Kommentar zu Facebook: Gleiche (bedenkliche) Regeln für alle

Kommentar zu Facebook : Gleiche (bedenkliche) Regeln für alle

„Stellen Sie sich vor: Ein Mann mit der totalen Kontrolle über die gestohlenen Daten von Milliarden Menschen – ihre Geheimnisse, ihr Leben. Und das verdanke ich alles ‚Spectre’. ‚Spectre’ hat mir gezeigt, dass, wer auch immer die Daten kontrolliert, die Zukunft kontrolliert.“, sagt Mark Zuckerberg in die Kamera.

Das Video ist vor einigen Tagen auf der zu Zuckerbergs Facebook-Konzern gehörenden Plattform Instagram erschienen – und ein Fake. Zwei Künstler und eine Werbeagentur haben es im Rahmen der Ausstellung „Spectre“ produziert.

Zusammengesetzt ist der Clip aus Videomaterial von Zuckerberg von 2017 und der Sprachaufnahme eines Schauspielers. Es ist eine Überspitzung dessen, was man Zuckerberg und seiner Datenkrake Facebook vorwerfen kann. Aber es sieht verdammt echt aus. Als „Deepfake“ bezeichnet man diese für Laien kaum von der Realität zu unterscheidenden Fake-Videos. Im Mai kursierte bereits ein gefälschtes Video in den Sozialen Netzwerken, in dem Nancy Pelosi augenscheinlich betrunken vor Zuhörern spricht.

Auf beide Fake-Videos reagierte die Plattform gleich: Sie nahm den als gefälscht entlarvten Inhalt nicht aus dem Netz. Man werde mit dem Video des Chefs genauso umgehen wie mit jedem anderen Content. Das ist das einzige, was das Netzwerk tun kann, wenn es sich nicht Heuchelei vorwerfen lassen will. Den aktuellen Richtlinien zufolge sieht sich Facebook schließlich nicht in der Verantwortung, Inhalte zu sperren, sofern sie keinen Straftatbestand erfüllen.

Werden Inhalte als Falschmeldungen identifiziert, fügt das Netzwerk einen Disclaimer hinzu. Der verlinkt allerdings nur auf zusätzliche Informationen – und lässt die Verantwortung, sich weitergehend zu informieren damit auf der Seite des Nutzers. Der US-Sender CBS, dessen Logo im Video zu sehen ist, hat Beschwerde gegen den Clip eingereicht. Und einem CNN-Bericht zufolge will sich der amerikanische Kongress bald mit der politischen Dimension und möglichen Gefahren von Deep­fake-Videos auseinandersetzen. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2020 ist das mehr als dringend nötig.

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