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Berlin: In einigen Jahren könnten Festplatten im Laptop zum alten Eisen gehören

Berlin : In einigen Jahren könnten Festplatten im Laptop zum alten Eisen gehören

Mit dem Siegeszug der Mobilität in der Computertechnik ist die gute, alte Festplatte zum Datenrisiko geworden.

Deren Lesearm ist das letzte mechanische Bauteil in den meisten Laptops und kann sich sprichwörtlich verrenken, wird mit dem mobilen Rechner grob umgegangen. Die Folge: Der Datenzugriff wird verwehrt. Die vollelektronischen Flash-Speicher-Chips, wie sie in MP3-Spielern, Handys und Digitalkameras schon längst massenhaft zum Einsatz kommen, sind da unempfindlich. Und damit auch prädestiniert für Laptops. Doch der Speicher ist in großen Kapazitäten noch sündhaft teuer. Das soll sich bald ändern.

Derzeit wird der Markt von zwei Seiten aufgerollt. Bereits eingebaut werden SSD-Laufwerke (Solid State Drive) mit vergleichsweise kleinem Flash-Speicher in teureren Business-Notebooks ab einem Preis von rund 1500 Euro, sagt Speicherexperte Michael Schmelzle von der Zeitschrift „PC Welt”. Den Anfang im Consumer-Bereich aber machte ein Winzling namens Eee-PC. Mittlerweile sind einige andere Subnotebooks auf dem Markt, und Flash ist Standard. Kein Wunder, denn der Speicher hat weitere Eigenschaften, mit denen er die ferromagnetischen Vorgänger aussticht: Er ist leiser, weil der Elektromotor wegfällt, der bei Festplatten die Datenscheiben rotieren lässt. Damit spart er auch Strom, was der Akkulaufzeit zugutekommt. Und er spart Platz.

Für den Eee-PC von Asus ist für die zweite Jahreshälfte eine Version mit zwölf Gigabyte angekündigt. Voraussichtlich 399 Euro soll das Gerät kosten. Damit ist es bezahlbar. An der Schmerzgrenze liegen dagegen SSD-Laufwerke mit hoher Kapazität: 256 GB sind laut Schmelzle derzeit das Höchste der Gefühle, der Stückpreis liege bei 1500 bis 2000 Euro. Zur Anwendung kämen die großen Flash-Speicher bislang nur in Industrielaufwerken von Spezialnotebooks, die unter extremen Bedingungen eingesetzt würden - etwa bei großer Kälte, hohem Luftdruck oder hoher Luftfeuchtigkeit.

Doch die Vorteile des Flash-Speichers haben ihre Grenze. Zwar ist er in den Reaktionszeiten wesentlich schneller als eine herkömmliche Festplatte. „Es muss kein Schreib-Lese-Kopf mehr über dem Datensektor positioniert werden, sondern die Speicherzelle kann direkt über eine elektrische Leitung angesprochen werden”, erklärt Schmelzle den Zeitvorteil. In der Regel werde aber noch nicht die Datenrate der ferromagnetischen Verwandten erreicht, die derzeit bei maximal 120 Megabyte pro Sekunde liege. Will heißen: Bei großen Transfers flasht Flash-Speicher noch nicht so richtig, dafür kann er bei kleinen Datenmengen blitzschnell zupacken.

Dennoch wird es nicht mehr lange dauern, bis Flash die Herrschaft im mobilen Massenspeichersektor übernimmt: „Innerhalb der nächsten fünf Jahre erwarten wir, dass die ferromagnetischen Platten bei Notebooks durch SSD-Laufwerke komplett ersetzt sind”, sagt Schmelzle. Er hat in den letzten Monaten einen kontinuierlichen Preisverfall beobachtet. Zudem bastelten die Hersteller an höheren Datenraten.

„Flashspeicher ist jedoch nicht gleich Flashspeicher”, warnt Schmelzle vor „riesigen Qualitätsunterschieden”. Hochqualitative Speicherchips könnten zwar bis zu einer Million Mal wieder beschrieben werden. Die meisten Chips, die auf den Markt geworfen würden, seien jedoch lediglich 100.000 bis 250.000 Mal wieder beschreibbar. „Das entspricht einer Lebensdauer, die ein bisschen über die Gewährleistung hinweggeht.” Bei normaler Benutzung würden sie Simulationsstudien zufolge nach drei bis fünf Jahren den Dienst quittieren.

Hinzu kommt ein naturgegebenes Risiko, das Schmelzle so beschreibt: „Alles Elektrische kann irgendwie versagen.” Selbstverständlich sei deshalb auch bei der Verwendung von Flash-Speicher die mehrfache Datensicherung vonnöten. Als Trägermedium empfiehlt er wegen des Preisvorteils die herkömmliche Platte.