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Berlin: Immer wieder Nachschub: Was Sportspiele-Updates wirklich draufhaben

Berlin : Immer wieder Nachschub: Was Sportspiele-Updates wirklich draufhaben

Eigentlich ist das kaum zu glauben, aber schon 1958 flimmerte es über einen Oszillographen: „Tennis for Two” gilt als erstes Videospiel überhaupt. Damit begründete es zugleich das Sportspiel-Genre.

Gingen damals zwei weiße Striche und ein Viereck als Bildschirmtennis durch, braucht es heute mehr - zumal in einem Olympiajahr wie diesem. In immer neuen Auflagen kommen die virtuellen Fußball-, Eishockey-, oder Tennisvarianten heraus. Dabei drängen sich Fragen auf: Was ändert sich eigentlich von Version zu Version? Und muss es wirklich jedes Jahr das neueste Sportspiel sein, oder kann man auch mit einem vermeintlich veralteten noch Spaß haben?

Wenn Manuel Mohr vom Tennis spricht, klingt das professionell. Von Rückhänden redet er dann, von Deuces, Assen und verdeckten Schlägen. Der 25-jährige Berliner ist kein Tennisprofi, er ist Koch. „Aber jede Minute meiner Freizeit verbringe ich auf dem virtuellen Grün von "TopSpin 2"”, sagt er stolz. Und das kann er sein, denn sein Training hat ihn unter die ersten zehn Spieler der virtuellen Weltrangliste gebracht. Ende Juni erscheint bei Take 2 der dritte „TopSpin”-Teil. Für Manuel wird das ein Pflichtkauf sein - obwohl das Spielprinzip dasselbe bleibt und die Änderungen nur marginal sein dürften.

„Für mich als Onlinespieler lohnt sich der Kauf des neuen Teils”, sagt Mohr. Damit hat er schon eines der Argumente genannt, die den Kauf des jeweils neuesten Updates nahelegen können: Für Spieler, die es wirklich ernst meinen, sei es sehr wichtig, mit den verbesserten Modi für das Daddeln via Internet zu trainieren. „Ich will der Beste werden, das geht nur mit den neuen Onlinemöglichkeiten.”

Electronic Arts aus Köln ist ein Hersteller, der auf stetigen Nachschub setzt - zum Beispiel für die Fußballspiel-Serie „Fifa”. Der potenzielle Käufer steht dann vor der Frage, ob er die jüngste Version davon tatsächlich braucht. „Er weiß in etwa, was er bekommt: einen stets aktuellen Kader seiner Lieblingsteams, eine etwas bessere Grafik und minimale Veränderungen im Gameplay”, erklärt Tim Rittmann, Redakteur des in Hamburg erscheinenden Videospielmagazins „GEE”.

Das rechtfertigt für viele den jährlichen Neukauf durchaus, ist Rittmann überzeugt - und das nicht nur bei Fußballtiteln: „Die Konstellationen der großen Ligen ändern sich durch Spielertransfers jedes Jahr aufs Neue. Der Spieler will genau dieses Erlebnis auf dem Fernsehschirm nachempfinden.” Welcher richtige Fan interessiere sich schon für die Bundesligasaison des vergangenen Jahres?

In der 2009er-Version von „Fifa” dürfte jeder Spieler für den richtigen Verein antreten, und die Auf- und Absteiger werden ihre neuen Positionen bezogen haben. Davon abgesehen geht es eher um Detailverbesserungen als um wirklich Neues. „Es gibt eine neue Ballphysik. Und wenn Spieler zusammenstoßen, fallen sie realistisch hin”, sagt der in Vancouver arbeitende „Fifa”-Produzent Marcel Kuhn.

Um Kundenwünsche berücksichtigen zu können, habe man sich durch Foren gelesen. „Nun ist es auch möglich, dass der Ball abgeschirmt, also von der Spielfigur verdeckt wird”, sagt Kuhn. In der neuen Version, die sich am PC auch mit Tastatur und Maus spielen lässt, sei man der Fußballrealität noch einen Schritt nähergekommen. Allerdings ist das ein eher kleiner und alles andere als revolutionärer Schritt.

Jede Neuerung bei „Fifa” ist zugleich ein Versuch EAs, sich mit dem eigenen Spiel gegenüber dem Konkurrenten zu profilieren: Konamis „Pro Evolution Soccer”. Hier gibt es zwar keine echten Fußballer- und Vereinsnamen, dafür setzt der Hersteller aus Japan mit Erfolg auf Hyperrealismus. „"Pro Evolution Soccer" glänzt durch hervorragende Ballphysik”, sagt Tim Rittmann von der „GEE”.

Details zur Freude von Enthusiasten außer Acht gelassen, ist ein innovatives Steuerkonzept laut Rittmann ein Argument, das wirklich für einen Neukauf spricht. Solche Konzepte ermöglicht derzeit vor allem die Fernbedienung von Nintendos Wii. Sega setzt darauf mit dem vor einiger Zeit erschienenen „Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen” - einem Titel mit Comicoptik. Dagegen ist Segas zweiter großer Olympiatitel - „Beijing 2008” für Playstation 3, Xbox 360 und PC - ein klassisches Sportspiel.

Generell entscheidet sich der Spieler bei Sporttiteln entweder für Realismus und Detailgenauigkeit oder für unverfänglichen Spaß. Wer auf letzteres setzt und einfach nur gelegentlich eine Runde am Bildschirm bolzen will, kann auf die jährlichen Updates verzichten, rät Rittmann.

Am wichtigsten sei sowieso die Frage, ob echter Sport-Kitzel aufkommt: „Du musst das Gefühl haben, tatsächlich für das Geschehen auf dem Fußball- oder Tennisplatz verantwortlich zu sein.” Ist das der Fall, dann sei es egal, ob die Spieler Fantasienamen tragen oder längst bei anderen Clubs unter Vertrag stehen.