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Hamburg/Hannover: Finger weg vom Eigenbau: Laien sollten PCs höchstens aufrüsten

Hamburg/Hannover : Finger weg vom Eigenbau: Laien sollten PCs höchstens aufrüsten

Eigenleistung ist das Mittel der Wahl, um beim Hausbau viel Geld zu sparen. Lange Zeit galt das auch für den Traum-PC. Doch inzwischen ist der Preisvorteil beim Selberstecken und Selberschrauben zusammengeschrumpft. Um einem leeren Gehäuse von Grund auf Leben einzuhauchen, muss man entweder Enthusiast oder Profi sein.

Ohne tiefergehende Kenntnisse kann ein Laie allenfalls Aufrüstungen erledigen. Denn die Technik ist mit den Jahren nicht etwa einfacher, sondern noch komplizierter geworden. „Eigenbau ist etwas für Spezialisten, die High-End haben wollen”, sagt Klaus Dembowski.

Den Sachbuchautor und Diplom-Ingenieur am Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Hamburg-Harburg erreichen regelmäßig Hilferufe von Laien, die am Eigenbau gescheitert sind. „Die haben sich Komponenten im Internet zusammenbestellt und dann nicht mehr weiter gewusst.” Außerdem lasse sich durch das Selberbauen heute auch nicht mehr unbedingt Geld sparen. „Die Zeiten haben sich geändert, seit bei jedem Discounter PCs angeboten werden.”

Lohnenswert sei es nur noch, ältere Rechner auf- oder umzurüsten. Im Eifer des Gefechts vergisst so mancher Schrauber auch, dass beim Eigenbau noch nicht einmal ein Betriebssystem dabei ist. „Wenn man die ganze Software einzeln kauft, kostet das ein Heidengeld”, sagt Dembowski.

Dazu kommt noch die Garantie. Wer komplett kauft oder ein System nach Wunsch vom Händler zusammenstellen lässt, bekommt die Gewährleistung für das komplette System dazu. Sonst gilt die Garantie nur für die einzelnen Komponenten. Wer allerdings im Komplett-PC Grafikkarte, Speicher, Festplatte, Lüfter oder DVD-Brenner selbst austauschen will, muss sich zuerst informieren. „Ich sollte mich beim Hersteller vergewissern, ob die Gewährleistung bestehen bleibt, wenn ich das Gerät öffne”, rät Computerexperte Jaroslav Smycek von der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover.

Zudem lohne es sich, beim Eletrohändler gezielt nach einer Rückgabegarantie ohne Benennung von Gründen zu fragen, die manchmal angeboten wird. So schützt sich der Käufer, wenn etwas nach dem Einbau nicht funktioniert. „Die Materie ist noch komplizierter geworden, was Kompatibilität angeht”, sagt Smycek. Wer selbst Hand anlegt, trägt zudem immer ein gewisses Restrisiko, wenn ihm beim Einbau ein Fehler unterläuft.

„Der Händler kann mir eigentlich immer vorwerfen, ich hätte die Komponente beim Einbau kaputt gemacht.” Deshalb sollte man auch in Erwägung ziehen, die Auf- oder Umrüstung vornehmen zu lassen und bei mehreren Händlern und Werkstätten Angebote einholen.

„Wenn man dort einbauen lässt, wo man gekauft hat, kann es einen günstigeren Gesamtpreis geben”, sagt Smycek. Außerdem müsse der Händler dann auch dafür gerade stehen, dass neue und alte Teile miteinander harmonieren. Die eigene Arbeitszeit sollten angehende Schrauber auch einmal mit der möglichen Dienstleistung aufrechnen.

„Man unterschätzt die Zeit, die beim Basteln draufgeht”, warnt Dembowski. Für alle, die genug davon haben, gilt beim Umgang mit Speicherriegeln & Co.: „Immer die Ruhe bewahren.” Am besten liest man sich vor einer Montage Wissen an. Die Lektüre im PC-Handbuch ist ebenso sinnvoll wie das Stöbern in den zahlreichen Computerhilfe-Foren im Internet. Und natürlich wird jede Komponente mit einer Montage- und Gebrauchsanleitung geliefert. „Man sollte Schnellschüsse vermeiden”, rät Dembowski. Soll beispielsweise eine neue Festplatte eingesetzt werden, reicht es nicht, sich nur über die Speichergröße der zukünftigen Harddisk Gedanken zu machen. Auch die Schnittstelle muss passen. Bei Festplatten vollzieht sich laut Dembowski zur Zeit der technische Übergang vom parallelen IDE- zum seriellen ATA-Interface.

„Bei den Grafikkarten haben wir den Wechsel von AGP zu PCI-Express.” Vor dem Komponentenkauf sollte man sich also ein genaues Bild von Schnittstellen und Slots im Rechner machen und Typenbezeichnungen von den alten Komponenten aufschreiben. „Früher gab es viel längere Zeit die gleichen Schnittstellen”, sagt Dembowski. Außerdem verlange heute fast jede Prozessor-Generation auch neuen Arbeitsspeicher.

Deshalb komme es nur noch selten dazu, dass Computerbesitzer ihren Prozessor (CPU) „upgraden”. Wer sich trotzdem für einen neuen Prozessor entscheidet, muss mit dem Modul umgehen wie ein rohes Ei. „Wenn Sie die CPU handhaben, sollten Sie unbedingt einen antistatischen Handgelenkschoner tragen”, heißt es beim Prozessorhersteller Intel.

Sinnvoll ist dieses Armband auch bei der Arbeit mit Arbeitsspeicher (RAM), Grafikkarten oder Motherboards. Wie genau die CPU in den Sockel des Motherboards gesetzt und wie die Kühlblock-Ventilator-Einheit mit der CPU verbunden wird, zeigt beispielsweise der Prozessorhersteller AMD in Videos im Support-Bereich seiner Homepage. Wer sich vor dem Neukauf aber genau überlegt, was er braucht, kann einer Auf- oder Umrüstung lange aus dem Weg gehen. Ob man beim Discounter, Fachhändler oder im Elektromarkt zuschlägt, ist letztendlich eine Frage des Preises.

„Das muss man einfach durchrechnen”, sagt Dembowski. Nur für Büroarbeiten brauche es beispielsweise keine separate Grafikkarte. Wird der PC auch als Fernseher genutzt, sollte man sich natürlich nach einem Angebot mit TV-Karte umschauen. Und ist zum Beispiel ein besonders leiser PC gewünscht, gelte es, bereits im Laden die Ohren zu spitzen.