Hamburg: Kostenlos ist im Kommen: Der Trend zu „Free to play”-Spielen

Hamburg: Kostenlos ist im Kommen: Der Trend zu „Free to play”-Spielen

Onlinespiele sind eine recht neue Sache, und doch gibt es auch hier schon eine Tradition: Wer in die virtuellen Welten eintauchen will, musste bisher - und muss es oft immer noch - das Spiel in der Packung kaufen, es installieren und dann ein Abo mit monatlichen Zahlungen abschließen.

Doch während dieses Modell bei „World of Warcraft” & Co. als Standard angesehen wird, setzt sich in jüngster Zeit eine andere Idee immer weiter durch: die der „Free to play”-Titel. Für sie fallen erstmal keine Kosten an. Der Spieler muss nur zur Kreditkarte greifen, wenn er sich besondere Annehmlichkeiten in der Spielwelt leisten will.

Grundsätzlich ist die Idee des freien Spielens nicht neu. Schon seit vielen Jahren gibt es Titel, die auf diese Weise funktionieren. Der Haken daran war allerdings die Qualität: Die billige Spielerei wurde nicht selten mit geringem Budget entwickelt - und präsentierte sich entsprechend.

Gerade diese Tatsache aber ändert sich zunehmend. Einer größeren Öffentlichkeit bewusst wurde das Anfang dieses Jahres, als Frogster aus Berlin „Runes of Magic” („RoM”) herausbrachte. Dabei handelt es sich um ein Online-Rollenspiel, das das virtuelle Rad zwar nicht neu erfindet.

Es gab und gibt den „World of Warcraft”-erfahrenen Spielern aber eben genau das, was sie kennen und wünschen: Sie können in der mittelalterlich angehauchten - und qualitativ durchaus vergleichbaren - Fantasiewelt ihre Helden aufpäppeln und gemeinsam mit anderen im Kampf gegen starke Monster mächtige Ausrüstungsgegenstände ergattern.

Der große Unterschied zum Welterfolg „WoW”: „RoM” kostet nichts - eigentlich jedenfalls. Nach Angaben der Entwickler ist es möglich, alle Abenteuer zu bestehen, ohne auch nur einen realen Cent dafür zu zahlen. Wer will, kann aber trotzdem echtes Geld ausgeben.

Denn die Geschäftsidee hinter „Free to play” ist das, was gemeinhin Item-Shop genannt wird: Der registrierte Spieler kauft - meist per Kreditkarte - für ein paar Euro die jeweilige Spielwährung. Damit kann er in dem Shop die gewünschten Dinge erwerben - vom Einrichtungsgegenstand bis hin zum Reitpferd.

Auch wenn kein Publisher oder Anbieter Zahlen nennt: Die Idee scheint zu funktionieren. So hat Frogster im Mai verkündet, für „RoM” hätten sich bereits gut eine Million Menschen registriert.

„Von den Spielern nutzen etwa 10 bis 15 Prozent den Item-Shop”, sagt Sprecher Axel Schmidt. Das ist ein Anteil, der als relativ hoch gilt. Unterschiede gibt es laut Schmidt zwischen den Nationen: „Franzosen nutzen den Item-Shop recht rege, die Deutschen auch - in den USA ist man noch etwas zurückhaltender.”

Dass die US-Amerikaner diese Zurückhaltung bald aufgeben, daran glauben wohl auch andere Entwickler. So hat Sony Online Entertainment (SOE) aus San Diego - etwa verantwortlich für die „Everquest”-Spiele - jüngst mit „Free Realms” ebenfalls einen „Free to play”-Titel veröffentlicht. Mit bemerkenswertem Erfolg: Bereits 17 Tage nach dem offiziellen Start vermeldete man den millionsten registrierten Nutzer.

Das hängt womöglich damit zusammen, dass sich „Free Realms” vom altbekannten Rezept des Monster-Metzelns in virtueller Umgebung entfernt: Der Titel richtet sich nicht nur an die „WoW”-gestählte Klientel, sondern will etwas für die ganze Familie sein. Je nach persönlicher Vorliebe kann der Spieler sich mit verschiedenen Mini-Games beschäftigen, kann sich um ein Haustier oder auch die Entdeckung der Landschaften kümmern. Gekämpft wird lediglich auf ausdrücklichen Wunsch.

Darüber hinaus hat sich SOE mit „Free Realms” von der Tradition zeitraubender Spielinstallationen und dem Herunterladen üppiger Patches verabschiedet: Nur minimale Datenmengen werden auf den Rechner geladen. Nach der Erstellung des gewünschten Spielcharakters soll das bereits erledigt sein.

„Es wird auch in Zukunft Online-Spiele mit Abonnements geben”, sagt Stephan Reichart vom Bundesverband der Entwickler von Computerspielen (G.A.M.E.) in Berlin - um dann hinzuzufügen: „Der Massenmarkt werden die "Free to play"-Titel sein.”

Daran sind die Hersteller - wenn auch eher unfreiwillig - nicht ganz unschuldig. Sie haben eine Entwicklung mitgemacht, die den Kunden überhaupt erst grundsätzlich günstige Spiele beschert hat: Seit einigen Jahren gibt es nicht mehr ganz neue Spiele als Zugabe zu Spielezeitschriften. Dadurch ist es laut Reichart für manchen zur Gewohnheit geworden, für den Preis einer Zeitschrift ein komplettes Computerspiel zu bekommen.

Das wiederum hat die Bereitschaft, 50 Euro für einen aktuellen Titel auszugeben, nicht gerade gesteigert. Stephan Reichart weiß von vielen jungen Spielern zu berichten, die nun auch die „Free to play”-Titel nutzen. Und nur, wenn ihnen danach ist, investieren sie auch mal ein paar Euro im Item-Shop. Vielleicht ist es also mit der Tradition der monatlich abgebuchten Summe bald wirklich vorbei.

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