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Frankfurt/Main/Köln: Kein Warten an der Umkleide: Immer mehr Modelabel mit Online-Shops

Frankfurt/Main/Köln : Kein Warten an der Umkleide: Immer mehr Modelabel mit Online-Shops

Mode kaufen, ohne sie vorher anzuprobieren - vielen ist das suspekt. Dabei kommt die Mode aus dem Versandkatalog schon seit Jahrzehnten nach Hause.

Und weil Kunden immer genauer wissen, was sie wollen, bestellen sie Hemden, Kleider oder Taschen mittlerweile gern über das Internet. Immer mehr Hersteller und Marken haben in den vergangenen Monaten einen eigenen Online-Shop aufgemacht. Der Vertrieb über große Filialisten entfällt - für Kunden hat das Vorteile.

Mehrere große Labels machten mit Neueröffnungen von 24-Stunden-Filialen im Netz auf sich aufmerksam - seien es H & M, Marc OPolo oder Strellson. Und der Bücher- und CD-Versender Amazon will diesen Markt nicht mehr anderen überlassen und hat jüngst eine Sparte für Schuhe und Handtaschen gestartet. Das ist kein Wunder, denn es sind nicht Bücher, CDs, DVDs oder Unterhaltungselektronik, mit denen die Versandhandelsbranche ihren größten Umsatz macht.

Mit rund vier Milliarden Euro entfällt der größte Anteil am Umsatz auf Bekleidung, Textilien und Schuhe, ergab die aktuelle Verbraucherstudie des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (bvh) in Frankfurt. Insgesamt wird etwas mehr als jedes fünfte Kleidungsstück über den Versandhandel verkauft, werden Bestellungen über Telefon und Postkarte mitgerechnet. Das Internet ist im Versandhandel allerdings der mit Abstand häufigste Bestellweg.

Daher kann es sich kaum eine Marke mehr leisten, Kunden die Möglichkeit zum Bestellen per Mail zu verwehren. „Es ist auf jeden Fall zunehmend”, sagt Hansjürgen Heinick von der auf den Konsumgüterhandel spezialisierten Unternehmensberatung BBE in Köln. Markenhersteller gerade im Modebereich machen ihm zufolge jetzt eigene Online-Vertriebe für Privatkunden auf. Ein Grund sei, dass gerade bei Mode die Markenbindung groß ist - und viele Kunden über die Marke schlichtweg schneller Passform, Größe und Stil finden, die sie bevorzugen.

„Vor allem Einzelhändler und Hersteller ohne eigene Läden bieten auch diesen Vertriebsweg immer häufiger an”, sagt bvh-Sprecher Oliver Claas. Und auch Marken wie S. Oliver oder Esprit haben einen Shop - als letztes prominentes Label zog kürzlich Mexx nach. Der Bundesverband des deutschen Textileinzelhandels (BTE) in Köln hat zwar keine Zahlen über die genaue Verbreitung von Online-Shops. „Es ist aber jeder im Netz in irgendeiner Form”, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Siegfried Jacobs.

Im Netz fehlt zwar der direkte Zugang zur Ware, der im Geschäft möglich ist: „Man kann die Stoffe nicht anfassen und auch nicht die Farbe genau ansehen”, sagt Jacobs. Wem die Hose oder Bluse beim Auspacken zu Hause nicht gefällt, der kann die Ware allerdings zurückgeben. Und auch andere Vorteile für Kunden liegen auf der Hand: Online-Shops sind unabhängig von Öffnungszeiten, auch abseits der großen Städte, wo neben Kaufhäusern auch große Läden stehen, in denen Hersteller ihr Programm exklusiv vertreiben - sogenannte Monolabel-Stores.

Nur hier und im Netz ist die gesamte aktuelle Kollektion verfügbar - und zwar in allen Größen. Käufer müssen auf der Suche nach einem begehrten Stück also nicht mehr von Geschäft zu Geschäft laufen, erläutert Gerd Müller-Thomkins vom Deutschen Modeinstitut in Köln. Und vielleicht ist online ohne großes Suchen genau das begehrte Stück aus der Modestrecke des Lifestyle-Magazins zu haben. Oder es gibt noch den Blazer aus der vergangenen Saison, der im Laden längst der neuen Kollektion gewichen ist.

Pragmatische Käufer sparen zusätzlich Zeit: „Für alle, die wissen, was sie wollen, ist das von Vorteil”, sagt Müller-Thomkins. Denn in den Online-Shops sei es möglich, das Warenangebot nach Suchkriterien durchzustöbern. Das komme dem Kaufverhalten vor allem von Männern entgegen: „Männer sagen im Laden: Ich brauche eine Jeans der Marke X in der und der Farbe und Größe. Anprobieren, Danke, Wiedersehen.”

Zudem bleiben Männer nach Erfahrung von Müller-Thomkins öfter einer Marke treu, von der sie Hemden- oder Anzugschnitt kennen und wissen, dass sie ihnen passen. Gerade bei ihnen sei das Online-Mode- Shopping daher beliebt. „Frauen gehen weiter lieber ins Geschäft - da passt der alte Zusammenhang "Männer sind Jäger, Frauen Sammler".”

Zwar gebe es zum Beispiel die neue Kollektion für registrierte Mitglieder nicht unbedingt früher - zumindest weiß Siegfried Jacobs von keinem solchen Beispiel. Dass Stammkunden per Newsletter einen Informationsvorsprung bekommen, sei aber gang und gäbe: „Mitglieder werden früh auf neue oder reduzierte Ware aufmerksam gemacht.” Sie werden per Mail zum Beispiel frühzeitig über den Start von Restpostenverkäufen zu günstigeren Preisen bei Auslaufen einer Kollektion informiert. Wem die zusätzlichen Mails im Postfach nichts ausmachen, der ist mit einer Registrierung bei der Lieblingsmarke also unter Umständen gut beraten.

Tipps für das Bestellen von Mode im Internet

Schnäppchenjäger können beim Bestellen im Netz nur bei Aktionsware sparen. Denn im Online-Mode-Shop ist Kleidung nicht grundsätzlich günstiger zu haben: „Der empfohlene Verkaufspreis steht auch im Netz. Wäre die Ware im Laden teurer, würde sich der Kunde ja auch wundern”, sagt Siegfried Jacobs vom Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels in Köln. Und häufig kommen noch Kosten obendrauf: Lieferdauer und Versandkosten sind von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich - daher ist ein Blick in die Bedingungen ratsam.

Zu beachten sind außerdem die für Online-Bestellungen üblichen Empfehlungen: Beim Geldtransfer sollte die Verbindung verschlüsselt sein, und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sollten über das Widerrufsrecht informieren. Weitere Tipps hat der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) in Zusammenarbeit mit der Polizei unter www.kaufen-mit-verstand.de zusammengestellt.