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Die digitale Welt: Mario und sein Bild vom Wohnzimmer

Die digitale Welt : Mario und sein Bild vom Wohnzimmer

Augmented Reality ist mitnichten neu, durchgesetzt hat es sich aber noch nicht. Nintendo findet diese „Realitätserweiterung“ offenbar recht praktisch: Das neue Mario Kart für die Switch findet mitten im Wohnzimmer statt.

Auf Deutsch könnte man die Technik auch „Erweiterte Realität“ nennen.Oft ist damit gemeint, dass Gegenstände, die eigentlich gar nicht da sind, auf einem Display in die tatsächliche Umgebung eingefügt werden.

Das neue Mario Kart für die Konsole Switch bedient sich dieser Technik. Möglicherweise sogar in mehrerlei Hinsicht: Zum einen konnte das Unternehmen darauf verzichten, sich selbst neue Strecken für den Rennspiel-Klassiker Mario Kart auszudenken. Zum anderen holt man sich das Unternehmen buchstäblich ins Wohnzimmer. Selbst zu Zeiten von voll vernetzten Smart Homes, mit dem WLAN verbundenen Staubsaugrobotern und den Alexas und Siris dieser Welt ist das nicht besonders angenehm.

Die Konstruktion im Wohnzimmer ist ausgefeilt, die Kurzform geht so: Ein echtes, motorisiertes Mini-Kart, wahlweise mit Mario oder seinem grün gekleideten Bruder Luigi, wird später tatsächlich durch das Wohnzimmer fahren und via Kamera seine Umgebung auf den Bildschirm übertragen. Vier Tore und zwei Wegweiser-Tafeln aus Pappe müssen in der Wohnung als Rennstrecke aufgebaut werden und grenzen den Weg ein. Die Software muss heruntergeladen, die Konsole kabellos mit dem Kart verbunden werden. Das Spiel läuft dann zweimal gleichzeitig – mit Überblendungen auf der Konsole und in Echt im Zimmer.

Bastel-Kit mit hohem Preis

Es ist das zweite Mal, dass Nintendo versucht, für die Switch ein Bastel-Kit zum einigermaßen horrenden Preis zu verkaufen. 2018 sollte sich der versierte Kunde mit vorgestanzten Bögen aus Pappe und ein paar Kunststoffextras zusätzliche Gegenstände für die Switch basteln. Nintendo Labo hieß das Ganze, Original-Kostenpunkt damals: 70 Dollar. Wenn man es positiv sehen möchte, könnte man an dieser Stelle anmerken, dass das immerhin noch weniger ist, als für Mario Kart Live gezahlt werden muss. Das kostet nämlich ungefähr sagenhafte 100 Euro. Und Um-die-Wette-fahren geht nicht, außer, man holt sich eine weitere Konsole samt Spiel.

Zum Thema Datenschutz kann man sagen, dass die Video- und Screenshot-Funktion im Spiel deaktiviert ist. Das dürfte aber eher dem Unternehmen als den Spielern nützen, denn offenbar war die Befürchtung groß, dass unerwünschte Inhalte, die sich in den Privatwohnungen befinden, ihre Wege ins Netz finden. Gefilmt wird das Ganze vom Mini-Auto dennoch, und mit dem Internet verbunden dürften die allermeisten Konsolen auch sein. Die sicherere Variante wäre da wahrscheinlich doch ein neues Mario-Kart-Spiel, ohne Kamera und ohne erweiterte Realität, dafür mit mehr Streckenvielfalt. Oder ganz analog die seit Jahrzehnten erprobten ferngesteuerten Autos.