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Aachen: Für Sicherheit und mehr Tempo: Den PC von Datenmüll befreien

Aachen : Für Sicherheit und mehr Tempo: Den PC von Datenmüll befreien

Die Zeit nach Weihnachten eignet sich prima, um den PC aufzuräumen. Statt nur die unterm Christbaum vorgefundenen neuen Spiele auszuprobieren, geht es darum, den Datenmüll von der Festplatte zu fegen.

Es gebe vor allem drei Gründe, um den Ballast auf dem Rechner zu Leibe zu rücken, sagt Hermann Apfelböck von der „PC-Welt”: Platz schaffen, Spuren beseitigen und Leistung verbessern. Angesichts riesiger Kapazitäten, die moderne Festplatten bieten, ist der Aspekt Platz nicht mehr ganz so wichtig wie noch vor ein paar Jahren.

„Trotzdem sollte man mal schauen, ob da nicht einige Programme gelöscht werden können”, rät Apfelböck. Seine Empfehlung bezieht sich vor allem auf mehrfach vorhandene Software. Es sei nicht unbedingt sinnvoll, sieben verschiedene Bildbearbeitungsprogramme auf dem PC zu haben. Bei einem neu installierten PC ohne Internetanschluss auf dem nur die Textverarbeitung läuft oder wenige spezielle Programme, gebe es fast keinen Datenmüll, sagt Wolfram Meyer, der Computerkurse für die Volkshochschule Leipzig leitet.

„Das ist so wenig, dass der PC nicht belastet wird.” Werden auf einem PC oft neue Programme installiert und wieder deinstalliert, sehe die Sache schon anders aus. So macht das Programm bei seiner Installation einen Eintrag in die Registrierungsdatei, der so genannten Registry. Diese Datei wird bei jedem Rechnerstart abgefragt. „Die Registrierungsdatei kann man auch als Herz des Rechners bezeichnen. Es versteht sich von selbst, dass man am Herzen keine Experimente durchführt”, warnt Meyer.

Nicht immer werden die Registry-Einträge mit der Deinstallation des Programms vollständig entfernt. So wächst die Registry und verzögert den Start des Rechners. „Eingriffe in die Registry sind jedoch nichts für Laien”, warnt Apfelböck. Wenn überhaupt sollte der Nutzer nicht selbst per Hand eingreifen, sondern ein spezielles Programm verwenden.

Beim Starten eines Programms entstehen temporäre Dateien, die das Programm im Verzeichnis C:\WINDOWS\TEMP ablegt. Beim Beenden des Programms sollten diese wieder gelöscht werden. „Durch Programmkonflikte passiert es, dass diese Dateien stehen bleiben und im Laufe der Zeit immer mehr werden”, erklärt Meyer. Von Zeit zu Zeit müssten diese Dateien daher von Hand entfernt werden.

Der meiste Datenmüll entsteht beim Arbeiten im Internet. Gespeichert werden zum Beispiel der Verlauf und temporäre Internetdateien oder Cookies. Letztere sind kleine Dateien, die beim Surfen auf dem Rechner hinterlegt werden. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass der Nutzer auf bestimmten Seiten mit seinem Namen begrüßt wird. Gelöscht werden diese Daten am besten über den jeweils verwendeten Browser.

Den Verlauf zu leeren, ist vor allem aus Datenschutzgründen interessant: „Das gilt besonders für die Arbeit an Multi-User-Systemen”, erklärt Apfelböck. Schließlich sollten andere Anwender, die den Rechner mitnutzen, nicht unbedingt sehen können, wo man im Internet unterwegs gewesen ist. Manchmal sollen Daten so gelöscht werden, dass sie später von unbefugten Personen nicht wiederhergestellt und gelesen werden können.

„Dabei ist Löschen nicht gleich Löschen”, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. „Wer sich einigermaßen mit Computern auskennt, kann auch scheinbar gelöschte Dateien wiederherstellen.” Um „richtig zu löschen” sei es wichtig, dass die Datei, der Ordner, die Partition oder die gesamte Festplatte durch Überschreiben auch physikalisch gelöscht wird. Ein Verschieben in den Papierkorb mit anschließendem Entleeren reiche dazu ebenso wenig wie das Formatieren der Festplatte.

Für das endgültige Löschen raten die Experten auch teilweise frei erhältliche Programme zu verwenden. Soll der gesamte Computer entsorgt werden, gelte es, die Festplatte zu zerstören.

Ein Aufräumen im Sinne der Leistungssteigerung ist die Überprüfung der automatisch gestarteten Programme. Zu sehen sind diese teilweise im Ordner „Autostart”. Programme, die nicht regelmäßig oder gar nicht genutzt werden, sollten nicht bei jedem Hochfahren des Rechners gestartet werden.

Je mehr Programme laufen, desto größer ist die Angriffsfläche. Welche Programme automatisch gestartet werden, verraten Programme wie msconfig oder Defender. Msconfig ist in Windows integriert. Den Defender stellt Microsoft kostenlos als Download bereit. Allerdings sollten Nutzer vorsichtig sein, wenn es um das Deaktivieren so genannter Dienste geht. Möglicherweise arbeiten bestimmte Funktionen, die sie brauchen, hinterher nicht mehr.

Nicht verwendete Benutzerkonten fressen ebenfalls Ressourcen. Und ein Relikt aus Zeiten, in denen Festplatten langsam waren, ist die Defragmentierung. Dieses Windows-Programm sorgt dafür, dass auf der Festplatte in verschiedenen Sektoren verteilte aber eigentlich zusammengehörende Daten wieder beieinander gespeichert werden. Das soll den Zugriff beschleunigen. „Ich defragmentiere nur äußerst selten”, sagt Apfelböck. Der Gewinn sei meist nur minimal. Er rät, vor dem Defragmentieren die Option „Überprüfen” zu wählen.

Viele Anwender haben Apfelböck zufolge mehrere Windows-Versionen installiert. „Ob das sinnvoll ist?” Viel Speicher belegt zudem die Funktion Systemwiederherstellung: Windows XP legt bei Änderungen, etwa der Installation neuer Treiber, automatisch ein Abbild des bestehenden Systems an, um dieses später notfalls wieder herstellen zu können. „Da kommen schnell 100 oder mehr Wiederherstellungspunkte zusammen”, sagt Apfelböck. Läuft das System stabil, könne der Nutzer es wagen, die Einstellungen so zu verändern, dass nur der jeweils letzte Wiederherstellungspunkt gespeichert wird.