliche Bluetooth-Funktionalität von der bisherigen unterscheidet, wird zum Preis von etwa 250 Euro in den Handel kommen.

Der Handel könnte sich nach Markus Schwerdtels Worten allerdings eine entscheidende Frage stellen: „Warum sollten wir die PSPgo ins Regal stellen, wenn wir hinterher keine Spiele dafür verkaufen können?” Nicht zuletzt deswegen sei die Sony-Aussage ernstzunehmen, die neue Variante solle die „klassische” PSP nicht ablösen, sondern ein Zusatzangebot sein. In den kommenden „zwei bis drei Jahren” würden PSP und PSPgo sicher parallel angeboten.