Die digitale Welt: Es strömt wieder – „Game of Thrones“ ist zurück

Die digitale Welt : Es strömt wieder – „Game of Thrones“ ist zurück

Der Winter kommmt. Wenn Sie bei diesen Worten denken: Haha, der Zeitungsheini hat aus Versehen die Kolumne für November erwischt – dann lesen Sie hier bitte nicht weiter.

Wenn Ihnen dagegen etwas durch den Kopf geht wie: Schade, dass das mit Jon Snow und der hübschen rothaarigen Wildlingsfrau nichts geworden ist, dann sind Sie in diesem Text richtig. Es geht natürlich um „Game of Thrones“, die opulenteste Stichwaffen-Leistungsschau, die je für einen Streamingdienst in Filmform gegossen wurde. „Gießen“ ist dabei ein gutes Stichwort, denn vergossen wird ja so einiges an Blut, Schweiß und Tränen. Aber Streaming heißt ja nicht umsonst „Strömen“.

Ab Sonntagabend läuft – nach fast zwei Jahren Pause – die finale achte Staffel an. Endlich ist die Wartezeit vorbei für alle (ein entsprechendes Abo gekauft habenden) Fans von schwarzgelockten Nachtwächtern, inzestuösen Königskindern, pelz-, bart- und pelzbart-tragenden Wikingern und all den interessanten Todesarten, die eine ordentliche Mittelalterklamotte so herzerwärmend machen. Plus sparsam bekleideter Damen auf geflügelten Reptilien. Sie sehen, ist wirklich für jeden was dabei.

Damit geht ein phantomschmerzhaftes Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit vorbei, wie es höchstens Fußballfans ansatzweise nachvollziehen können. Ein Entzugs-Phänomen, das in der Welt der Sportmedizin diagnostiziert wird als „Bundesligapause“. Als ob wir Thrones-Abhängigen nicht schon unter genug Nebenwirkungen leiden würden! Seit Serienbeginn im Jahr 2011 können wir keinen Wald in der Region mehr betreten, ohne uns beim leisesten Knacken im Gehölz umzuschauen nach den Weißen Wanderern aus Wassenberg.

(Ist Ihnen übrigens mal aufgefallen, dass der halbe Kreis Heinsberg klingt, als sei der für die Benennung zuständige Stadtplaner auf Westeros geboren? Waldfeucht, Fell, Wehr, Rosenthal, Isenbruch, Wegberg und natürlich: Wildenrath hinterm Eiswall. Aber ich schweife ab.)

Weiße Wanderer hin oder her – was uns Fans aber erst so richtig den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist, dass irgendein Freund oder Kollege das Ende der neuesten Folge vorab ausplaudert. Oder den Tod der nächsten liebgewonnenen Hauptfigur. Eine Ruchlosigkeit, für die als Strafe einzig angemessen wäre, dass der Tunichtgut fortan von einer glöckchenschwenkenden Nonne verfolgt wird, die „Schande! Schande!“ ruft.

Auch wenn das anfangs so angenehm ausgeruhte Erzähltempo zum Schluss das eines Action-Thrillers an- und die Handlung entsprechend an Tiefe abgenommen hatte: Die Serie bleibt Kult – und uns Fans es nicht erspart, uns alle alten Folgen noch einmal reinziehen zu müssen (wie war das gleich mit Jon Snow und Ygritte?). Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Leibarzt oder Alchimisten.

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