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Stuhr/Wilhelmshaven: Ferienhaus per Mausklick

Stuhr/Wilhelmshaven : Ferienhaus per Mausklick

Das Internet macht vieles einfacher - auch für Urlauber. Das gilt zum Beispiel für die Suche nach einem Ferienhaus. Online geht das einfach bequemer. Die Suchfunktionen werden immer besser, auf entsprechenden Portalen wird immer mehr geboten. Bewertungen von früheren Mietern des jeweiligen Objektes geben eine zusätzliche Orientierung.

Experten gehen davon aus, dass sich die Ferienhausvermittlung deshalb zunehmend ins Web verlagert - Risiken und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. Nicht nur viele private Anbieter inserieren ihr Haus im Internet. Auch große Ferienhausanbieter wollen sich die Online-Bucher längst nicht mehr entgehen lassen.

Auch ganz klassische Veranstalter wie TUI Wolters haben das Web für sich entdeckt: „Der Ferienhausmarkt ist nur zu 25 Prozent organisiert”, sagte Heinz Kolata, Geschäftsführer des Unternehmens mit Sitz in Stuhr bei Bremen, bei der Vorstellung der Katalog-Programme für 2007. „Das heißt, 75 Prozent sind lange Zeit an uns vorbeigegangen.”

Und in diesem Bereich läuft ein erheblicher Teil online. „Wir haben im Internet am Anfang nur rankendes Beiwerk gesehen”, sagt Kolata. „Es ist aber ein Stück Zukunft, dem wir uns nicht verschließen können.” Von den 16 000 Ferienwohnungen und Häusern aus 27 Ländern, die TUI Wolters in seinen Katalogen hat, sind mittlerweile alle online zu buchen - sowohl über die eigene Website www.tui-ferienhaus.de als auch über atraveo.de. Das ist ein Ferienhausportal, an dem TUI Wolters inzwischen beteiligt ist und das - ähnlich wie ein Reisebüro - nur als Vermittler auftritt.

Dessen Geschäftsführer ist Dirk Froelje, zuvor bei Wolters Vertriebsleiter. Über atraveo sind laut Froelje knapp 110 000 Häuser buchbar. „Davon sind 80 Prozent von verschiedenen Veranstaltern, die übrigen von privat.”

Anders als auf der Wolters-Website finden sich dort also auch Produkte der Konkurrenz, was für alle, die ein Ferienhaus suchen, den Vorteil leichterer Vergleichbarkeit hat. Aber auch atraveo.de selbst ist nicht etwa konkurrenzlos: „Solche Portale gibt es seit langem, andere haben das schon viel früher gemacht”, sagt Prof. Torsten Kirstges von der Fachhochschule Wilhelmshaven.

Die ersten Anbieter hat es nach seiner Beobachtung bereits vor 15 Jahren gegeben. „Veranstalter wie TUI Wolters ziehen jetzt nach in der Hoffnung, auf diese Weise neue Kundenschichten zu erreichen”, sagt der Tourismusforscher. Portale mit Angeboten von verschiedenen Anbietern hält auch Kirstges für vorteilhaft: „Preise lassen sich auf diese Weise sehr einfach vergleichen.”

Ein Portal, das das seit langem bietet, ist e-domizil mit Sitz in Frankfurt/Main. Auch e-domizil setzt auf mehrere Ferienhausanbieter wie Novasol, Dancenter, Interhome oder Interchalet und übrigens auch TUI Wolters. „Wir haben Häuser von 5 großen und etwa 30 kleinen Anbietern auf unserem Portal”, sagt e-domizil-Geschäftsführer Detlev Schäferjohann.

Die Zahl der Buchungen habe sich in den vergangenen fünf Jahren verzehnfacht. „Reiseentscheidungen werden auf der Basis von Informationen getroffen.” Und die ließen sich online viel besser recherchieren als gedruckt. Vor allem gehe es schneller: „Nehmen wir mal an, jemand sucht für acht Personen ein Ferienhaus an der dänischen Westküste - im Juli für zwei Wochen. Es soll Geschirrspüler, Sauna und Swimmingpool haben und für Hunde geeignet sein.”

Wer das mit Hilfe der Kataloge verschiedener Anbieter suchen will, müsse Geduld haben. „Im Internet geht das in 30 Sekunden.”

Im Web lassen sich die Ferienhäuser aber auch ausführlicher darstellen: Neben einer Beschreibung, einem Belegungskalender und der Preistabelle können Vermieter bei atraveo.de bis zu 20 Bilder veröffentlichen. Und das ist erst der Anfang. Neu sind interaktive Landkarten, mit denen Interessenten die Lage jedes Objektes besser beurteilen können sollen.

Ein Satellitenbild zeigt dann auch die Umgebung: Dafür ermittelt atraveo die exakten Geodaten des Ferienhauses und kombiniert sie mit Kartenmaterial von „Google Maps”. Damit lässt sich zum Beispiel erkennen, wie weit der Strand entfernt ist.

„Punktgenaue Informationen für perfekte Urlaubsplanung” nennt Dirk Froelje das. Auch Prof. Kirstges sieht in solchen Funktionen einen erheblichen Vorteil. „Man hat damit Möglichkeiten, die einem kein Katalog bieten kann.” Allerdings gebe es auch Nachteile: „Die gefühlte Sicherheit ist bei Buchungen im Reisebüro einfach größer”, sagt Kirstges.

Denn ganz geheuer sind Online-Geschäfte den Deutschen immer noch nicht. „Es gibt nach wie vor Kunden, die informieren sich zwar imInternet, buchen dann aber ganz klassisch.”

Haftungsrechtlich bleiben Portale außen vor: Wenn es etwas zu beanstanden gibt, müssen sich die Kunden an den Veranstalter oder den privaten Vermieter wenden.

Das Internet hat aber noch weitere Stärken, zum Beispiel, dass Nutzer sich selbst zu Wort melden können - ein typisches Merkmal für Web 2.0. Portale wie holidaycheck.de verdanken diesem Phänomen ihren Erfolg: Dort sind mehr als 400 000 Bewertungen von Hotels nachzulesen, aus der Feder von Hotelgästen.

Genauso etwas schwebt Dirk Froelje auch vor: Web 2.0 für Ferienhauskunden. Und deshalb hat atraveo eine Website unter www.ferienhausmeinung.de gestartet, auf der schon mehr als 16 000 Kundenmeinungen nachzulesen sind. Jeder, der in einem der über atraveo.de buchbaren Häuser gewohnt hat, kann seinen Kommentar abgeben.

„Man denkt vielleicht, die meisten würden meckern, aber das ist gar nicht so”, sagt Froelje. „Rund 90 Prozent der Bewertungen sind positiv.” Negative Kritik wird allerdings erst veröffentlicht, nachdem der kritisierte Anbieter Gelegenheit bekommen hat, dazu Stellung zu nehmen. Prof. Kirstges hält solche Kundenmeinungen für nicht unproblematisch: „Das kann helfen, aber das Bild kann auch total verfälscht sein.”

Eine echte Orientierung wäre nur möglich, wenn es zu jedem Haus etliche Kommentare gäbe. Davon ist atraveo weit entfernt: Bislang gibt es statistisch gesehen nicht einmal für jedes Objekt auch nur eine einzige Bewertung - das dürfte im Zweifelsfall nicht viel weiterhelfen.