1. Digital

Berlin: Internetgemeinde trauert nach Loveparade

Berlin : Internetgemeinde trauert nach Loveparade

Der Tod von mindestens 18 Menschen bei der Loveparade hat am Samstag Trauer und Bestürzung auch in der Internetgemeinde ausgelöst. Allein der Mikroblog Twitter verzeichnete am Abend nahezu 100 neue Kurzmitteilungen im Minutentakt zu der Katastrophe bei dem Techno-Fest in Duisburg.

Neben Beileidsbekundungen an Angehörige der Opfer nutzten auch viele Menschen Twitter, um verzweifelte Vermisstenmeldungen zu verbreiten und so Gewissheit über das Schicksal von Töchtern, Söhnen oder Freunden zu erlangen.

In das Mitgefühl für die Betroffenen mischte sich bei Vielen auch Zorn auf die Veranstalter des Großereignisses. „Angeblich alles durchgespielt, aber nicht daran gedacht, dass Leute irgendwo hochklettern könnten”, kritisierte eine Nutzerin. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum noch cirka 70.000 feiern”, schrieb eine Andere kurz vor Mitternacht.

Auch im Internet-Gästebuch der WDR-Jugendwelle 1Live machten Hörer ihrem Ärger Luft. „Dieser Tunnel konnte für alle ersichtlich nicht funktionieren! Schon gar nicht in beide Richtungen gleichzeitig!!!!”, hieß es dort. „In jeder Dorfdisco sind Ein- und Ausgang voneinander getrennt.”

Ähnlich sah es ein anderer Hörer, der deshalb neben den Veranstaltern auch Stadt und Polizei in der Verantwortung sah. „Ich habe jahrelang im Rettungsdienst gearbeitet und es ist noch nie zu einer solchen Panik gekommen. Selbst bei Rock am Ring, wo zwar weniger Menschen sind, reicht ein Eingang nicht aus”, schrieb der 26-Jährige.

Das Unglück löste in der Internetgemeinschaft auch hitzige Diskussionen über die Grenzen der journalistischen Berichterstattung aus. Hauptziel der Kritik war die „Bild”-Zeitung. Sie hatte am Samstag auf ihrer Internetseite Fotos von nur notdürftig mit Tüchern zugedeckten Leichen veröffentlicht - eines davon mit der Bildunterschrift „Ein Foto das Gänsehaut vermittelt - zwei Tote am Haupteingang”. „Duisburg: Herzlich willkommen zur BILD-Loveparade-Leichenschau!”, twitterte ein erboster Nutzer. „Der Sensationsjournalismus der „Bild” erzeugt bei mir Würgereiz”, schrieb ein Anderer.

Zahlreiche Mikroblogger riefen zum Boykott der Zeitung auf und veröffentlichten den Link zum Beschwerdeformular des Deutschen Presserats.

Einige Gegenstimmen gab es aber auch: „Erkenne da keine Toten. Echauffiert euch mal lieber über die Politiker die euch ins Gesicht lügen”, schrieb eine Nutzerin. Andere lenkten die Aufmerksamkeit auf die Helfer. „Was leider immer ein wenig untergeht: die großartige Arbeit der Rettungskräfte. Ziehe meinen Hut”, hieß es in einer Twitter-Nachricht.

Auch die Stars der Loveparade äußerten sich per Internet. Der französische DJ David Guetta hatte wegen des Unglücks seinen Auftritt auf der Hauptbühne abgesagt. „Was heute geschehen ist, ist herzzerreißend und noch nie dagewesen”, schrieb Guetta auf seiner Twitter-Seite. Er rief seine Fans auf, ruhig den Heimweg anzutreten und sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus.

In einem waren sich viele Internetnutzer einig: Die Katastrophe vom Samstag wird womöglich das Ende des einst als Berliner Friedensdemonstration begonnenen Raver-Treffens bedeuten. Ein Hörer von 1Live schrieb: „Meiner Meinung nach war die Love-Parade 2010 die letzte seiner Art, dieses Unglück werden die Fans nie mehr vergessen können.”