Chemnitz/München: Gib Spam keine Chance: „E-Müll” vermeiden

Chemnitz/München : Gib Spam keine Chance: „E-Müll” vermeiden

Für viele Computernutzer ist es ein tägliches Leid - das Entsorgen von „E-Müll”. Unerwünschte Werbepost versperrt oft den Blick auf die wirklich lesenswerten elektronischen Briefe. Sein Spam-Aufkommen minimieren kann jedoch, wer intelligente Filter einsetzt und ein paar Verhaltenstipps beherzigt.

Ein vorsichtiger Umgang mit den eigenen Kontaktdaten zum Beispiel kann den Spam-Versendern das Handwerk erheblich erschweren. „Man sollte aufpassen, wo und wem man seine Adresse bekannt macht”, rät Frank Richter, Anti-Spam-Experte am Universitätsrechenzentrum der TU Chemnitz. Eine der Hauptfundstellen seien Internetseiten, die Spammer automatisch nach veröffentlichten E-Mail-Adressen durchsuchen lassen. Adressen in Forenbeiträgen und Gästebüchern zu nennen, sei eine sichere Methode, um bald darauf Werbemüll zu erhalten.

Wollen Betreiber von privaten Homepages Besuchern die Möglichkeit geben, Nachrichten zu hinterlassen, sollte eine E-Mail-Adresse nicht im Klartext zu lesen sein. „Besser ist es in diesem Fall, auf einen Link zu verzichten und stattdessen ein Kontaktformular anzubieten”, empfiehlt Computerexperte Frank Richter. Das „@”-Zeichen etwa durch die Buchstaben „at” zu ersetzen, überliste viele Spam-Roboter dagegen nicht.

Alternativ kann der Link als Grafik eingebunden werden. Das ist eine der sichersten Methoden, die Adresse zu verschlüsseln und dennoch sichtbar bleiben zu lassen ist. „So können die Spam-Roboter sie nicht lesen”, sagt Stephan Goldmann von der in München erscheinenden Zeitschrift „Chip”. Dazu wird die Adresse mit einem Bildprogramm in eine Datei geschrieben, in zwei Teile geschnitten, getrennt gespeichert und erst auf der Webseite wieder zusammengesetzt.

Marco Nassenstein von der Verbraucherschutzinitiative Antispam mit Sitz in Wipperfürth (Nordrhein-Westfalen) empfiehlt, mit E-Mail-Grußkarten zurückhaltend zu sein. Zudem sollte etwa bei Gewinnspielen, Umfragen und Online-Shopping auf die Angabe der E-Mail-Adresse - so oft es geht - verzichten werden. „Dafür, dass die Adresse nicht verkauft wird oder durch Sicherheitslecks an Dritte gelangt, gibt es keine Gewähr.”

In Fällen, in denen es sich nicht vermeiden lässt, seine Kontaktdaten auch an Unbekannte weiterzugeben, erfüllt eine „Wegwerf-Adresse” ihren Dienst. Landet dann unerträglich viel Spam im Postfach, wird einfach eine neue Adresse eingerichtet. So dürfte eine parallel vorhandene persönliche E-Mail-Adresse, die nur vertraute Menschen kennen, von unerwünschten Zuschriften weitestgehend verschont bleiben. Befristete Verfallsadressen sind auf http://www.antispam.de erhältlich.

Originelle E-Mail-Adressen ohne häufig verwendete Bestandteile sind laut Marco Nassenstein von Antispam von Vorteil. Sie werden nicht so leicht von Spam-Versendern „erraten”, die versuchen, per Zufallsprinzip an Adressen zu gelangen. Filter, die automatisch Lesenswertes von Unerwünschtem trennen, gehören selbst bei Anbietern von kostenlosen Mail-Adressen meist zur Grundausstattung. Allerdings sind sie in seltenen Fällen nicht standardmäßig aktiviert, sagt Stephan Goldmann von „Chip”. Ein Klick und der Spam dürfte E-Mail-Konten mit durchschnittlichem Postaufkommen kaum Kummer mehr bereiten.

Eine zusätzliche Spam-Abwehr stellen in E-Mail-Clients integrierte Filter dar. Wer kein Geld ausgeben mag, kann zum Beispiel auf das Gratis-Programm „Thunderbird” zurückgreifen. Es verfügt Frank Richter zufolge über einen effektiven Filter. „Die automatische Spam-Erkennung funktioniert schon zu Beginn recht gut.” Wenn man den Filter trainiert und festlegt, was man lesen möchte und was in den Papierkorb soll, wird er mit der Zeit noch besser, erklärt Richter.

Häufig ist es auch möglich, in E-Mail-Clients individuelle Nachrichtenregeln festzulegen. Das gleiche aber, so Richters Erfahrung, einer Sisyphos-Arbeit. „Die Absenderadressen von Spam ändern sich ständig. Sie einzeln zu sperren, führt zu keinem Erfolg.”

Je nach Spam-Menge kann es notwendig sein, einen weiteren Schutzwall hochzuziehen. Dann kommt zusätzliche Filtersoftware in Betracht, die gleich bei der Übertragung vom Postfach zum Mail-Programm Werbemüll abfängt. Die Auswahl an Gratisprogrammen im Internet ist groß. Stephan Goldmann von „Chip” empfiehlt die deutschsprachige Software „Spamihilator”. Diese lässt sich um zusätzliche Filter erweitern. „So kann ich mich gegen neue und besonders ausgefallene Ideen der Spam-Versender schützen.”

Spam einfach löschen

Gelangt trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Spam ins E-Mail-Fach, wird die unerwünschte Post am besten einfach gelöscht. Auf keinen Fall sollten darin enthaltene Links oder Bilder geöffnet werden. Von Vorteil ist es auch, E-Mail-Programme so einzurichten, dass sie Grafiken nicht automatisch herunterladen. „Die Inhalte sind mit speziellem Code versehen und bestätigen dem Absender, dass die Nachricht angekommen ist und der Nutzer existiert”, warnt Frank Richter, Anti-Spam-Experte am Universitätsrechenzentrum der TU Chemnitz. Aus dem gleichen Grund sind vermeintliche Angebote zum „Abmelden” auszuschlagen. Sonst folgt noch mehr Spam. Sich zu beschweren ist sinnlos - die Absenderadressen sind meist erfunden oder geklaut.

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