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Die digitale Welt: Google weiß eben doch nicht alles

Die digitale Welt : Google weiß eben doch nicht alles

Der Begriff ist längst in Fleisch und Blut übergegangen: googeln. Wie lang ist der längste Fluss der Welt? Ich google schnell. Ich will einen Kuchen backen, aber vorher nicht einkaufen, was kann ich ohne Eier und Butter servieren? Google wird’s wissen.

Egal, ob Erkältung, Liebeskummer oder Serientipps, wir suchen längst nicht mehr, nein, wir geben alles, was uns auf dem Herzen liegt, in das Fenster der Suchmaschine ein. Wir googeln, und wir klammern uns daran fest, dass es auf alles eine Antwort gibt, zuversichtlich, dass wir sie wenige Sekunde später erfahren werden. Und das ist irgendwie beruhigend.

Beunruhigend ist es, wenn Google keine Antworten parat hat. Dabei kann die Suchmaschine überhaupt keine Antworten auf alles liefern. Sie ist schließlich bloß eine Datenbank, die mit den Suchanfragen jeden Tag wächst. Google kennt weder meine Geschichte noch meine Familie. Ich kann Google nicht fragen, was der Lieblingsfilm meines Freundes XY ist, dafür aber, welche Filme die erfolgreichsten waren. Oder die am meisten gegoogelten. Und: Google ist nicht lexikalisch und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Das musste die Schreiberin dieses Textes dieser Tage selbst erleben. Nachdem auch sie regelmäßig reflexartig alles Mögliche googelt, fiel ihr beim Kaffeekochen auf der Arbeit eine Tasse mit der Aufschrift „Kerkwalser Tarraspott 2006“ in die Hände. Weil das irgendwie ulkig klang, wollte sie wissen, was dahinter steckt.

„Es wurden keine mit deiner Suchanfrage übereinstimmenden Dokumente gefunden.“ Ein richtiger kleiner Schockmoment. Ein Vertipper? Leider nicht. Ein Fehler auf der Tasse? Vielleicht, aber unwahrscheinlich. Was tun? Das Fenster einfach wegklicken und so weiterleben, als hätte sich dieser Vorfall nie ereignet?

Bis heute weiß die Texterin hiervon nicht, was es mit dem Kerkwalser Tarraspott auf sich hat. Hoffentlich nichts Unanständiges, aber dann wäre es wohl eher auf keine Werbetasse gedruckt. Immerhin: Vielleicht sucht die Autorin in Zukunft wieder bewusst öfter, anstatt zu googeln. Denn nur, weil es etwas nicht bei Google gibt, heißt es lange nicht, dass es das gar nicht gibt.